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Acht Reiche, Milliarden Arme
Foto: SWP GRAFIK
Vermögensverteilung

Acht Reiche, Milliarden Arme

Ein paar Männer besitzen so viel wie die gesamte ärmere Hälfte der Menschheit, sagt Oxfam. Die Berechnungsmethodik ist umstritten. Doch die wachsende soziale Ungleichheit ist eines der Themen auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos.

17.01.2017
  • DPA

Davos. Glaubt man den Berechnungen des Wirtschaftsmagazins Forbes, besitzen die acht reichsten Männer der Welt zusammen mehr als 426 Mrd. US-Dollar (401 Mrd. EUR). Das ist laut Oxfam mehr, als die gesamte ärmere Hälfte des Planeten besitzt, also 3,6 Milliarden Menschen.

So steht es in der neuen Studie „Eine Wirtschaft für die 99 Prozent“ der Entwicklungsorganisation. Sie zeigt ebenfalls auf, dass seit 2015 das reichste Prozent der Weltbevölkerung mehr Besitz hat als alle anderen Menschen zusammen.

Noch nie in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte war der Wohlstand weltweit so ungleich verteilt wie heute. Die Oxfam-Studie setzt damit auch ein Ausrufezeichen für das Weltwirtschaftsforum in Davos, auf dem das Thema globale Ungleichheit diskutiert werden soll.

Uwe Kekeritz, entwicklungspolitischer Sprecher der Grünen, nennt die Ergebnisse erschreckend. „Diese schier unbegreifliche Form der Vermögenskonzentration ist unanständig und gefährlich.“ Klaus Ernst, stellvertretender Fraktionschef der Linkspartei, spricht von einem „abartigen Ausmaß an Ungleichheit.“ Und Joachim Poß (SPD) nennt die Entwicklung sozial ungerecht und ökonomisch schädlich.

Doch Oxfams Methodik ist nicht unumstritten. Denn die Zahlen betrachten das so genannte Nettovermögen. Wer einen Kredit hat, fällt damit schnell auf Null zurück oder hat sogar ein negatives Vermögen. Daraus folgt zum Beispiel, dass die ärmsten 10 Prozent der Menschheit ein negatives Vermögen von fast 1100 Mrd. US-Dollar haben.

„Durch diese Berechnung gilt etwa ein verschuldeter Student in den USA als arm, obwohl er wahrscheinlich in Zukunft viel Geld verdient“, sagt Judith Niehues vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft Köln. „Nach der Berechnungsmethode gehört ein Drittel der Europäer zur ärmeren Hälfte der Welt.“ Die Forscherin betont, dass Rentenansprüche oder soziale Sicherheitsnetze nicht zum Vermögen zählten, und deshalb das Vermögen als alleiniger Indikator für Wohlstand nicht ausreiche.

Niehues weist darauf hin, dass in Europa gerade in Ländern mit starken sozialen Sicherungssystemen das Vermögen ungleicher verteilt sei. „Vermögen entsteht auch, wenn die Menschen privat für ihr Alter vorsorgen. In Ländern mit starkem sozialen Netz passiert das weniger.“

Oxfam betont: „Wir wollen dafür sorgen, dass die verschiedenen Ideen diskutiert werden, die zu einem Ende der extremen Vermögenskonzentration auf der Welt führen können.“

Denn dass das Vermögen der Welt in der Vergangenheit tendenziell immer ungleicher verteilt ist, steht für die meisten Kommentatoren trotz strittiger Details bei der Berechnung außer Frage. Auch Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) betont: „Die Ränder der Gesellschaft fransen aus. Das ist eine Frage, die weltweit bewegt.“

Im Schweizer Wintersportort Davos diskutieren von heute an etwa 3000 Spitzenpolitiker, Top-Manager, Wissenschaftler und Chefs von Nichtregierungsorganisationen über Antworten auf aktuelle Probleme. dpa

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17.01.2017, 06:00 Uhr

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