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Abstimmung über die Schweizer „Reaktor-Oldies“
Das älteste AKW der Welt: Beznau in der Schweiz. Von ihm fühlen sich Anwohner in Deutschland bedroht. Foto: dpa
Referendum

Abstimmung über die Schweizer „Reaktor-Oldies“

Die Eidgenossen stimmen über den Ausstieg aus der Kernenergie ab. Betroffen wäre auch das AKW Beznau an der Grenze zu Deutschland.

25.11.2016
  • JAN DIRK HERBERMANN

Bern. Nur wenige Kilometer von der Grenze zu Deutschland entfernt betreibt die Schweiz das älteste Kernkraftwerk der Welt: Beznau 1. Der 1969 in Betrieb genommene Reaktor und der zwei Jahre jüngere Block Beznau 2 stehen auf einer Insel im Fluss Aare, unweit der Einmündung in den Rhein. In unmittelbarer Nähe liegt der Kreis Waldshut in Baden-Württemberg – für die Bewohner ist das „Technik-Museum“ Beznau eine Quelle der Angst. „Im sogenannten Normalbetrieb gibt das Atomkraftwerk Beznau krebserzeugende Radio(aktivität an die Umwelt ab“, warnt der Regionalverband südlicher Oberrhein der Umweltschutzorganisation Bund. „Ein schwerer Unfall oder Terroranschlag kann das Leben von hunderttausenden Menschen in Gefahr bringen und große Gebiete dauerhaft unbewohnbar machen.“ Neben Beznau stellten die Eidgenossen vor Jahrzehnten zwei weitere AKW in der Nähe zu Deutschland auf: die Anlagen in Leibstadt und Gösgen.

Doch schon bald könnte sich die Furcht vor einer Katastrophe im Grenzgebiete etwas legen. Denn die Schweizer stimmen am Sonntag über den beschleunigten Ausstieg aus der Kernenergie ab. Laut Umfragen dürfte der Ausgang knapp werden.

„Die Atomtechnologie ist nicht beherrschbar und ihre Risiken nicht kontrollierbar“, betont Regula Rytz, die Vorsitzende der Grünen. Ihre Kampagne zielt auf die Reaktor-Oldies in Beznau. Der „älteste AKW-Park“ der Welt kämpfe permanent mit gravierenden Sicherheitsproblemen, die „sich mit keinen Nachrüstungen beheben lassen“. Tatsächlich hatten die Betreiber wiederholt mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen.

Um für die Zeit ohne Atomstrom gewappnet zu sein, verlangen die Grünen eine rigorose Energiewende: Der Ausbau erneuerbarer Quellen soll vorangetrieben werden. Die Regierung traut diesen Plänen nicht. Vielmehr betont Energieministerin Doris Leuthard: Die fünf AKW produzieren 40 Prozent des Schweizer Stroms. „Wenn wir im nächsten Jahr drei Kernkraftwerke abstellen, dann müssen wir über längere Zeit importieren: Kohlestrom aus Deutschland und Atomstrom aus Frankreich“, sagt Leuthard. Die Atombosse warnen sogar vor Stromausfällen. „Bei einem sofortigen Ausstieg, wie ihn die Initiative will, besteht dieses Risiko“, unkt Thomas Sieber, Präsident von Axpo, des Betreibers der Reaktor-Veteranen in Beznau.

Sieber setzt auf das Konzept der Regierung: Danach dürfen keine neuen Atomkraftwerke gebaut werden. „Die bestehenden Kernkraftwerke bleiben jedoch solange am Netz, wie sie sicher sind“, betont die Regierung.

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25.11.2016, 06:00 Uhr

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