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Mit Engelszungen

Achtung Blitzer: Bitte recht freundlich

Das Gesetz zu übertreten bedarf einer gewissen Überwindung. Das Gesetz zu überfahren auch. Das konnten wir erfahren, als wir am frühen Sonntagmorgen mit unserem Geschäftswagen quasi unter Polizeischutz durch die neue Rotlichtüberwachungsanlage am AOK-Knoten gerauscht sind. Als der Blitzer kam, waren wir so perplex, dass wir vor lauter Schreck zu winken vergaßen.

25.09.2012

Stattdessen schauten wir zu dem Polizeifahrzeug, das unseren Verkehrsverstoß erst ermöglichte. Zwei freundliche Verkehrspolizisten, die nach eigenem Bekunden einen solchen Einsatz auch nicht alle Tage haben, machten uns den Weg frei, indem sie für wenige Sekunden die Abbiegespur auf der Eberhardstraße sperrten.

Grund für das Installieren der Anlage, versichert man bei der Stadt, sei nicht der Rubel, der durch solche Blitzer erfahrungsgemäß rollt, sondern vielmehr die unfallträchtige Situation, die man auf diese Weise entschärfen wolle. Eine Studie hat ergeben, dass Reutlingen beim Thema Rotlicht-Verstöße einen unrühmlichen Spitzenplatz einnimmt. Und eine Unfallstatistik der Polizei weist am AOK-Knoten die meisten Unfälle aus, die durch Nichtbeachten des Rotlichts entstanden sind: Allein in den vergangenen dreieinhalb Jahren gab es an der Kreuzung Eberhard/Konrad-Adenauer-Straße 40 Rotlichtverstöße mit Unfallfolge.

Mit der neuen Rotlichtüberwachungsanlage – im übrigen die erste in Reutlingen – soll das anders werden. Die Installation hat inklusive Tiefbauarbeiten (Kontaktschleifen), Masten, Rechner und Kamera stolze 111 000 Euro gekostet. Eine Ausgabe, die sich rasch amortisieren dürfte: Eine Testmessung Anfang September erbrachte binnen 24 Stunden 35 (!) monetär verwertbare Verstöße. Ein einfacher Rotlichtverstoß zieht ein Bußgeld in Höhe von 90 Euro (und drei Punkte im Zentralregister) nach sich, ein „qualifizierter Verstoß“ (wenn die Rotphase bereits länger als eine Sekunde andauert) kostet 200 Euro (und vier Punkte), außerdem wird ein Fahrverbot von vier Wochen verhängt.

Als die Stadt im Frühjahr bekannt gab, dass am AOK-Knoten eine Überwachungsanlage eingerichtet werden sollte, war unser erklärtes Ziel: Da wollen wir mit unserem TAGBLATT-Flitzer als erste den Blitzer auslösen. So ganz ist es uns, trotz unbürokratischer behördlicher Hilfe für die wir uns an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich bedanken wollen, nicht gelungen. Scharf geschalten wurde die Anlage nämlich von Bürgermeister Peter Rist bereits am Freitagmorgen um 9.30 Uhr. Wegen des zu erwartenden geringen Verkehrsaufkommens, durften wir unseren geplanten Rotlichtverstoß nur am frühen Sonntagmorgen begehen. Und zwischen Freitag- und Sonntagmorgen hat es den einen oder anderen Verkehrssünder, der weniger Glück hatte als wir, mit Sicherheit bereits erwischt.uschi kurz

Achtung Blitzer: Bitte recht freundlich
Morgens um Sieben ist die Welt noch in Ordnung – am Sonntag früh um 8.35 Uhr war sie es schon nicht mehr, da löste unser TAGBLATT-Fahrzeug die neue Rotlichtüberwachungsanlage am AOK-Knoten aus.Bild: Blitzer

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25.09.2012, 12:00 Uhr

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