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Apparat schick

Abschlusskonzert zur Feier der 25-jährigen Städtepartnerschaft

Die Feiern zur 25-jährigen Städtepartnerschaft Tübingens mit Petrosawodsk kamen am Freitag mit einem Konzert der Berliner Band Apparatschik zum Ende. Gut 150 Gäste im Schlachthof tanzten – manche mit DJ Ludwig Fun in den Morgen.

23.11.2014
  • Michael Sturm

Russische Melodien, die er im Musikunterricht kennenlernte, berührten Olaf Opitz’ Seele. Als er mit 16 eine Punkband in Dresden gründete, setzte er durch, dass eine Viertelstunde der Auftritte russischen Liedern gewidmet wurden – „auch wenn man die Russen als Besatzer nicht mochte.“ Mit 18 reiste Opitz in den Westen aus und nahm drei Schallplatten mit: Den Soundtrack des russischen Films „Das Zigeunerlager zieht in den Himmel“, sowie je eine Platte vom Pjatnitzki-Chor und vom Kuban Kosaken-Chor. West-Berlin sei eine Offenbarung für ihn gewesen – bis auf die Musik: „Im Radio lief die ganze Zeit Phil Collins.“

Opitz schwebte damals eine Mischung aus Volksmusik (im Gegensatz zu volkstümelnder Musik), Punk und Reggae vor. Er kaufte seine erste Balalaika, die er mit selbst gebauten Tonabnehmern und Vorverstärkern elektrifizierte. Der Begriff Weltmusik sei damals noch gar nicht erfunden gewesen, sagt der Bandgründer. 1989 gründete er Apparatschik – „drei Monate später ging die Mauer auf.“

Seitdem entwickelte sich Apparatschik – die russische Bezeichnung für den (Partei-)Funktionär – vor allem in Berlin zum Kult: Ab den neunziger Jahren war russische Partymusik in den Discotheken der Hauptstadt schwer angesagt. Als die Welle weiter schwappte kamen Apparatschik in den Clubs der Republik herum. So war der Auftritt im Schlachthaus lange nicht der erste in Tübingen – zuletzt spielten sie vor sechs Jahren bei den Wagenburg-Kulturtagen.

Seit fünf Jahren spielt die Band in der aktuellen Besetzung: Neben Opitz (Leadgesang und Wah-Wah-Balalaika) sind Schlagzeuger Alf Schulze, sowie die beiden Ukrainer Michail „Mischa“ Saposchnikov (Akkordeon) und Paul „Pascha“ Milmeister (Bass-Balalaika) mit an Bord. Am Freitag brachte die Band den Saal mit Stücken wie „Ukrainske Disko“ oder „Ulitza“ (über die heimatliche Gasse) zum Kochen. Einige der Stücke begannen langsam, steigerten jedoch ihr Tempo immer mehr. Was vor allem die Frauen, die im Publikum eindeutig in Überzahl waren, zu engagiertem Tanzen nutzten. Da sah man dann eine wilde, ansteckende Mischung aus Kasatschok, Limbo und Twist.

Die vier Musiker nudelten jedoch nicht nur Vorhersehbares ab. Saposchnikov flocht immer mal wieder Melodien aus der klassischen Musik ein. In „Balalaeka Techno Trance“, dem letzten Stück des regulären Sets spielte die Band einen hypnotischen, trunken machenden Beat den Opitz mit Feedback und klirrenden Flageolett-Splittern anreicherte.

Dann ging die Band ab. Frauen kreischten, Männer forderten mit enthusiastischen Rufen nach Zugaben. Zwei Mal kamen die Musiker noch hinter dem Vorhang hervor. Das Publikum hatte erst genug, als Apparatschik das allseits bekannte „Kalinka“ als Rausschmeißer spielten.

„Schöner wird‘s nimmer“, meinte eine Frau zu ihrer Begleitung beim Gehen. Einige blieben noch zur Druschba-Party mit DJ Ludwig Fun, der Anfangs vor allem Shantel & Club Bucovina-Orkestar auflegte.

Abschlusskonzert zur Feier der 25-jährigen Städtepartnerschaft
Ein bisschen Folklore muss bei Apparatschik schon sein: Beim Abschlusskonzert zur 25-jährigen Städtepartnerschaft Tübingens mit Petrosawodsk präsentieren Mischa Saposchnikov (links) und Olaf Opitz Kopfbedeckungen der russischen Schwarzmeer-Flotte. Bild: Rippmann

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23.11.2014, 12:00 Uhr

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