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Die organisierte Feuerbekämpfung begann in Mähringen vor 125 Jahren

90 Mann waren eine Wehr

Brände gibt es schon sehr viel länger als 125 Jahre, und gelöscht wurden sie davor auch schon. Aber viele Feuerwehren feiern in diesem Jahre ihren 125. Geburtstag. Wie die Mähringer, die ihr Jubiläum am Freitag mit großem Tamtam in der Turn-und Festhalle begehen.

12.07.2012
  • Ulla Steuernagel

Mähringen. Die organisierte Brandbekämpfung mit freiwilligen Wehren wird derzeit in vielen Orten 125 Jahre alt. Und das liegt an dem Erlass der „Landesfeuerlöschordnung von 1885 für das Königreich Württemberg“. Darin wurden die Städte und Gemeinden angehalten, ein funktionsfähiges, den Zeitbedürfnissen entsprechendes Feuerlöschwesen zu unterhalten. Darin wurden die Größe, die Geräte und die Personenzahl festgehalten, die die Wehren haben sollten.

Mähringen war zu dieser Zeit eine Gemeinde mit 640 Einwohnern und auch schon stolzer Besitzer einer Feuerspritze. Die war aber schon ein bisschen älter, wie der Mähringer Ortsvorsteher Friedrich Braun aus alten Gemeinderats-Protokollen herausgelesen hat. Sie wurde schon 1864 angeschafft und war mittlerweile reparaturbedürftig. Der Gemeinderat beschloss also, sie erst 1888 bei dem Spritzenfabrikanten ausbessern zu lassen. Vermutlich reichte das Geld gerade nicht.

Wie gut die Gemeinde haushalten konnte, sieht man auch daran, dass die vorgeschriebene Schlauchlänge von 100 Metern ganz genau eingehalten wurde. In ihrem Gründungsjahr wurden der Feuerwehr zu den schon vorhandenen 48 Meter Schlauch 52 Meter dazu gekauft.

Sparsam war die Wehr aber keineswegs beim Personal ausgestattet. Immerhin ein Siebtel des Dorfes war bei der Feuerwehr. Der einzige Profi unter den Feuerwehrmannen war der Spritzenmeister. Er bekam pro Brand genau eine Mark bezahlt, so fand Braun heraus. Später dann wurde ihm ein Jahresgehalt von 9 Mark ausgezahlt. Ein Taglöhner bekam in damaliger Zeit rund 1,50 Mark am Tag.

Alle anderen Feuerwehrleute waren ehrenamtlich zur Stelle. Man konnte gar nicht genug Wasserträger haben. Schließlich mussten sie das Wasser aus dem Brunnen schöpfen und weiterreichen, dafür gab es spezielle Ledereimer. Zwanzig Mann waren als Wasserträger eingeteilt. Und bei den Dienstgraden und Tätigkeitsbezeichnungen schöpfte man damals ebenfalls aus dem Vollen – vom Kommandanten über den Stellvertreter, die Steiger, also diejenigen, die auf die Leiter kletterten, die Schlauchführer und die Spritzenmannschaft – alles war sauber eingeteilt.

Rund 90 Jahre später verloren die Mähringer ihr Eigenständigkeit, sie wurden zur Abteilung der Kusterdinger Feuerwehr. Damals war das vermutlich mit etwas Aufruhr, aus heutiger Sicht scheint es jedoch nicht mit Nachteilen verbunden. Wolfgang Bauer, der Mähringer Abteilungskommandant, klingt jedenfalls im Jubiläumsjahr 2012 mit der Ausstattung seiner Einheit recht zufrieden. „Überdurchschnittlich gut“, sagt er, der seit zwanzig Jahren in der Feuerwehr organisiert ist.

Hoch angesehen und immer im Dienst

Vierzehn Aktive sind es zur Zeit, davon vier Frauen. „Die beste Frauenquote auf den Härten“, sagt Bauer stolz. Neun Ehemalige sind der Wehr ebenfalls treu und es gibt auch ein Jungfeuerwehrmitglied. Auch die Ausbildung der Leute sei sehr gut, betont Bauer.

Die Feuerspritze der Anfangsjahre hat schon lange ausgedient. In den zwanziger Jahren schaffte man einen Hydrantenkarren an, der sich an Wasserleitungen anschließen ließ. Mitte der fünfziger Jahre wurde die Brandbekämpfung motorisiert. Nicht dass man ein Löschfahrzeug gehabt hätte. Vorerst blieb es bei einem Anhänger. Er wurde entweder von Hand gezogen oder, was näher lag, an einen Traktor angehängt.

1971 war dann ein wichtiges Jahr im Feuerwehrkalender. Im März fand endlich das erste Löschgruppenfahrzeug LF 8 den Weg nach Mähringen. Das Fahrgestell hatte Mercedes hergestellt, den Aufbau die Firma Ziegler. Mittlerweile ist man mit einem modernen Löschgruppenfahrzeug LF 86 unterwegs, das 600 Liter Wasser mitführen kann.

Von Großbränden wurde die Mähringer Feuerwehr in der letzten Zeit zum Glück, wie ihr Kommandant sagt, verschont. Seit dem Hochwasser von 2002 sei es „relativ ruhig“ im Flecken. Dieses Hochwasser sei ihm jedoch in bleibender Erinnerung.

Die Zeiten haben sich gewandelt, setzt er hinzu. Mittlerweile gehen die Großeinsätze eher auf Wasser als auf Feuer zurück. Eins aber ist geblieben: „Die Feuerwehrleute sind immer noch hoch angesehen.“ Schließlich sind sie an 365 Tagen im Jahr, 24 Stunden täglich im freiwilligen Dienst für die Allgemeinheit.

90 Mann waren eine Wehr
1987 trat die Mähringer Feuerwehr bei ihrem 100. Geburtstag zum großen Zapfenstreich an.Archivbild: Gööck

90 Mann waren eine Wehr
Ein lederner Löscheimer, wie er im Kusterdinger Museum zu sehen ist.

Vom morgigen Freitag bis Sonntag, 15. Juli, ist in Mähringen Dorffest. Um 19 Uhr geht es in der Turn- und Festhalle mit dem Festakt zum 125. Geburtstag der Feuerwehr los. Am Samstag wird dann Open Air rund ums Rathaus gefeiert. Um 14 Uhr beginnt das Kinderfest; um 16 Uhr ist Fassanstich. Von da an geht es auf der Spielstraße weiter, unter anderem mit Simultanschach. Der 17-jährige Wankheimer Spitzenspieler Philipp Kaulich wird bis zu zehn Gegner gleichzeitig herausfordern. Dazu können sich auch noch weitere Spieler melden. Weiter geht der Tag mit dem Liederkranz Jettenburg, ab 19 Uhr dann mit dem Kusterdinger Musikverein und um 21 Uhr wird es beim Mordsteam Jettenburg spannend. Sonntag spielt nach dem Festgottesdienst (9.30 Uhr) der Musikverein Wankheim zum Nachmittagskonzert auf, nachmittags gibt es eine Tombola und lustige Wettkämpfe, der Tag klingt dann ab 18 Uhr mit Unterhaltung durch die Jettenburger Dorfmusikanten aus.

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12.07.2012, 12:00 Uhr

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