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Abschied vom Vater Israels
Trauergast: US-Präsident Barack Obama in Jerusalem. Foto: dpa
Bewegendes Staatsbegräbnis für Schimon Peres

Abschied vom Vater Israels

Gestern wurde Schimon Peres in Jerusalem beerdigt. Die Trauerfeier für Israels Altpräsidenten spiegelt dessen Streben nach Einigkeit wider.

01.10.2016
  • SARA LEMEL STEFANIE JÄRKEL, BEIDE DPA

Jerusalem. „Avinu Malkenu“ – „Unser Vater, unser König“, singt der israelische Sänger David D‘Or bei der Trauerfeier für Israels Altpräsidenten Schimon Peres. Es ist Peres‘ Lieblingslied, das gestern über dem Friedhof Herzl-Berg in Jerusalem erklingt. Es drückt das Gefühl vieler Gäste aus, nicht nur der Israelis: Als letzten Gründervater Israels, als Visionär und Friedensstifter beschreiben die Redner den verstorbenen Friedensnobelpreisträger Peres vor rund 3000 Trauergästen. Der 93-Jährige war am Mittwoch gestorben.

„Er hat die Welt nicht so gesehen, wie sie war, sondern wie sie sein sollte“, sagt US-Präsident Barack Obama und ruft zur Fortsetzung des Nahost-Friedensprozesses auf. Er stellt Peres in eine Reihe mit großen Figuren der Zeitgeschichte: „Er erinnerte mich an viele Giganten, die ich getroffen habe, so wie Nelson Mandela, Königin Elizabeth – Anführer, die so viel miterlebt haben.“

Mit seiner Teilnahme erweist Obama Peres die höchste Ehre – ein Schritt mit starker Signalwirkung. Peres verkörperte das Prinzip Hoffnung und Veränderung. Der rechtsorientierte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu steht dagegen für eine Fortsetzung des Konflikts.

Männer in Militäruniformen tragen den in eine Flagge gehüllten Sarg zur Trauerfeier. Ein Militärrabbiner rezitiert jüdische Trauergebete. Dem Sarg folgt die Familie von Peres mit Kindern, Enkeln und Urenkeln.

Bei der Trauerfeier sitzt Obama in der ersten Reihe zwischen Peres‘ Sohn Chemi Peres und dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas. Peres‘ Familie hatte ihn eingeladen, berichteten Medien. Abbas und Netanjahu reichen sich vor der Feier die Hand. Es kommt zu einem kurzen Gespräch zwischen Netanjahu, dessen Ehefrau Sara und Abbas. Die Freundlichkeit wirkt bemüht, das Gespräch eher unbehaglich. „Lange nicht gesehen“, sagt Abbas. „Danke, dass Sie gekommen sind“, sagt Sara. Netanjahu gibt auch dem früheren palästinensischen Chefunterhändler Saeb Erekat die Hand. Solche Treffen zwischen führenden Palästinensern und Israelis haben inzwischen Seltenheitswert. Das Begräbnis erinnert an bessere Zeiten, als die Beziehungen noch von Hoffnung auf eine Lösung bestimmt waren.

Deutschland ist unter anderem durch Bundespräsident Joachim Gauck vertreten. Spaniens König Felipe VI. ist gekommen. Der englische Prinz Charles trägt eine königliche Kippa: Seine jüdische Kopfbedeckung aus blauem Samt ist mit dem Wappen von Wales in Gold bestickt.

Nach der Trauerfeier wird Peres auf dem Nationalfriedhof beigesetzt, allerdings nicht neben seiner Frau Sonja, die stets das Rampenlicht scheute, und ihrem Wunsch folgend 2011 auf einem anderen Friedhof begraben wurde. Dafür liegt er nun ganz in der Nähe des 1995 ermordeten israelischen Ministerpräsidenten Izchak Rabin. Gemeinsam mit Rabin und dem damaligen PLO-Chef Jassir Arafat wurde Peres 1994 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Zusammen hatten sie die Friedensverträge von Oslo gestaltet. Der Friedensprozess bleibt zwar unvollendet, aber im Tod hat Peres einmal mehr geschafft, was immer sein größtes Ziel war: Menschen zusammenzubringen.

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01.10.2016, 06:00 Uhr

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