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Neustart bei der Rottenburger Feuerwehr

Abteilung Stadtmitte wählte Bernhard Schick

Der neue Abteilungskommandant Bernhard Schick soll das angekratzte Image der Feuerwehr Stadtmitte aufpolieren. Seine Kameraden gaben ihm Vertrauensvorschuss mit.

10.02.2010
  • Gert Fleischer

Rottenburg. Dass der bisherige (und bis zur Bestätigung Schicks durch den Gemeinderat noch amtierende) Kommandant Manfred Trapp von seiner Mannschaft zwei Mal nicht gewählt wurde, habe den Ruf der Feuerwehr allgemein, nicht nur den der Abteilung beschädigt. Dies äußerten mehrere Redner am Montagabend im Rettungszentrum. Das war auch der Grund, dass die Verantwortlichen von Stadt und Feuerwehr die nun nötig gewordene außerordentliche Hauptversammlung gut vorbereiteten.

Trapp, der die Sitzung leitete, kandidierte nicht noch einmal. Dass er zurückzog, wurde mit seinem ersten Satz klar: „Ich bedanke mich bei Euch für die letzten 25 Jahre“, sagte er. Er fügte aber gleich hinzu: „Die letzte Wahl war meiner Meinung nach der Feuerwehr Rottenburg nicht würdig. Ich hätte mir das kameradschaftlicher vorgestellt.“

Oberbürgermeister Stephan Neher und Erster Bürgermeister Volker Derbogen leiteten die Wahl. „Das war eine geschichtsträchtige Hauptversammlung“, sagte der OB zum Eklat am 22. Januar, „aber keine, die zum Ruhm oder zum Ansehen der Feuerwehr beigetragen hat.“ Er frage sich, wie Konfliktfähigkeit funktionieren könne, „ohne dass es gleich zu so einer persönlichen Auseinandersetzung kommt“. Wer etwas zu kritisieren habe, rief er die fast vollzählig erschienene Abteilung auf, solle den Ausschuss informieren, nicht bis zur Hauptversammlung warten, „um dann hier die Abrechnung zu suchen“.

Die Flucht in die Anonymität sei „keine Ruhmesleistung“, sagte Neher zu anonymen Beschuldigungen über angebliche sexuelle Übergriffe eines Betreuers in einem Zeltlager der Jugend-Feuerwehr. „Schäbig“ sei das, und es habe die Jugend-Feuerwehr beschädigt. Von Feuerwehrleuten könne man erwarten, dass sie „mit dem Gesicht dazu stehen, wenn sie etwas zu sagen haben“. Es sei schade, so der OB, dass an die unbekannten Briefeschreiber nicht ranzukommen sei.

Bernhard Schick wurde als Kandidat für Trapps Nachfolge vorgeschlagen und geheim gewählt. Wie gestern gemeldet, erhielt er 56 der 66 abgegebenen Stimmen, sieben waren gegen ihn, drei enthielten sich. Der 43-Jährige leitete früher die Stadtmitte-Jugendwehr und auch die Jugendwehr der Gesamtstadt, seit gut acht Jahren ist er Kreisjugendfeuerwehrwart. Außerdem ist er ehrenamtlich tätig als Vorstand im Förderverein der Grund- und Hauptschule Wendelsheim und als Elternvertreter der dortigen Grundschule. Bei der DHL-Niederlassung war er bis zu deren Schließung im Betriebsrat.

Schick nannte bei seiner Vorstellung den scheidenden Kommandanten Manfred Trapp seinen „Ziehvater“. Weil er von ihm gut vorbereitet sei, traue er sich zu, die Führungsposition zu übernehmen, auch wenn er sich „einen ordentlichen, sauberen und ehrlichen Übergang gewünscht“ hätte. Es sei ihm bewusst, dass seine Familie leiden werde, wenn er sich anschicke, „den Scherbenhaufen“ der Feuerwehr-Stadtmitte „neu zu sortieren und zu einem Ganzen zusammenzufügen“.

Schick rief seine Kamerad(inn)en auf, „häufiger miteinander zu reden, nicht übereinander“. Der Dienst für die Bürger erfordere Teamarbeit. Es sei aber bekannt, „dass der Abteilungskommandant der Verantwortliche ist“. Wenn das alles bewusst und akzeptiert sei, „bin ich zuversichtlich, dass wir es schaffen können“.

Kreisbrandmeister Karl Hermann berichtete aus der Geschichte der Feuerwehr. Nur während der Nazi-Zeit seien Kommandanten bestellt worden, ansonsten stets demokratisch gewählt. Manfred Trapp sei der einzige aktive Feuerwehrmann in Rottenburg, der die höchste Auszeichnung trage, das Deutsche Feuerwehrkreuz in Gold. Seine Verdienste würden noch gesondert gewürdigt. Bernhard Schick kenne die Fallstricke einer Wehr, er wisse auch um die „harten Knochen“, die es in einer Abteilung gebe. Das Quäntchen Glück, dass er zur Führung der Abteilung benötige, wünsche er ihm.

Stadtbrandmeister Roland Kürner verlangte von der Mannschaft die „rückhaltlose Unterstützung“ Schicks. Das bedeute nicht, alles hinzunehmen. Kritik jedoch sei offen vorzubringen. Heinz Bolz, der vor Trapp zehn Jahre lang die Abteilung leitete, rief in seiner 50. Hauptversammlung den Feuerwehrleuten zu: „Ich möcht Euch alle Bitten: Steht zu Eurem Kommandanten!“

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