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Im LTT eröffnete „± 12 VC“ furios die Tübinger Jazz- und Klassiktage

Aaah, cellissimo!

Leistungsschau der Tübinger Musikszene, das wollen die Jazz- und Klassiktage sein. Beim Auftakt der 14. Auflage des Festivals am Samstag im Landestheater ist das trefflich gelungen: Dort spielte das junge Cello-Ensemble „± 12 VC“ auf.

15.10.2012
  • Fabian Ziehe

Tübingen. Applaus, Bravorufe, Jubel – ein Saal feiert eine junge Cello-Solistin. Lucia Martin lächelt, keinen Blick ins Publikum wagend. Ihr Bogenschlenker, der ihre Kollegen zum Aufstehen auffordert, ist zaghaft. Eine rührende Szene – und eine paradoxe: Im Ohr klingt ihr Solospiel nach, die Selbstverständlichkeit, die Sicherheit und der Ernst, mit denen sie das halsbrecherische Andante cantibile aus Dimitri Kabalewskis Cellokonzert Nr. 2 interpretiert hat.

Mitten auf der Bühne des Großen Saals des Tübinger Landestheaters hatte die junge Frau gesessen. Zwölf ebenso junge Cellisten bildeten einen Halbkreis um sie: Sie woben die Solistin erst mit lichtem Pizzicato und zarten Bogenstrichen ein, um dann zu verdichten, zu drängen. Darüber erhoben sich die Soli: Klagen, Eruptionen, Beruhigungen. Das Ensemble ringsum nahm die flinken Wechsel auf, kontrastierte und ergänzte sie.

Das Publikum, das zum Auftaktkonzert der 14. Jazz- und Klassiktage gekommen war, ließ kaum Plätze im Saal frei. Das Ensemble „± 12 VC“ („Plus minus zwölf Cellisten“) der Musikschule zog sie in seinen Bann. Leiter und Musiklehrer Joseph Hasten hatte manche Stücke eigens für die 14 bis 20 Jahre alten Musiker arrangiert. Das Niveau, das die 2001 gegründete Gruppe erreicht, zeigt sie mittlerweile auf europäischen Bühnen. Bei „Jugend musiziert“ waren sie schon mehrfach erfolgreich.

„Jugendaktiv“ und immer in Bewegung

„Stark regional orientiert“ sollen die Jazz- und Klassiktagen sein, sagte Festival-Mitorganisator Sven Gormsen bei seiner knappen Begrüßungsrede. Wie „jugendaktiv“ das sein soll, zeigte für ihn ± 12 VC. Sie sind den Tübingern wohlvertraut, so waren sie bereits im Juli bei der Tübinger Wassermusik zu hören. Das Ensemble ist stets in Bewegung: So waren an diesem Samstagabend drei neue junge Cellisten dabei. Die Besetzung wechselte von Stück zu Stück.

Auch die junge Sopranistin Johanna Pommranz zeigte ihr Können: Sie sang die Arie aus Heitor Villa-Lobos „Bachianas Brasileiras Nr. 5“. Die Sängerin erhob sich ohne ein Zeichen der Mühe über den Klang der Celli ringsum, spielte mit der Stimme des ersten Pults, egal ob lautmalend, singend oder nur summend sich problemlos einfügend.

Die Streicher waren beweglich und präzise. Blickkontakt und sicher einstudierte Einsätze ermöglichten auch ohne Dirigat dynamische Entwicklung. Von Villa-Lobos war neben der bereits erwähnten Arie auch die Embolada aus „Bachianas Brasileiras Nr. 1“ zu hören, vorgetragen im Oktett. Markante Bogenansätze dominierten: Kraft und Temperament bestimmten den Suite-Satz, den Villa-Lobos eigens für Celli komponiert hat.

Ebenfalls im Oktett war „Fandango“ des spanischen Komponisten Cristóbal Halffter zu hören, beginnend mit einem Klangexperiment: Zu einem monoton gezupften Ton gesellen sich weitere hinzu. So formte sich ein Motiv, das sich durch das ganze Stück zog: die Grundlage für wilde Variationen. Einen ganz anderer Charakter entwickelte der „Konzertwalzer“ von Wilhelm K.F. Fitzenhagen: Kammermusik, vorgetragen von einem Quartett, das mit drehendem Dreiertakt, Lach-Motiven und Tagtraum-Sequenzen in eine Kaffeehaus-Stimmung entführte.

Zwei Mal zurück auf die Bühne geklatscht

Trotz der trockenen Saal-Akustik gab es kaum intonatorische Schwierigkeiten. Musikalische Abstriche musste das Publikum nur bei den Stücken der Cello-Band Apocalyptica machen: Da gab es stramme Rockmelodien auf Schrammel-Grundlage. Die Jugendlichen hatten allerdings eine Mordsfreude an dem Rocksound. Das steckte an .

Bliebe das i-Tüpfelchen: Die „Variationen über ein Rokoko-Thema“ von Tschaikowski, übrigens 1877 uraufgeführt vom oben erwähnten Fitzenhagen. Solist hier: Martin Jantzen – und was für einer. Gestaltungskraft, Improvisationstalent und technische Finesse zeigte er im Spiel mit dem Ensemble oder im Duett mit Lucia Martin. Das Publikum war so begeistert, dass es den Solisten zwei Mal zurück auf die Bühne klatschte.

Aaah, cellissimo!
Zwölf Cellisten aufgereiht wie an einer Perlenschnur auf der Landestheater-Bühne: Für den Auftakt der Jazz- und Klassiktage am Samstag hatte Tübingen sich ein junges und begeisterndes Ensemble der Stadt ausgewählt. Bild: Sommer

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15.10.2012, 12:00 Uhr

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