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Kommentar Öffentlicher Nahverkehr

Abenteuer unterwegs nach Ofterdingen (9)

Vorigen Donnerstagmorgen fuhr ich mit dem Bus von Ofterdingen nach Mössingen, draußen war Sommer, drinnen sorgte ein Gebläse für geradezu winterliche Kühle. In Mössingen hieß es umsteigen in ein Wagenabteil der Hohenzollerischen Landesbahn. Etwa im selben Moment, in dem mir Reisende auffielen, die mit merkwürdig roten Köpfen auf ihren Sitzen klebten, spürte ich, warum das so war.

13.08.2014
  • Hans-Joachim Lang

Umsteigen konnte ich nicht mehr, denn der Zug war bereits abgefahren. So bietet der Öffentliche Nahverkehr eine eigene Erlebniswelt. Mit einer Abfolge von Klimazonen in nur wenigen Minuten, wie sie sonst nur Reinhold Messner beim Abstieg vom K 2 durchmisst. Und der dauert bekanntlich um einiges länger.

Das ist jetzt aber kein Plädoyer dafür, die Nahverkehrsstrecke zwischen Ofterdingen und Tübingen zu entschleunigen, um die unterschiedlichen klimatischen Binnenzustände in Bahn und Bus besser verkraften zu können. Denn das passiert, wenn auch nicht berechenbar, sowieso. Insbesondere dann, wenn man gegen Abend auf umgekehrter Strecke unterwegs ist.

Dann steigt man im Hauptbahnhof mit dem üblichen flauen Gefühl in den Zug, hat hoffentlich das Handy frisch aufgeladen, setzt sich, sofern man einen Platz kriegt, und schaut zur Uhr. Und wartet und schaut zur Uhr. Auch der Zug wartet, schaut aber nicht zur Uhr. Auf wen er wartet, erfährt man meist nicht. Eins, zwei, drei Minuten Verspätung geht noch. Dann wird‘s kritisch. Man freut sich zwar, wenn es ruckelt und man auf den Weg nach Mössingen, Hechingen, Balingen, Sigmaringen geschickt und vom Zugführer willkommen geheißen wird. Doch ist die Freude nicht immer von Dauer. Dann nämlich, wenn man fahrplanwidrig am Mössinger Bahnhof eintrifft und nicht einmal mehr die Rücklichter des Busses nach Ofterdingen sieht. Dann ist es gut, wenn das Handy funktioniert. Und ein Taxi kommt.

Falls nicht, hat man bis zum nächsten Bus wenigstens vergessen, wie zuvor die Temperaturverhältnisse in der Hohenzollerischen waren. Blöd, wenn zur selben Zeit die Wolkenschleusen offen und der Wartesaal geschlossen ist. Und zuvor schon der Triebwagen feucht war.

Kürzlich erlebte ich nämlich, wie eine Nebensitzerin irritiert erst auf ihre Hose, dann um sich herum und schließlich nach oben an die Decke blickte. Von dort tropfe es beständig herunter. Beim nächsten Halt kam der Lokführer in den Fahrgastraum, vielleicht weil er eine gewisse Unruhe bemerkt hatte. Er legte den Kopf in den Nacken, strich prüfend den hochgereckten Mittelfinger über die nässende Malaise und leckte daran. Sogleich gab er den Befund bekannt: „Kommt von der Klimaanlage!“

Beherzte Männer können bei der Bahn ein weites Betätigungsfeld finden. Man muss aber in ihrem Interesse hoffen, dass sie nach der eben beschriebenen Methode nicht an anderen Fahrzeugstellen auch noch prüfen müssen, wann der nächste Ölwechsel fällig ist.

(Fortsetzung folgt.)

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13.08.2014, 12:00 Uhr

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