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Vom Hohen Haus ins Rathaus?

Abgeordnete im Land und im Bund reizt das Oberbürgermeister-Amt

Aktuell versucht der SPD-Landtagsabgeordnete Martin Rivoir vom Hohen Haus aus das Ulmer Rathaus zu erobern. Ein Blick auf OB-Kandidaturen im Land zeigt: Mal gelingt der Sprung den Mandatsträgern, mal nicht.

11.11.2015
  • BETTINA WIESELMANN

Stuttgart Der letzte Versuch liegt fünf Wochen zurück: Kai Schmidt-Eisenlohr, seit 2011 Mitglied der Grünen-Fraktion im Landtag und kommunalpolitisch bestens verankert in Wiesloch (Rhein-Neckar-Kreis), stellte sich am 4. Oktober den Bürgern als Oberbürgermeister-Kandidat zur Wahl - doch die gaben dem rathauserfahrenen, parteilosen Dirk Elkemann den Vorzug. Schmidt-Eisenlohr holte zwar mit gut 45 Prozent ein sehr gutes Ergebnis, gegen den von CDU, SPD, FDP und Wählervereinigungen gestützten Verwaltungsexperten aber hatte er das Nachsehen. "Ich bereue es überhaupt nicht", sagt der Wieslocher Abgeordnete, in dem zehnmonatigen Wahlkampf sei er "schon nochmal gereift".

Von einer "massiven persönlichen Enttäuschung" spricht Landtagskollege Ulrich Lusche, wenn er an die Lörracher OB-Wahl im Juli 2014 denkt. Kurz zuvor noch mit einem "Rekordergebnis" erneut in den Gemeinderat gewählt, fand sich der Christdemokrat abgeschlagen auf dem dritten Platz wieder, weswegen er im zweiten Wahlgang gar nicht mehr antrat. Dennoch bedauert Lusche seine Kandidatur nicht: "Ich hätte mir ewig vorgeworfen, es nicht probiert zu haben", denn er habe ja eine klare Vorstellung davon, wie es in seiner Heimatstadt weitergehen solle. Und die "unvergleichlich starke Stellung", die der Oberbürgermeister nach der süddeutschen Ratsverfassung hat - Verwaltungschef und Vorsitzender des Gemeinderates - "ist eben schon sehr reizvoll", sagt der CDU-Abgeordnete. Es nochmals andernorts zu versuchen, kommt für Lusche, der schon mehrfach als Kandidat gefragt war, nicht in Frage: Hintergrund seiner Bewerbung war wesentlich "der intensive biografische Bezug zu Lörrach".

Den gab es beim Mannheimer Frank Mentrup nicht. Dennoch machte der damalige Ettlinger SPD-Abgeordnete und Staatssekretär im Kultusministerium klar gegen den örtlichen CDU-Bundestagsabgeordneten Ingo Wellenreuther das Rennen, als es im März 2013 um den OB-Sessel in Karlsruhe ging. Schon einmal wurde mit Otto Dullenkopf (CDU) 1970 ein Landtagsabgeordneter Oberbürgermeister in der Fächerstadt.

Mit dem Freiburger Landtagsabgeordneten Dieter Salomon gelang es den Grünen 2002 zum ersten Mal in Deutschland, einen Großstadt-Oberbürgermeister zu stellen. Auch die Wiederwahl 2010 klappte. 2007 zog der Grüne Boris Palmer nach. Auch der Tübinger OB, der 2014 im Amt bestätigt wurde, hatte damals ein Landtagsmandat.

Zunächst hatte der Abgeordnete 2004 erfolglos Anlauf genommen, Stuttgarts Stadtoberhaupt Wolfgang Schuster (CDU) abzulösen. Das war schon acht Jahre zuvor gleich zwei Mandatsträgern, dem SPD-Landtagsabgeordneten Rainer Brechtken und dem grünen Bundestagsabgeordneten Rezzo Schlauch, nicht gelungen. Nach Schusters Rückzug gelang es 2013 dann Fritz Kuhn vom Bundestag aus in Stuttgart erster Grüner OB in einer Landeshauptstadt zu werden.

Dagegen schaute die Stuttgarter Grünen-Abgeordnete und heutige Landtagsvizepräsidentin Brigitte Lösch in die Röhre, als im März 2010 in Ravensburg die Stimmen bei der OB-Wahl zusammengezählt wurden: Ihre 15 Prozent reichten nur für Platz drei. Mit dem SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel sitzt ein weiterer erfolgloser OB-Anwärter im Landtag: 1999 in Kornwestheim. Die FDP hatte, wenn auch vor fast sieben Jahrzehnten, mit Johann-Peter Brandenburg dagegen einen erfolgreichen Abgeordneten - nämlich des Landtags von Württemberg-Baden - der es auf einen OB-Sessel schaffte: 1947 in Pforzheim, mit Wiederwahlen bis 1966.

Fazit: Landtags- und Bundestagsabgeordnete werden mal Stadtoberhaupt, mal aber auch nicht.

Abgeordnete im Land und im Bund reizt das Oberbürgermeister-Amt
Gewinner und Verlierer (links oben nach rechts unten): Fritz Kuhn, Brigitte Lösch, Frank Mentrup, Dieter Salomon, Ulrich Lusche, Jörg Wellenreuther. Fotos: dpa/PR

Abgeordnete im Land und im Bund reizt das Oberbürgermeister-Amt

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11.11.2015, 12:00 Uhr

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