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Absturz beim Bergrutsch

67-jährige Tübingerin schwer verletzt geborgen

50 bis 60 Meter weit stürzte sie in der Nähe des Bergrutsches einen steilen Geröllhang hinab: Eine 67-jährige Wanderin aus Tübingen wurde am frühen Sonntagabend am Albtrauf bei Mössingen schwer verletzt.

22.10.2012
  • Ernst Bauer

Mössingen. Dank eines Mountainbikers – der die Hilferufe der Frau gehört hatte – waren die Rettungskräfte relativ rasch vor Ort. Doch erst nach Einbruch der Dunkelheit, gegen 19 Uhr, gelang es ihnen, die 67-Jährige mit schweren Kopfverletzungen zu bergen. Um 17.51 Uhr war die Polizei alarmiert worden: Ein 41-jähriger Mössinger, der mit seinem Rad beim Dreifürstenstein unterwegs war, habe Schreie gehört und eine abgestürzte Spaziergängerin entdeckt. Sofort machten sich rund 40 Rettungskräfte im unwegsamen Waldgelände am Mössinger Albtrauf auf die Suche – das Rote Kreuz mit Notarzt und Rettungshubschrauber, die Belsener Feuerwehr, die Bergwacht aus Pfullingen und Urach sowie mehrere Streifen der Polizeireviere Tübingen und Hechingen nebst einem Polizeihubschrauber.

Die Einsatzkräfte nahmen den Mountainbiker im Auto mit, so schilderte gestern der Belsener Feuerwehrkommandant Thomas Schlegel die Situation vor Ort, als sie am Alten Morgen – einem bekannten Aussichtspunkt mit Wanderparkplatz unterhalb des Dreifürstensteins – ihre Rettungsaktion starteten. Die Absturzstelle lag etwa in der Mitte zwischen dem Bergrutsch am Hirschkopf und dem Dreifürstenstein, im Bereich „Streitwald“. Die Frau saß dort, an einen Baum gelehnt, mit den Füßen nach oben; unterhalb eines steilen Geröllfeldes. Sie hatte sich – so der Eindruck Schlegels – offenbar etwas aufrappeln können, war auch ansprechbar, aber „stark unterkühlt“, so der Feuerwehrmann. „Wir wissen nicht genau, wo sie abgestürzt ist.“ Sie konnte sich an nichts mehr erinnern.

Verirrt auf dem Weg zum Dreifürstenstein

Auf jeden Fall lag sie auf halber Strecke zwischen dem letzten Wanderweg und dem Traufweg oben, dem neuen Premiumwanderweg „Dreifürstensteig“ – dort geht es 60 Meter und dann noch einmal 80 Meter steil nach oben. „Da gibt es kein Halten mehr“, sagt Schlegel – der mit seinen Leute von der Frau immerhin erfahren konnte, warum sie auf diese abschüssige Bahn geriet: „Ihr Mann und sie hatten sich getrennt, um den Weg auf den Dreifürstenstein zu finden.“ Der Ehemann kam dann ahnungslos an der Unfallstelle vorbei – „und fragte, was die Polizei hier tue, er suche seine Frau“. Er sei natürlich aus allen Wolken gefallen, schwer geschockt gewesen, so Schlegel, als er hörte, dass sie verunglückt sei und ein groß angelegte Rettungsaktion laufe.

Die Bergung war schwierig. Zusammen mit der Bergwacht hat die Belsener Feuerwehr „die Erstversorgung im Hang gemacht“; die schwerverletzte Tübingerin wurde etwa 50 Meter abgeseilt und dann noch gut 120 Meter Wegstrecke getragen. Das Rote Kreuz brachte sie in eine Tübinger Klinik.

„Sie hat noch Glück gehabt“, resümiert Thomas Schlegel. Nicht auszudenken, wenn sie bewusstlos gewesen und es Nacht geworden wäre. „Wenn uns der Radfahrer nicht so gut hätte einweisen können – der war sehr hilfreich –, hätten wir sie nicht so schnell gefunden.“ Rund 20 Minuten nach der Alarmierung wurde die 67-Jährige in ihrer hilflosen Lage entdeckt – „das ist sehr schnell“.

Bergrutschführer Armin Dieter – der die Gegend kennt wie seine Fototasche – war am Sonntagabend ebenfalls vor Ort; er fuhr mit Kreisbrandmeister Karl Hermann hinaus, stellte dann aber schnell fest: „Es war nicht direkt am Bergrutsch – sondern rüber Richtung Dreifürstenstein.“

Wie gefährlich ist der neue Wanderweg „Dreifürstensteig“? „Es geht halt am Trauf überall steil runter“, sagt Dieter. „Das kann überall passieren.“ An den gefährlichen Überhangstellen oben am Rutsch, vor denen er immer wieder gewarnt hat, wurden inzwischen immerhin Warntafeln aufgestellt: „Vorsicht, Hangkante überwölbt!“

67-jährige Tübingerin schwer verletzt geborgen
Steilhang am „Streitwald“, oberhalb des Buchgrabens, zwischen Dreifürstenstein und Hirschkopf/Bergrutsch: In diesem Gebiet ist die Frau abgestürzt.

67-jährige Tübingerin schwer verletzt geborgen
Der Albtrauf im Süden von Belsen und Mössingen.

Beim Bergrutsch am Hirschkopf (800 Meter) war am 12. April 1983 ein 600 Meter breiter Steilhang mit vier Millionen Kubikmeter Erde und Geröll abgebrochen.
Der Dreifürstenstein (854 Meter) ist westlich davon der höchste Berg in der Nachbarschaft, südlich von Belsen direkt an der Kreisgrenze zu Zollern-Alb gelegen, nach drei Seiten steil abfallend.

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22.10.2012, 12:00 Uhr

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