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Absturz in letzter Minute
So hätte das „Schiaparelli“ auf dem Mars landen sollen: Neun Düsen bremsen es von 240 auf 18 Stundenkilometer. Foto: ESA ATG-medialab/dpa
Marsmission

Absturz in letzter Minute

Das europäische Landegerät „Schiaparelli“ ist wahrscheinlich zu schnell auf den Mars gekracht. Doch der Lander hat laut Esa beim Abstieg alle wichtigen Daten gesendet.

21.10.2016
  • EGBERT MANNS

Darmstadt. Die ExoMars-Sonde TGO ist in die richtige Umlaufbahn um den Mars eingeschwenkt, aber das Landegerät „Schiaparelli“ ist auf dem letzten Kilometer abgestürzt. Ist die Mission gescheitert? Laut der Europäischen Weltraumagentur (Esa) nicht, im Gegenteil. Ihr Chef Jan Wörner sprach von einem „großen Erfolg“. Immerhin hat das „Schiaparelli“ fünf der sechs Minuten Sinkflug wie geplant absolviert und dabei jede Menge Daten übermittelt. ExoMars-Projektmanager Don McCoy: „Die Daten, die wir brauchen, haben wir.“

31 Sekunden vor der Landung, 240 km/h schnell, hätte das „Schiaparelli“ aus seinem Rückenschild fallen und eine Sekunde später Bremsdüsen zünden sollen, damit es mit rund 18 km/h auf den Boden plumpst. Der Rückenschild hat sich jedoch schon 20 Sekunden früher verabschiedet.

Die Folge: Der Lander fiel aus größerer Höhe und schneller zu Boden, als geplant. Außerdem haben die Bremsdüsen nur vier bis fünf Sekunden anstatt einer halben Minute gezündet, sagte Esa-Flugbetriebsleiter Andrea Accomazzo auf einer Pressekonferenz der Esa in Darmstadt. Es sei „möglich, dass das Tempo danach zu hoch war“.

Landegebiet wird fotografiert

Weshalb Rückenschild und Lander sich zur Unzeit getrennt haben, ist noch nicht bekannt. Das werde die Auswertung der Daten zeigen, sagte Accomazzo. Möglich sei, dass der Fallschirm sich zu früh geöffnet habe.

Ob der Lander in Stücken zwischen Felsen liegt oder am Stück richtig herum oder auf dem Kopf im Staub – auch dazu lässt sich noch nichts sagen. Vielleicht nie. Die Esa lässt zwar ihre Sonden MarsExpress und ExoMars Fotos machen, wenn sie über das Landegebiet fliegen. Aber, wie Accomazzo dazu sagte, „das ,Schiaparelli' wird auf diesen Bilden sehr klein sein.“

Die Esa will den Lander aktivieren. Im Tagesverlauf wird ein Reset des Funkempfängers versucht. Falls das gelingt, will die Esa in den Bordcomputer eingreifen und sich weitere Daten besorgen. Allerdings wird die Bordbatterie in wenigen Tagen erschöpft sein.

Während des gesamten Abstiegs bis auf die letzten 50 Sekunden hat der Lander Daten gesendet: zum Abstieg selbst, zu den Prozessen in seinem Inneren und, wie McCoy sagte, „jede Menge Daten zur Atmosphäre“. Letzteres war das Ziel der „Schiaparelli“-Mission, um Abstieg und Landung eines Mars-Rovers im Jahr 2020 vorzubereiten.

Nach der Landung hätte das „Schiaparelli“ Kopien der Daten funken und die Atmosphäre weiter analysieren sollen. Dazu kommt es vermutlich nicht. „Das ist ein gewisser Verlust“, sagte McCoy. „Aber kein allzu großer.“

Zwei Pakete Daten über den Sinkflug hat die Esa erhalten. Beide endeten 50 Sekunden vor dem geplanten Touchdown.

Eines stammt vom Giant Metrewave Radio Telescope (GMRT) in der Nähe von Puna, Indien, das den Abstieg des „Schiaparelli“ mit einem Bündel aus 28 (!) 45-Meter-Antennen verfolgt hat. Das andere stammt von der europäischen MarsExpress-Sonde, die schon geholfen hat, die Landungen der Nasa-Lander „Phoenix“ und „Curiosity“ auszuwerten. Vom Abstieg des „Schiaparelli“ hat die Sonde 600 Megabyte an Daten zur Erde geschickt, berichtete ExoMars-Flugdirektor Michel Denis.

Was gestern beinahe untergegangen wäre: die Hauptsache der ExoMars-Mission. Das ist der die Marsatmosphäre analysierende Orbiter (TGO). Das Esoc, das Kontrollzentrum der Esa in Darmstadt, hat ihn exakt in die berechnete Umlaufbahn einschwenken lassen. Die ist derzeit eine Ellipse, deren Endpunkte 300 und 95 000 Kilometer vom Mars entfernt sind.

Erst nächstes Jahr wird das TGO in konstant 400 Kilometern Höhe um den Mars kreisen. Und vielleicht herausfinden, ob das Methan in der Atmosphäre von Leben unter der Oberfläche stammt.

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21.10.2016, 06:00 Uhr

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