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"Von Einschüssen durchsiebt"

Abdelhamid Abaaoud, mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge von Paris, ist tot

Die Leiche war offenbar derart zugerichtet, dass es einen Tag dauerte, sie zu identifizieren. Nun aber ist klar: Abdelhamid Abaaoud ist tot. Mindestens einer seiner Komplizen ist noch auf der Flucht.

20.11.2015
  • AFP

Bis gestern war es nur eine Vermutung, nun ist es bestätigt: Der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge von Paris ist tot. Der belgische Islamist Abdelhamid Abaaoud sei am Mittwoch bei dem Anti-Terror-Einsatz in der Pariser Vorstadt Saint-Denis getötet worden, teilte die Pariser Staatsanwaltschaft mit. Sondereinheiten hatten eine verdächtige Wohnung gestürmt, in der Abaaoud vermutet wurde. Dabei gab es zwei Tote: Vermutlich sprengte sich eine Frau mit einer Sprengstoffweste in die Luft, außerdem wurde eine Leiche gefunden.

Diese wurde gestern anhand von Fingerabdrücken Abdelhamid Abaaoud zugeordnet. Staatsanwalt François Molins erklärte: "Es handelt sich um den im Gebäude gefundenen, von Einschüssen durchsiebten Körper." Unklar sei laut Staatsanwaltschaft noch, ob sich Abaaoud womöglich auch selbst in die Luft gesprengt hat.

Der 28-Jährige gehörte der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) an, die sich zu den Anschlägen bekannt hatte. Er war eigentlich in Syrien vermutet worden. Wie er unerkannt nach Europa zurückkehren konnte, ist unklar. Frankreichs Innenminister Cazeneuve beklagte, Frankreich habe vor den Anschlägen keine Informationen von Behörden anderer EU-Staaten über eine mögliche Durchreise des Mannes bekommen. Erst am 16. November, drei Tage nach den Anschlägen, sei Frankreich von einem außereuropäischen Geheimdienst informiert worden, dass Abaaoud vorübergehend in Griechenland gewesen sei.

"Die Kooperation im Kampf gegen den Terrorismus ist von größter Bedeutung", mahnte Cazeneuve einen Tag vor einem Sondertreffen der EU-Innen- und Justizminister in Brüssel. Gestern wurde bekannt, dass Abaaoud in der Vergangenheit auch mindestens ein Mal in Deutschland war: Er wurde im Januar 2014 am Flughafen Köln/Bonn von der Bundespolizei kontrolliert, wie ein Behördensprecher sagte. Als Reiseziel nannte er Istanbul.

Die Polizei sucht nun noch mindestens einen weiteren Verdächtigen, den 26-jährigen Salah Abdeslam. Videoaufnahmen deuten zudem auf die Existenz eines neunten Attentäters hin. In Belgien, wo mehrere der Attentäter lebten, gab es gestern neue Razzien gegen Islamisten und neun Festnahmen.

Frankreichs Nationalversammlung stimmte gestern für die Verlängerung und Verschärfung des Ausnahmezustands - mit 551 Ja-Stimmen, sechs Gegenstimmen und eine Enthaltung. Der Ausnahmezustand gilt damit bis Ende Februar. Dem muss aber heute noch der Senat zustimmen.

Der Ausnahmezustand ermöglicht unter anderem Ausgangssperren, Wohnungsdurchsuchungen ohne Richter-Beschluss auch in der Nacht und Hausarrest für mutmaßliche Gefährder. Die Maßnahmen sollen verschärft werden: So soll ein Hausarrest leichter verhängt werden können, in manchen Fällen können elektronische Fußfesseln verwendet werden. Radikale salafistische Moscheen sollen schnell geschlossen werden können.

Abdelhamid Abaaoud, mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge von Paris, ist tot
Abdelhamid Abaaoud posiert in einem Propaganda-Video mit dem Koran und der Flagge des sogenannten "Islamischen Staates". Foto: dpa

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20.11.2015, 12:00 Uhr

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