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Kommentar · Öffentlicher Nahverkehr

Abenteuer unterwegs nach Ofterdingen (11)

Woran denkt jemand, der in Ofterdingen 16 Minuten an der Bushaltestelle steht, und der Bus ist noch nicht da? An Machbarkeitsstudien, die für teuer Geld das Nahverkehrssystem verbessern wollen? Ofterdingen wird das nie betreffen. „Mach hinne!“, fliegt mir durch den Kopf. Dann rollt der Bus vor mit einem Fahrer hinter dem Lenkrad, dessen Freundlichkeit eigentlich eines Waffenscheins bedürfte.

03.07.2015
  • Hans-Joachim Lang

Gleichmütig nehme ich Platz, an der nächsten Haltestelle steigt eine Bekannte hinzu, die erzählt, dass sie in der vorigen Woche ein Taxi nehmen musste, weil ihr Bus nach einer knappen halben Stunde immer noch nicht angekommen war.

Kann ja mal passieren, dass ein Bus ausfällt oder zu spät kommt. In den vorangegangenen sechs Tagen hatte ich aber nicht einmal erlebt, dass der Bus pünktlich war. Hauptsache er kommt. Aber kommt er nicht, woher weiß man, wann der nächste kommt? An der Behelfshaltestelle in Ofterdingen, die seit vier Monaten und noch auf unabsehbare Zeit in Betrieb ist, weigert sich Naldo, einen Fahrplan anzubringen. „Machen wir nicht“, lautete die Auskunft. Klar, das wäre zu viel verlangt.

Auch ich komme mal unpünktlich. Beinahe hätte er nicht angehalten, fauchte unlängst ein Fahrer zur Begrüßung, als er den herankeuchenden Kunden gnädig aufgenommen hatte. Aber erziehungshalber hatte er sein Fahrzeug erst noch beschleunigt, um dann hundert Meter später gnädig anzuhalten. Busreisende seien verpflichtet, zwei Minuten vor der Abfahrt an der Haltestelle zu stehen, dozierte er streng. Lektion gelernt.

Vor einigen Wochen habe ich mich bei Naldo ausgeweint, nachdem mir fast jeden Abend am Mössinger Busbahnhof der Anschlussbus vor der Nase weggefahren war, da die Hohenzollernbahn von Tübingen nach Mössingen selten pünktlich ankommt. Meist lassen sich die Verspätungsminuten an einer Hand abzählen. In diesen Fällen, lautete die Auskunft, seien die Busfahrer angehalten, bis zu fünf Minuten zu warten.

Aber manche Busfahrer sind vergesslich, andere kümmert es nicht. Am vergangenen Montagabend: zwei Minuten zu spät in Mössingen angekommen, Bus weg, eine halbe Stunde auf den nächsten gewartet. Am Dienstagabend: einen Zug früher gefahren, drei Minuten zu spät in Mössingen, diesmal eine ganze Stunde Aufenthaltsqualität am Busbahnhof genossen.

Am Mittwoch vom Bus erholt, dann am vorgestrigen Donnerstagabend der Gipfel aller je erlebten Busabenteuer. Ankunft in Mössingen 20.49 Uhr. Dauerlauf bei 30 Grad Celsius durch die Unterführung, den Bus fast erreicht, doch der fährt (auch buchstäblich!) rücksichtslos fahrplanmäßig um 20.50 Uhr ab, ohne dass jemand eingestiegen war. Nach einer halben Stunde Wartezeit kommt der Bus wieder, fährt stramm auf die Haltestelle zu, eine Studentin tritt in die Fahrbahn, weil das Unfassbare schon absehbar war. Der Fahrer blickt die Studentin an, lenkt ein bisschen zur Seite, gibt noch mehr Gas und überlässt die zwei Dauerkarteninhaber der nächsten, nun noch zusätzlich einstündigen Wartezeit.

(Fortsetzung folgt)


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03.07.2015, 12:00 Uhr

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