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Der Fußball übernahm bald das Kommando

90 Jahre alt wird der Turn- und Sportverein Ergenzingen

In diesem Jahr kommt der Turn- und Sportverein Ergenzingen gleich auf zwei runde Geburtstage. Der Verein wurde vor 90 Jahren gegründet, und das überregional bekannte A-Junioren-Pfingstturnier wurde heuer zum 40. Mal ausgetragen. Anlass genug, übers kommende Wochenende, 17./18. September, gebührend zu feiern – mit einem Konzert der Wild Voices am Samstag und einem Festakt am Sonntag in der Breitwiesenhalle.

21.09.2011
  • Karl Ruoff

Ergenzingen. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg im Jahre 1919 war in Ergenzingen ein Club mit Namen Vorwärts entstanden, der das Leben in der Gäugemeinde mit Theateraufführungen und geselligen Veranstaltungen bereicherte. Bald kam jedoch bei den Mitgliedern – es waren damals nur Männer – der Gedanke auf, allen Widerständen im Dorf zum Trotz einen Sport treibenden Verein zu gründen.

Fußball allerdings hatten die Vereinsgründer im Mai 1921 offenbar noch nicht im Sinn, denn es wurde eine Turnabteilung mit dem Namen „Turnverein Ergenzingen“ gegründet, und dieser schloss sich sogleich dem Turngau Achalm an. Vorsitzender wurde wie im Club Vorwärts Robert Scherr.

Der mittellose Verein wurde damals von der Gemeinde und der Einwohnerschaft bei der Beschaffung von Turngeräten und durch die Bereitstellung eines Sportgeländes hinter dem Friedhof tatkräftig unterstützt. An der Gründungsfeier am 28. September 1921 nahmen bereits einige auswärtige Vereine teil, und Gauturnwart Hermann Hepper aus Tübingen überbrachte die Grüße des Achalmgaus.

Nach und nach ließ das Interesse am Turnen nach, und die Jugend drängte nun zum immer volkstümlicher werdenden Fußball. Gespielt wurde auf der Gemeindewiese am Wolfenhauser Weg, später in den „Heugärten“. An der Fahnenweihe 1925 nahmen auch Damen, allerdings nicht sportlich, aktiv teil. Zwölf Festdamen, ganz in weiß gekleidet mit grün-weißen Schärpen, steigerten das festliche Gepräge.

Fußball und Turnen wurden dann in den Folgejahren mit viel Erfolg betrieben, 1934 errang die 1. Mannschaft die Meisterschaft im Schwabenverband der Klasse Gäu-Schwarzwald. Als dann 1936 ein großer Teil der Sportler zum aktiven Wehrdienst eingezogen wurde, ging der Sportbetrieb immer mehr zurück und kam bei Kriegsbeginn vollständig zum Erliegen.

Sogar französische Soldaten kickten mit

Nachdem Karl Renz und Erwin Wagner sich 1945 zusammen mit einigen anderen um die Neugründung des Vereins bemühten, kam es bereits im November 1945 wieder zu den ersten Fußballspielen. In den beiden Anfangsjahren kickten sogar zwei Gastspieler der französischen Besatzungsmacht mit.

Wie kompliziert der Sportbetrieb damals war, zeigt sich daran, dass beispielsweise jedes Spiel vom Ortskommandanten genehmigt werden musste und die Protokolle der Hauptversammlungen in Deutsch und Französisch verfasst werden mussten. Auch die Spielplatzfrage war nicht einfach zu lösen, und bis der Sportbetrieb endgültig auf die Breitweise verlegt wurde, musste man ein paar Mal auf ein anderes Spielfeld umziehen.

Jedoch wurden die Schwierigkeiten überwunden und der Sportbetrieb immer mehr erweitert. Außerdem benannte eine außerordentliche Hauptversammlung den Verein in Turn- und Sportverein Ergenzingen um, nachdem er bis dahin Sportverein geheißen hatte. Und es wurde beschlossen, wieder Leichtathletik zu betreiben.

Ab Weihnachten 1945 bis Mitte der 1950-er Jahre und mit kurzer Unterbrechung bis zum Jahreswechsel 1972/73 wurden dann wieder jährlich Theateraufführungen in verschiedenen Sälen geboten. Der Betrieb in der Fußballabteilung nahm nun immer mehr zu, vor allem, nachdem ab 1948/49 auch Jugendmannschaften aufgestellt wurden und auch ein Altherrenteam entstand. Vor allem die Fußballer waren es, die den TuS zu einem der erfolgreichsten Vereine der Umgebung machten.

Im Jahre 1963 begann dann ein neues Kapitel in der Vereinsgeschichte. Nachdem sich auf Initiative des damaligen Vorsitzenden Erwin Baur eine Gymnastikabteilung gegründet hatte, wurden erstmals Frauen im Verein sportlich aktiv. Mehr als 100 kamen zu einer Info-Veranstaltung, 60 Frauen nahmen dann in zwei Gruppen an den Übungsabenden teil. Einige von ihnen sind noch heute, nach 50 Jahren, bei der Gruppe „Lustiger Montag“ aktiv.

Geprägt wurde der Gymnastikbetrieb vor allem von den zwei Übungsleiterinnen Julia Mayer, welche 25 Jahre tätig wa, und Margret Brändle, die seit 1988 die Montagsgruppe gestaltet, sowie der langjährigen Abteilungsleiterin Hildegard Breuling. Derzeit nehmen rund 140 Frauen in vier Gruppen zur Zeit am Gymnastikbetrieb teil.

Die Breitensportarbeit wurde immer mehr ausgedehnt, als 1974 eine Volleyballabteilung entstand, sich 1977 eine Reiterabteilung dem Verein anschloss und auch eine Rock'n Roll-Abteilung dem TuS beitrat. Einige Jahre wurden auf Initiative des damaligen Vorsitzenden Rolf Wagner auch die seinerzeit populären Volksmärsche mit mehreren hundert Teilnehmern durchgeführt.

Eine bis heute anhaltende Ära aber begann 1972, als der Verein erstmals das A-Jugend-Pfingstturnier abhielt, bis heute sind 40 daraus geworden. Aus kleinsten Anfängen hat sich dieses Turnier als EnBW-U 20-Cup zu einem der größten seiner Art in Deutschland entwickelt. In den letzten 40 Jahren nahmen neben über 40 Spitzenklubs aus Deutschland auch 60 Mannschaften aus dem Ausland teil, darunter auch Jugendnationalmannschaften.

Aus kleinsten Anfängen zum Top-Turnier

Besonderen Anteil am Entstehen und der Entwicklung des Turniers haben Walter und Hermann Baur, Otto Raible, Walter Renz sowie der langjährige Vorsitzende Manfred Schäfer. Er führte den Verein von 1972 bis 1993 mehr als zwei Jahrzehnte mit besonderem Erfolg. Während dieser Zeit wurde 1977 auch nach sechsmonatiger Bauzeit das Sportheim in der Breitwiese errichtet und im Oktober 1977 eingeweiht.

Bei der Würdigung von Manfred Schäfers Verdiensten sagte der damalige Rottenburger Oberbürgermeister Winfried Löffler 1993: „In der Zeit von 1972 bis heute wurde unter seiner Leitung nie Erhofftes zugunsten der ganzen Sporttreibenden Wirklichkeit.“ Seit 2004 leitet Karl Schäfer als Vorsitzender den fast 900 Mitglieder großen Verein und setzt die erfolgreiche Arbeit fort. Ihm und den übrigen Verantwortlichen ist es ein besonderes Anliegenden, neben dem dominierenden Fußball mit den Abteilungen Leichtathletik, Volleyball, Gymnastik, Rock’n Roll und Reiten ein möglichst breitensportliches Angebot für alle Altersstufen zu bieten.

90 Jahre alt wird der Turn- und Sportverein Ergenzingen
Geld war damals nicht viel unterwegs, dafür umso mehr Fußball-Begeisterung: So sah die Erste Mannschaft des TuS Ergenzingen 1931 aus.Bild: TuS

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21.09.2011, 12:00 Uhr

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