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Der Himmel spielte mit

900 Besucher bei der Klassik auf den Marktplatz blieben trocken

Das angekündigte Schmuddelwetter blieb aus, die Sommernachtsklassik am Samstag auf dem Rottenburger Marktplatz konnte ungehindert von Wetterkapriolen stattfinden. 900 Zuschauer genossen südländisches Flair.

27.07.2014
  • Werner Bauknecht

Rottenburg. Gegen halb sieben wälzten sich noch immer Autokolonnen durch die Altstadt. Vermutlich vertrauten die Übervorsichtigen nun endgültig dem Wettergott und beeilten sich, zum Konzert zu kommen. Die Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz hatte von 16 bis 17 Uhr unter Ausschluss der Öffentlichkeit noch geprobt, danach erst wurde das Publikum eingelassen.

Auf dem Marktplatz war schon angerichtet: Während der vordere Teil vor der Bühne nur bestuhlt war, standen in der hinteren, der westlichen Hälfte Esstischchen für je vier Personen, schön gedeckt mit weißen Tüchern und mit brennenden Kerzen dekoriert. Alles bereit für einen „Rottenburger Jungschweinbraten“ an Rotwein-Schokoladensoße, oder ein „Hähnchenbrustfilet“ an Orangensoße mit Bandnudeln aus der Küche des Restaurants „Primavera“, das auch einen Weinstand vor der Kreissparkasse aufgebaut hatte. Wein und Aperol Spritz waren der große Renner, seltener stand auch mal ein Weizenbier auf den Tischen.

Auch das fiel auf beim Blick über den Platz: Die Rottenburger trugen festlich. Dort das kleine Schwarze, hier ein edles Sommerkleid. Viele Männer steckten in Anzügen oder hatten sich leger einen dünnen Pulli um die Schultern gelegt.

900 Besucher bei der Klassik auf den Marktplatz blieben trocken
Konzertgenuss an gedeckten Tischen: Vorher gab’s Jungschweinbraten, und in den Pausen lockten Wein- und Eisstand.Bild: Metz

Hatten Veranstalter, Musiker und Gäste am Nachmittag noch bangend zum Himmel geschaut, konnte am frühen Abend Entwarnung gegeben werden: Es blieb trocken. Einen Plan B hätte es laut Kulturvereins-Chef Bobby Baur auch nicht gegeben: „Wir hätten höchstens ein wenig schieben können, vielleicht das Konzert auch kürzen. Aber darüber hinaus wäre bloß ein Abbruch möglich gewesen.“ Die Erleichterung ob des reibungslosen Ablaufs war ihm deutlich anzusehen.

Zwar ohne Sonne, so verbreitete sich auf dem Marktplatz doch südländisches Flair. Viele Gäste zeigten freie Schultern und Unterarme, erst bei Einbruch der Dunkelheit kamen dann Jäckchen oder Weste zum Einsatz. Die Daubenhauers waren aus Reutlingen gekommen. „Ich habe bisher jedes Sommernachtsklassikkonzert gesehen“, sagte Ehefrau Ulrike, „vor zwei Jahren mussten wir sogar für eine halbe Stunde in die Kirche flüchten, weil es geregnet hat.“

Dass die Klassik geeignet ist, tiefe Gefühle in den Menschen zu wecken, zeigte sich, als Kyoko Tanino den dritten Satz von Samuel Barbers Violinenkonzert spielte und einigen Leuten die Tränen in die Augen traten. In der Pause nach Mike Svobodas Soloauftritt, der lang geriet und bei dem das Publikum in die Darbietung einbezogen wurde, brach plötzlich die Eiszeit aus. „Sommer ist, und da gehört ein Eis dazu“, schien die Devise zu sein. Das „Primavera“ hatte einen Stand aufgeboten, und auch in die Eisdiele in der Marktstraße bewegten sich einige, um sich etwas zu besorgen.

900 Besucher bei der Klassik auf den Marktplatz blieben trocken
Aperol Spritz harmonierte mit der Tischdekoration. Bild: Metz

Überhaupt wurden die Pausen gut genutzt. Man kannte sich, tauschte Neuigkeiten aus, setzte sich zueinander an die Tische oder spazierte durch die Reihen, um zu gucken, wer alles da war. So manche kamen nur zum Konzert, um Bekannte zu sehen. „Mit Klassik fange ich nicht viel an“, gestand etwa Natalie Astan aus Ohmenhausen, „aber die Familie meines Mannes trifft sich jedes Jahr zur Klassik in Rottenburg, da geh ich halt mit.“

Marion Estler aus Tübingen war schon am Freitag beim Jazz da gewesen und vollauf begeistert. Am Samstag setzte sie sich extra nach hinten – „damit ich das Feuerwerk besser sehen kann“. Für dieses Feuerwerk ist seit 13 Jahren Tontechniker Christoph Herr verantwortlich. Es ist perfekt mit der Musik abgestimmt. Herr kennt sich mit der Klassik aus, „Tonmeister ist ein Studium, da lernt man das.“ Die Raketenbatterien sind hinter der Bühne angebracht und auf dem Domturm, gezündet werden sie per Joystick. Drei Wochen Vorbereitung steckten in dem pyrotechnischen Kunstwerk, das zu Gioachino Rossinis Ouvertüre zu „Wilhelm Tell“ den perfekten Schlusspunkt des Konzerts setzte.


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