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Vor allem LBBW-Tochter Baden-Württembergische Bank betroffen

830 Jobs werden gestrichen

Einer der Big Player in Deutschlands Geldwirtschaft, die LBBW, hat die Finanzkrise gemeistert. Doch die neue Krise der Branche trifft auch sie mit Wucht: 830 Stellen fallen in den nächsten vier Jahren weg.

13.04.2016
  • HELMUT SCHNEIDER

Stuttgart. Ganz zum Schluss, nach seiner persönlichen Bilanz gefragt, zeigte der LBBW-Chef Emotionen. In bester Erinnerung hat Hans-Jörg Vetter (63), wie freundlich ihn die Mitarbeiter von Deutschlands größter Landesbank aufgenommen haben. Das war 2009, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, keine Selbstverständlichkeit. Denn die LBBW war schwer angeschlagen, musste mit Milliarden gestützt werden. Aus Berlin holte man den Schwaben Vetter, der sich auf seiner ersten Betriebsversammlung auf eine feindliche Stimmung der bangenden Mitarbeiter gefasst gemacht hatte. Doch das Gegenteil geschah.

Heute steht die staatliche Landesbank wieder gut da - im Volumen (Bilanzsumme) zwar fast um die Hälfte gegenüber damals kleiner; dafür aber auch entsprechend weniger mit riskanten Anlagen belastet. In den vergangenen 16 Quartalen, also vier Jahren, hat man Gewinne gemacht, im vergangenen Jahr waren es 531 Mio. EUR vor Steuern. Jetzt, da Vetter im Oktober in den Ruhestand geht, sieht er seine Mission erfüllt. Weil die LBBW wieder gesund ist, werde sie nicht weiter schrumpfen. Im Gegenteil: "Ab jetzt rechnen wir wieder mit einer steigenden Bilanzsumme," sagte er.

Die Finanzkrise ist überwunden ("Die LBBW zählt zu den kapitalstärksten Banken in Deutschland"), die neue Bankenkrise trifft auch die Stuttgarter mit Wucht. In den kommenden vier Jahren wird die für das Privatkundengeschäft zuständige Tochter BW-Bank nicht weniger als 380 ihrer 1380 Stellen abbauen; die Konzernmutter LBBW wird in dieser Zeit 450 Stellen streichen. Auf Köpfe umgerechnet werden mithin rund 1000 Mitarbeiter ausscheiden -fast jeder Zehnte. Man versuche den Stellenabbau sozialverträglich, also ohne Kündigungen hinzubekommen.

Vetters Vize Michael Horn, Chef des Privatkundengeschäfts, benennt die Schwierigkeiten, die sich daraus ergeben, dass der Bankkunde immer seltener in die Filiale komme, verstärkt seine Geschäfte online abwickle - und das rund um die Uhr. Von den aktuell 165 Filialstandorten will die BW-Bank ein Dutzend aufgeben; in 25 weiteren werden nur noch Geldautomaten stehen. Bleiben 130 Standorte in Baden-Württemberg, die vornehmlich für die persönliche Beratung zur Verfügung stehen. Bei der BW-Bank wird deshalb jeder vierte Arbeitsplatz hinfällig. "Dieser Schritt ist leider unumgänglich", sagte Horn. Um gleichzeitig zu betonen, wie wichtig das Filialnetz und damit die persönliche Beratung ist: "Die reine Internetbank/ Direktbank ist nicht das Geschäftsmodell der Baden-Württembergischen Bank."

Das Geschäftsmodell der Konzernmutter LBBW umriss Vorstandschef Vetter: Mittelständische Wirtschaft, aber auch Groß- und Dax-Konzerne, die man bei ihren Auslandsaktivitäten begleitet; Immobilienfinanzierung (mit zuletzt Steigerungen von rund 10 Prozent); Wertpapiergeschäfte für Kunden (aber schon lange nicht mehr auf eigene Rechnung); Wealth Management für "hoch vermögende Kunden", die zugleich oft Unternehmer sind.

An dieser Stelle fiel auf der Bilanzpressekonferenz natürlich das Stichwort Panama-Papers. Vetter bekräftigte, dass die LBBW darin nicht verwickelt sei. Die zuständige Staatsanwaltschaft in Köln habe auch bestätigt, dass gegen die LBBW nicht ermittelt werde.

Auch negative Emotionen zeigte Hans-Jörg Vetter, der vom früheren Deutsche-Bank-Vorstand Rainer Neske beerbt werden wird, als er nach seiner persönlichen Bilanz gefragt wurde. Nach der Finanzkrise sei Regulierung und Risikoabwehr grundsätzlich richtig gewesen. Allerdings lasse man inzwischen "jeden Theoretiker" an jedes Problem heran. Die Folgen sehen bei der LBBW so aus: 200 Mio. EUR Kosten im vergangenen Jahr allein wegen der regulatorischen Vorgaben, mit denen sich 300 Mitarbeiter Tag für Tag ausschließlich beschäftigen.

Er habe den Eindruck, dass die Politik nicht sehen will, dass die Kosten einer übertriebenen Bürokratie später auf die Realwirtschaft durchschlagen werden. Und das ärgert den scheidenden LBBW-Chef sehr.

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13.04.2016, 06:00 Uhr

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