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Straßenbau ist eine komplizierte Angelegenheit

Ärger in Altingen: Die Insel des Anstoßes

In Altingen sorgt eine neue Querungshilfe beim Bahnhof für Verdruss bei einer langjährigen Anwohnerin.

17.11.2016
  • Uschi Hahn

Straßenbau, zumal innerorts, ist bisweilen eine komplizierte Angelegenheit. Es gibt Vorschriften bezüglich der Verkehrssicherheit, gegossen in DIN-Normen. Und es gibt die Anwohner, die oft nicht unbedingt begeistert sind, wenn vor ihrem Haus die Bagger anrücken, Gehwege verbreitern, Kurven vergrößern oder Verkehrsinseln bauen.

So ist das auch in Altingen am Bahnhof. Vor gut sechs Wochen fingen dort die Arbeiten zum Ausbau der Böblinger Straße einschließlich der Kreuzung zur Schweden- und der Römerstraße an. Der erste Abschnitt ist fertig. Mitten auf dem schwarzglänzenden Asphalt sorgt eine große Insel für eine sichere Straßenquerung. Keine schlechte Idee. Immerhin gehen hier viele Nutzer der Ammertalbahn über die Straße, darunter etliche Schulkinder.

Bisher, so sagt Ammerbuchs Ortsbaumeister Jens Kirschnick, seien die Fußgänger „auf einer breiten Fläche kreuz und quer“ über die Kreisstraße gelaufen. Die Insel soll nun Ordnung bringen. Bei viel Verkehr bietet die vier Meter breite, von beiden Seiten abgeschirmte Furt in der Straßenmitte Warteplatz für eine ganze Schar von Kindern. Auch sollen die Fahrzeuge „optisch abgebremst werden“, wie Kirschnick die Ausmaße begründet.

Ausgebremst, und zwar nicht nur optisch, fühlt sich aber auch Gisela Epple. Seit 1963 lebt die mittlerweile 75-Jährige im Haus Böblinger Straße 3. Zwei Garagen stehen neben dem Haus mit seinem gepflegten Vorgarten. In der rechten parkt Epple ihren Ford Focus Kombi. Mit dem kam sie bisher problemlos aus ihrer Ausfahrt, egal in welche Richtung sie danach weiterfahren wollte.

Jetzt aber ist da diese Insel. Und Gisela Epple hat ein Problem. Denn der eine der beiden ovalen, mit massiven Bordsteinen versehenen Ausläufer ragt 1,50 Meter in die Verlängerung ihrer rechten Garagenausfahrt hinein. Gisela Epple ist noch rüstig und ziemlich beweglich. Aber der Kombi ist eben lang und breit. So breit, dass er in die linke Garage gar nicht passt und in der rechten auch nur zwei Zentimeter Platz bis zu den Wänden bleiben. Gerade zurückstoßen, wie zu den insellosen Zeiten, geht nicht mehr. Aber die Kurbelei, um an der Insel vorbei zu manövrieren, gelingt Epple nicht. „Sonst bleibt er an der Mauer hängen“, sagt sie über ihren Ford Focus.

Wenn Gisela Epple nun in Richtung Gültstein fahren will, was häufig vorkommt, muss sie eine Ehrenrunde drehen: falsch rum aus der Ausfahrt, dann über Schweden-, Rosen- und Nelkenstraße zurück auf die Böblinger Straße und weiter nach Gültstein. „Eine Unverschämtheit“, wie Epple findet.

Die genauen Pläne hatte Epple gesehen und auch abgenickt. Aber so hatte sie sich das nicht vorgestellt. „Woher soll ich wissen, dass ein Bleistiftstrich ein Meter fünfzig sind“, fragt sie empört. Jetzt hofft sie, dass die Insel vor ihrem Haus zurück gebaut wird. Die Bordsteine absenken, damit man sie überfahrer kann, wäre eine Idee. Oder auch alles ein Stück verlegen. Solange ein paar Meter weiter an der Römerstraße noch gearbeitet wird, sollte das doch möglich sein, glaubt Epple.

Aber daraus wird wohl nichts werden. Das hat mit Vorschriften und nötigen Abständen zur nächsten Kreuzung zu tun. Und damit, dass die Böblinger Straße eine Kreisstraße ist – anders als die anschließende Römerstraße, die eine überfahrbaren Insel bekam.

„Der Verkehrsplaner hat die Einmündungssituation an der Stelle berücksichtigt“, sagt Ammerbuchs Ortsbaumeister Jens Kirschnick. Aber halt nicht, dass Gisela Epple ein etwas größeres Auto fährt. Doch in dem Fall geht wohl Allgemeinwohl vor Einzelinteresse.

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17.11.2016, 01:00 Uhr

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