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15 Minuten von Süd nach Nord

ADFC legt Verkehrskonzept vor: Radschnellverbindungen für Stadt und Umland

Das E-Bike ist das Verkehrmittel der Zukunft. Meint der ADFC und hat ein Konzept mit Radschnellverbindungen für die Stadt Reutlingen und das Umland entwickelt. Inklusive Fahrrad-Autobahnen, auf denen die Radler Vorfahrt haben sollen.

17.06.2015
  • Uschi Kurz

Reutlingen.„Vom Freibad nach Orschel-Hagen in 15 Minuten und uns stoppt keiner“, was sich wie eine schöne ferne Utopie anhört, hält Susanne Müller vom ADFC (Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club) Reutlingen in absehbarer Zeit für durchaus realisierbar. Vor allem deshalb, weil es immer mehr E-Bikes und Pedelecs geben werde, die hügeliges Gelände auch für weniger trainierte Radler bewältigbar machen.

Momentan, so Müller, gebe es noch eine große Unzufriedenheit mit dem Radwegenetz. Sie zitiert das Ergebnis einer ADFC-Umfrage, bei der Reutlingen im Vergleich mit 36 weiteren Städten lediglich den 34. Platz belegte. Spätestens seit das Verwaltungsgericht Sigmaringen im Oktober 2014 feststellte, dass der Luftreinhalteplan für Reutlingen unzureichend sei und Maßnahmen zur schnellstmöglichen Einhaltung der Emissionsgrenzwerte für Stickstoff und Feinstaub forderte, bestehe dringender Handlungsbedarf. „Die Radwege sind nur Stückwerk, es ist kein Gesamtkonzept vorhanden“, kritisiert ADFC-Mitstreiter Holger Bergmann und verweist auf die Radlerstadt Karlsruhe, wo es deutlich weniger Feinstaub gebe. Vor diesem Hintergrund entstand in Reutlingen der AK Radschnellwege. Die Radexperten entwickelten das Radverkehrskonzept Reutlingen 2020 für die Stadt und das Umland, das sie jetzt der Öffentlichkeit vorstellten. Ziel des Konzepts sei es, so Müller, den Radverkehr so attraktiv und sicher zu machen, dass die Verkehrsteilnehmer, die wollen und können, das Rad auch nutzen. Und: Radfahren soll Spaß machen.

Hauptbausteine der zukünftigen Radverkehrsführung in Reutlingen sollen so genannte „Radschnellverbindungen“ sein. Um die Stadt möglichst rasch und sicher zu durchqueren, schlägt der Arbeitskreis eine Süd-Nord-Route und eine Ost-West-Route vor. Ferner sollen dringend das Achalmgebiet für Radfahrer besser erschlossen und eine Schnellverbindung von Pfullingen in die Innenstadt geschaffen werden.

Die Süd-Nord-Route vom Stadion/Freibad über die Innenstadt bis nach Orschel-Hagen (mit Erweiterungsmöglichkeit im Süden nach Gönningen und im Norden nach Pliezhausen) hat der AK schon einmal durchgeplant und dabei vorhandene Infrastruktur genutzt. Hier ihr Vorschlag im Detail:

Die Schlattwiesenstraße und An der Kreuzeiche komplett in Fahrradstraßen umwandeln, auf Höhe des Verkehrsübungsplatzes als vorfahrtsberechtigten Radschnelleweg rechts entlang der Alteburgstraße einmünden lassen.

An der Gustav-Schwab-Straße/Alteburgstraße einen Kreisverkehr einrichten. Weiterführung der Radschnellverbindung auf der Alteburgstraße, die dann zur Tempo 30 Zone werden sollte.

An der Friedrich-Ebert-Straße führt der Radschnellweg geradeaus (in beide Richtungen) über den Oskar-Kalbfell-Platz bei der Stadthalle. Nur noch Räder und Busse dürfen geradeaus und über die Kreuzung zum Willy-Brandt-Platz und zurück.

An Neubau sieht der ADFC einen Fahrradsteg zur Überquerung der Straße „Unter den Linden“ vor. Dies würde auch die Steigung der Gustav-Wagner-Straße abmildern.

Weiter geht es über den Radweg an der Gustav-Wagner-Straße und die bestehende Fahrradbrücke über die Schieferstraße. Neben dem Weg zum Einstein-Gymnasium soll ein Radschnellweg ausgebaut werden. Auf der Rommelsbacher Straße schlägt der ADFC eine Extraspur für Radler vor. Dann ginge es zügig weiter nach Orschel-Hagen.

Grundsätzlich fordert der ADFC keine teuren Neubauten, sondern möglichst vorhandene Straßen zu nutzen und behutsam umzugestalten. „Ein Radwegekonzept, wie wir es für Reutlingen planen, wäre bundesweit einzigartig“, sagt Müller, die eine Umsetzung durchaus für realistisch hält. Bisher gebe es nur Teilstücke, etwa in Esslingen, Konstanz und Karlsruhe. Mit Baubürgermeisterin Ulrike Hotz, Stadtentwickler Stefan Dvorak und mehreren Verkehrsplanern habe es bereits ein erstes wohlwollendes Vorgespräch gegeben. Demnächst soll das Konzept im Detail vorgestellt und in den Gemeinderat eingebracht werden.

Planungsmittel seien vorhanden und Fördermittel auch, betont Bergmann. Aber um das Radverkehrskonzept umzusetzen, „dazu braucht es den politischen Willen“.

ADFC legt Verkehrskonzept vor: Radschnellverbindungen für Stadt und Umland
Eine Radweg, der seinen Namen nicht verdient: Vom Autoverkehr an den Rand gedrängt, ist die Radlerin auf der Konrad-Adenauer-Straße abgestiegen.Bild: Haas

Jede Radschnellverbindung soll immer durch das Stadtzentrum und möglichst am Bahnhof vorbei führen. Ferner sollte sie idealerweise eine durchgängige Fahrradstraße mit einer Breite von 4 bis 4,5 Metern haben mit zwei gegenläufigen Spuren, die das Überholen zulassen. Die Fahrradstraßen sollen, von wenigen Ausnahmen abgesehen (Hauptverkehrsstraßen, Zentrum), durchgängigvorfahrtsberechtigt sein. Soweit für die Erschließung notwendig, wird die Fahrradstraße für den Auto-Anliegerverkehr freigegeben. In diesem Fall soll eine Durchfahrt von maximal 300 Metern möglich sein.

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17.06.2015, 12:00 Uhr

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