Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Roman

Acht Menschen unter Glas

In „Terranauten“ erzählt T.C. Boyle von einem biologischen wie soziologischen Experiment.

27.01.2017
  • HELMUT PUSCH

Ulm. „Nichts rein, nichts raus.“ Das ist das Mantra, dem sich acht Menschen zwei Jahre lang unterordnen: Es sind Terranauten, vier Frauen und vier Männer, die ausgewählt wurden, um unter einer gläsernen Kuppel in der Wüste Arizonas ein geschlossenes Ökosystem zu testen. Ihr Ziel: eine neue Welt fernab von Katastrophen und Konflikten zu erschaffen. Und „Terranauten“ heißt auch der aktuelle Roman von T. C. Boyle.

So weit so gut. Doch wer Boyles Romane kennt, der weiß, dass die Story nicht ohne fatale Wendungen abgehen kann, dass es da Unwägbarkeiten gibt, die vermeintlich logische Pläne durchkreuzen. Was als große Ehre für die Terranauten beginnt, endet in persönlichen Intrigen und menschlichen Abgründen.

Die Geschichte hat einen realen Kern. In den 90er Jahren wurde tatsächlich in Arizona versucht, eine von Plagen, Katastrophen und Krisen unabhängige und funktionsfähige Welt zu erschaffen: „Biosphere 2“, die bei Boyle „Ecosphere 2“, kurz E2 heißt. Und auch die Basisfakten stimmen überein: Die Glaskuppel überdacht 1,3 Hektar, darin soll sich ein Ökosystem mit 3800 Pflanzen- und Tierarten stabilisieren, das eines Tages lange interstellare Reisen möglich machen soll. Das Ganze ernährt mehr schlecht als recht acht Menschen.

Diese acht Plätze sind heiß begehrt. In monatelangen Vorbereitungen haben sich weit mehr Kandidaten für den zweijährigen Aufenthalt beworben als letztlich in E2 Platz haben. Dawn und Ramsay, zwei der drei sich abwechselnden erzählenden Figuren, kommen rein; Linda, die dritte Erzählerin, bleibt auf der Strecke, also draußen. Entsprechend wechselhaft sind die Blickwinkel auf das Projekt, dessen grundlegende Frage lautet: Wie kommen Männer und Frauen miteinander klar, wenn sie zwei Jahre lang miteinander auf begrenztem Raum eingeschlossen sind? Und es ist letztlich der Sex und dessen natürliche Folgen, die dafür sorgen, dass diese schöne neue Welt unter Glas ganz schon ins Trudeln kommt.

So voraussehbar das alles sein mag, und auch wenn es ein paar Seiten weniger auch getan hätten: „Terranauten“ ist ein typischer Boyle, also sehr lesenswert.

Boyle stellt übrigens seinen Roman auf Lesereise vor: am 13. Februar in der Münchner Muffathalle und am 15. Februar im Stuttgarter Wizemann. Helmut Pusch

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

27.01.2017, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball