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Tag und Nacht die Krisen der Welt im Blick

A3M sichtet Kriege und Katastrophen, Tsunamis und Wetterkapriolen rund um den Globus – und warnt

Smogalarm in London, Warnung vor Anschlägen in der Türkei und Schießereien im mexikanischen Cancún, Proteste gegen Siedlungsbau in Ost-Jerusalem, vulkanische Aktivität in Nicaragua: Die Welt ist ein unruhiger Ort. Zugleich reisen immer mehr Menschen geschäftlich oder zum Urlaubsziel um den Globus.

31.01.2017
  • Volker Rekittke

Während Wetter und Erdkruste auf der interaktiven Weltkarte global-monitoring.com Ende Januar keine allzu großen Ausschläge verzeichnen, sieht’s bei den von Menschen gemachten Krisen schon anders aus. Reihenweise leuchten orangefarbene bis dunkelrote Warnhinweise auf: Terror, Kriege, Kriminalität – mit Schwerpunkten in Afrika und dem Nahen Osten. Nicht nur gefühlt war 2016 in dieser Hinsicht schlimmer als das Vorjahr: 1380 Ereignisse in der Kategorie Terror registrierte die Firma A3M vergangenes Jahr, etliche davon in Mitteleuropa. 2015 waren es noch 810 Warnungen. Gemeldet werden auch verhinderte Anschläge – aber dafür längst nicht jede Explosion in Syrien. Denn dort gibt’s derzeit weder Touristen noch Geschäftsreisende. Jedenfalls keine, deren Firmen mit A3M zusammenarbeiten.

„In einer Krise brauche ich als Reisender zuverlässige Informationen – und zwar so schnell wie möglich“, sagt Marcel Brandt von A3M. Auch über Erdbeben, Vulkanausbrüche oder tropische Wirbelstürme. 1790 Meldungen über Naturkatastrophen veröffentlichte die 2005 in Tübingen gegründete „Mobile Personal Protection GmbH“ vergangenes Jahr.

Den ganzen Tag und den größten Teil der Nacht sichtet ein zehnköpfiges Redaktionsteam am Tübinger Firmensitz (einige Nachtstunden decken Kollegen in Südkorea ab) die Krisen- und Katastrophen-Meldungen, die aus vielen verschiedenen Quellen einlaufen: Auswärtiges Amt, die Nachrichtenagenturen dpa und afp, nationale und internationale Erdbeben-, Tsunami- und Vulkan-Institute. Hinzu kommen Zeitungen, Radios, TV-Sender, Facebook, Twitter und andere Internet-Netzwerke. Ausgewertet werden mitunter sogar örtliche Polizeimeldungen oder Rebellensender aus Unruhegebieten wie Palästina, Kolumbien – und jüngst wieder aus Nordirland, wo es lange Zeit relativ ruhig war. „Seit dem Brexit-Referendum und dem Rücktritt der Regierung in Belfast ist das anders“, sagt Maike Hans.

Zusammen mit ihrem Kollegen Christian Reck sitzt die Politologin vor mehreren großen Bildschirmen, auf denen unablässig neue Meldungen aufploppen, Nachtrichtensender Bilder aus den Krisenherden der Welt senden. Ihr Job ist ein klassisch journalistischer: Sichten, filtern, einordnen, bewerten – und dann eine kurze Meldung herausgeben, die auf der übersichtlichen Internet-Weltkarte an entsprechender Stelle als kleines Warnzeichen auftaucht, von Gelb (Level 2) bis Dunkelrot (die höchste Warnstufe 5). Klar, jeder Reiseveranstalter könnte theoretisch auch selbst die Warnhinweise des Auswärtigen Amts und aus vielen anderen Quellen studieren, sagt Brandt: „Aber bei uns muss man nur 40 oder 50 Meldungen am Tag lesen. Und nicht tausend.“

„Global Monitoring“, nennt sich das. Interessant ist alles, was die mittlerweile 60 Kunden von A3M betrifft. Das sind neben großen Reiseveranstaltern wie TUI, Thomas Cook oder Ameropa immer mehr Unternehmen. Automobilzulieferer, Maschinenbauer und Banken schicken ihren Mitarbeiter/innen rund um den Globus zur Kundschaft oder zu den eigenen Niederlassungen. Ein Kunde macht Geschäfte im Irak. Ob nun Bomben in Bagdad hochgehen, am Amsterdamer Flughafen Schiphol gestreikt wird oder im Süden Thailands zehn Krokodile aus einem Zoo entkommen sind: Zielsicher gewarnt werden jene Firmen und Reiseveranstalter, deren Business- oder Urlaubsreisende in der entsprechenden Gegenden unterwegs sind. Denn auch das weiß das Computersystem: Welche Urlauber oder Mitarbeiter der A3M-Kunden in welcher Region, oft sogar in welchem Hotel sind. So können Warnungen zielgerichtet herausgegeben werden, die dann an potenziell Betroffene im entsprechenden Land weitergeleitet werden. Am sichersten geht das per SMS, weiß Brandt.

Derzeit noch aktiv ist das reine Tsunami-Warnsystem, mit dem A3M vor über zehn Jahren gestartet ist. Schon bald werde es nur noch das Rundum-Warnsystem geben, inklusive „ständig verbesserter Länderdatenbank“, so Brandt. In Kürze soll es ein Abo-Modell nicht nur für Veranstalter, sondern auch für Urlaubsreisende sowie kleine und mittlere Firmen geben.

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31.01.2017, 01:00 Uhr

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