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Entspannte Atmosphäre

Ab- und Zugänge im Rottenburger Zentrums-Einzelhandel halten sich die Waage

Die Lücke, die die Wein- und Teehandlung „Classico“ hinterließ, schließt demnächst „LebensArt“ mit ähnlichem Sortiment. Ladenleerstände gibt es wenig in Rottenburg, aber es fehlt an geeigneter Fläche in bester Lauflage.

04.09.2010
  • Gert Fleischer

Rottenburg. Als die Inhaberinnen von „Oxquisit“ und „Classico“ aus persönlichen Gründen ihre Läden aufgaben, bedauerten das viele Kund(inn)en in der Stadt. Für „Classico“ gibt es in wenigen Tagen Ersatz. Stephan Endler eröffnet am kommenden Freitag mit seinem Geschäft „LebensArt“ – rechtzeitig zur Aktion „Sommernach(t)traum“, mit der am Tag drauf, Samstag, 11. September, die Rottenburger Einzelhändler ihre aus dem Urlaub zurückkehrenden Kundschaft empfangen.

Ab- und Zugänge im Rottenburger Zentrums-Einzelhandel halten sich die Waage
Sich gegen Einblicke schützen und zugleich Neugier wecken, das schaffte Stephan Endler (Foto) im ehemaligen „Classico“, künftig „LebensArt“.Bild: Fleischer

Endler verspricht ein breites Tee-Sortiment mit Augenmerk auf Bio-Ware, Wein aus mediterranen und deutschen Anbaugebieten, Feinkost sowie Nützliches und Dekoratives für Haus, Küche und Garten. Wenn die Qualität stimme, verkaufe er gern auch fair gehandelte Waren oder solche aus regionalen sozialen Einrichtungen. Zudem will er in den Geschäftsräumen Kunst ausstellen oder Lesungen veranstalten.

Endler ist 59 und hat 25 Jahre Erfahrung im Metier. Sein Geschäft bei der Zehntscheuer sieht er als Ergänzung zum „Café Caramel“ wenige Schritte entfernt. Deren Inhaberin Sabine Glatzer beriet er, als sie sich vor dreieinhalb Jahren mit Kaffee, Kakao, Schokolade und Pralinen selbstständig machte. Endler gehört das „Arabica“ in Reutlingen, seine Gründungen sind auch „Mokka“ und „Vinum“ in Tübingen, an denen er inzwischen nicht mehr beteiligt ist. An Rottenburg gefällt Endler die „entspannte, stressfreie Atmosphäre“. Fünf Mitarbeiter/innen hat er, und er will häufiger selbst vor Ort sein.

In der Marktstraße folgte auf „Oxquisit“ (Feinkost und Wohnambiente) zu Jahresbeginn etwas völlig anderes: Fahrräder. Der „Elescoo Bikestore“ war zuvor in der Stadtlanggasse, sozusagen „als Test“, wie Giulio Domante erzählt. Der 31-Jährige Elektrotechniker und Kfz-Mechaniker hat zusammen mit Giuseppe Tragni, 41, seit acht Jahren die Elescoo Trading GmbH mit Sitz in Neustetten. Sie verkaufen und verleihen nicht nur Fahrräder, Elektroräder sowie das Zubehör, sie sind auch Generalimporteur für die Marke Frisbee.

Spezialisiert seien sie auf den nachträglichen Umbau von Rädern, vor allem auf den Anbau von Hilfsmotoren. Dafür haben sie eigene Komponenten und Programme entwickelt. Domante: „Wir elektrifizieren alles, was zwei Räder hat.“ So gibt es tatsächlich Mountain-Bikes mit Hilfsmotor, etwa für Frauen, die ihren durchtrainierten Mann ab und zu ins Gelände begleiten wollen. Auch private Postzustelldienste beliefert der Bikestore mit stabilen, motorunterstützten Zweirädern.

Wo der Bikestore vorher war, mietete sich Anna Picariello ein. Die 40-Jährige Einzelhandelskauffrau – sie stammt aus Rottenburg, lebt aber seit 17 Jahren in Hirrlingen – eröffnete im April mit „Fassettenreich“ ihr erstes eigenes Geschäft. Geschenkartikel und Dekowaren bietet sie an. Für die schwierige Lage in der Stadtlanggasse unterhalb der Dom-Apotheke und für ihre etwas eingeschränkten Öffnungszeiten sei sie bisher „zufrieden“, sagt sie. Sie spüre „viel Wohlwollen“ bei den Kunden.

Ein Geschäfts-Verlust zeichnet sich in der Karmeliterstraße ab. Brigitte Lay, die in Hailfingen wohnt, geht mit ihrem „Wollmarkt Rüfer“ nach Bondorf. Dort habe sie Parkplätze direkt vorm Laden und könne ihr Sortiment etwas erweitern. Dafür sei der Laden in Rottenburg zu eng. Die Wolle-Kunden kämen teilweise aus Reutlingen, Tübingen, sogar aus Böblingen. Deshalb ist Lay zuversichtlich, dass sie ihr nach Bondorf folgen.

Seit elf Jahren besteht das Wollefachgeschäft, seit sieben Jahren hat es Lay in eigener Regie. Eine Zeitlang hat sie nun zwei Geschäfte, denn in Rottenburg ist noch bis Jahresende geöffnet. Seine Frau habe mit dem Geschäft „eine Nische besetzt“, sagt Helmut Lay, der beruflich mit Ansiedlung von Geschäften zu tun hat. Er klagt aber über Rottenburg: In den ganzen Jahren sei nicht ein einziges Mal jemand von den in verschiedenen Gremien für Einzelhandel Zuständigen bei seiner Frau gewesen. Vielleicht hätte sich ja dabei die Chance ergeben, eine größere Verkaufsfläche in der Stadt zu finden.

Mitten in der Königstraße haben Rosemarie und Karl-Heinz Mayer aus Nagold ihr Geschäft „Mode“ geschlossen. Brillen-Filialisten und Bäcker haben sich dafür interessiert, doch die etwas schwierigen Eigentums- und Pachtverhältnisse führten letztlich dazu, dass die Mayers nun einen im Sortiment etwas jünger orientierten „Point“ einrichten. In zwei Jahren, wenn der Mietvertrag abläuft, sei dann Gelegenheit, die Verhältnisse zu klären, sagt Karl-Heinz Mayer.

Fast nahtlos vollzog sich der Geschäftswechsel in der Königstraße, wo die Filiale der insolventen Offenburger Textilbekleidungskette Keilbach verschwand. „Madison“, schon länger mit einem Geschäft neben „Norma“ vor Ort, nahm den frei gewordenen Laden hinzu und erweiterte sein Sortiment.

Ein paar Schritte weiter steht der kleine Laden leer, wo Ina Toellner ihre Heilenergetische Praxis aufgab und nach Herrenberg verlegte. Sie habe festgestellt, dass für ihr eher esoterisches Angebot Rottenburg nicht das richtige Pflaster ist.

Am Ehinger Platz gibt es seit einigen Monaten den „Fingerhut“. Gundel Paschen verkauft Stoffe und Kurzwaren („Fasching ist hier ganz toll“), macht Änderungen, gibt Nähkurse und ist Anlaufstelle für die Reparatur von Nähmaschinen, auch Industrie-Nähmaschinen. Paschen verkaufte viele Jahre Mercedes-Limousinen und kam mit ihrem Mann aus Norddeutschland hierher.

Am Eugen-Bolz-Platz zwischen „Falken“ und „Brunnenstube“ ist Kabel BW ausgezogen. Noch steht der Laden leer, aber die Eigentümerin Eva Rohr befindet sich gerade in Mietverhandlung und ist optimistisch. Es komme kein Einzelhandel, sondern Dienstleistung rein. Genaueres verriet sie nicht.

Direkt daneben hat Rohr schon seit einiger Zeit eine Filiale des Tübinger Orthopädie- und Sanitätshauses Brillinger als Mieter. Damit entstand dort am Eck eine echte Konkurrenzsituation zu dem alteingesessenen „Sanitätshaus Rottenburg“.

Neu an der Gartenstraße ist in der Etage unter dem „Kapuzinerladen“ (Bio-Lebensmittel) das Tierfutter-Fachgeschäft „Bio-Näpfle“. Renate Sandkühler, sie ist gelernte Verlagskauffrau, führt es seit Januar. Zuvor war sie ein Jahr lang unter dem Geschäftsnamen „Biotop“ in der Schuhstraße. Sie verkauft Futter für Hund und Katze, aber nicht nur Bio-Ware, sondern auch konventionelle. „Ich habe keinen Luxus-Shop, bei mir gibt‘s keine Hundehalsbänder mit Brillanten“, wehrt sie falsche Zuordnungen ab.

Dort wo die Pfeiferstraße von der Gartenstraße abzweigt, gibt es seit Juni ein ganz neues Geschäft: den „Exclusiv Service Lanz“. Der Handwerksbetrieb der klassischen Brache Heizung und Sanitär ist schon 40 Jahre alt, aber jetzt von Bad Niedernau in die Stadt umgesiedelt und hat nun einen lichten Schau- und Verkaufsraum.

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04.09.2010, 12:00 Uhr

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