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8 Mile

Ein Superstar inszeniert sich als Underdog. Sein Rap reißt mit. Sein Blick wirft um.

Ein Superstar inszeniert sich als Underdog. Sein Rap reißt mit. Sein Blick wirft um.

8 MILE
USA

Regie: Curtis Hanson
Mit: Eminem,Mekhi Phifer,Kim Basinger

- ab 12 Jahren

Tagblatt-Wertung

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24.11.2015
  • mi

Nicht um eine Entfernung (acht Meilen) geht es, sondern um eine Grenze: Die „8 Mile Road“ markiert den nördlichen Stadtrand von Detroit. Diese schnurgerade Linie ist nicht nur eine Verwaltungsgrenze, sondern auch eine soziale, und sie zieht sich durch den gesamten Film. Unüberwindbar nämlich ist für die meisten Amerikaner die Trennung zwischen den „weißen“ Mittelklasse-Suburbs (die „8 Mile Road“ führt übrigens bis zur beschaulichen Tübinger Partnerstadt Ann Arbor) und den „schwarzen“ Innenstadt-Vierteln.

Doch keine Grenze ohne Grenzgänger: Der weiße Rapper Jimmy „Rabbit“ Smith (gespielt von Marshall Mathers alias Eminem) wohnt mit seiner Mutter in einem „Trailer Park“ (einer Art Wohnwagensiedlung) an der „8 Mile“, stanzt tagsüber in einer Autofabrik Karosserieteile und kurvt nachts mit seinen vier schwarzen Freunden durch Detroit. Dort ist er nicht überall willkommen: „This is hip hop, you don’t belong here, you are a tourist“ (du hast hier nichts zu suchen!) bekommt Jimmy bei seinem ersten Auftritt um die Ohren geschlagen und jeder versteht, wie das gemeint ist: Du bist ein Weißer und hast deswegen in unserer „schwarzen Kultur“ nichts zu suchen.

„Schwarze Kultur“ findet in diesem Fall im „Shelter“, einem ehemaligen Fabrikgebäude, statt, wo einmal die Woche so genannte „Battles“ ausgetragen werden: Rapper-Duelle ähnlich wie die auch in Tübingen bekannten Poetry-Slams, nur mit hundertfachem Adrenalin-Ausstoß. Vor seinem ersten Auftritt muss Jimmy vor Nervosität erstmal kotzen. Und kriegt dann keinen Ton heraus. Lade-Hemmung.

Doch dabei bleibt es natürlich nicht: Wie sich vor 20 Jahren der Underdog „Rocky“ (Silvester Stallone) schließlich doch noch nach oben boxte, so gewinnt auch Jimmy den Show-Down und die vorbehaltlose Anerkennung des zunächst so feindseligen Hiphop-Publikums. Auch eine Liebes- und Eifersuchtsgeschichte gehört selbstverständlich dazu. Als Jimmy und Alex (Brittany Murphy) im Materiallager der Autofabrik heißhungrig übereinander herfallen, geht bei der Vorabend-Vorstellung ein verlegenes Kichern durch das jugendliche Kino-Publikum. Die meisten dieser Zuschauer sind vermutlich aus genau einem Grund ins Kino gekommen: Wegen Eminem. Der 30-jährige Superstar (30 Millionen verkaufte CDs in drei Jahren) dominiert den Film schon mit seinen Blicken, die so durchdringend und in-sich-versunken zugleich sind, dass man eine Gänsehaut davon bekommen kann.

Eminem hat auch die Musik zum Film geschrieben (großartig und selbst-ironisch: Die Rap-Version von „Sweet Home Alabama“). Schade nur, dass in der Synchronfassung oft ein scharfer Schnitt zwischen den Alltagsdialogen (deutsch) und den Rap-Passagen (amerikanisch mit Untertiteln) entsteht wo doch Hiphop angeblich so unmittelbar im Alltag verwurzelt ist. Mit „8 Mile“ legt sich Eminem eine weitere Biografie zu, die genügend Überschneidungen mit seinen realen Lebensdaten aufweist.

Bisher hat er sich vor allem durch extrem schwulen- und frauenfeindliche Texte einen Namen gemacht. Das sei alles nur Performance, ein Spiel, hat er seinen Kritikern bisher entgegengehalten. Im Film singt er seiner kleinen Schwester rührende Schlaflieder und verteidigt rappend einen schwulen Kollegen, als dieser in der Mittagspause angepöbelt wird. Doch die Frage, wer Eminem „wirklich“ ist, erübrigt sich. Tatsache bleibt, dass man sich mit Homophobie und Sexismus eine goldene Nase verdienen kann. Aber auch mit einem Film über einen romantischen Helden.

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24.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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19.06.2005

12:00 Uhr

Vaginafrosch schrieb:

eminem 4 ever!



31.08.2004

12:00 Uhr

Andy schrieb:

Der Musikfilm zum Anfang des Jahrhunderts für die rapper und HipHop-Scene. Wer selbst "Black" Music macht, weiß wie schwer es ist als Weißer anerkannt zu werden. Durchaus authentisch - gewürzt mit einer netten Story und viel cooler Musik.



04.04.2004

12:00 Uhr

N.N. schrieb:

Zwar gut gespielt, aber ansonsten klischeehaft und langweilig.



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