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AfD auf Kurs nach rechts
Sie sollen es richten (von rechts): Alexander Gauland und Alice Weidel, das Spitzenduo für die Bundestagswahl, daneben Co-Parteichef Jörg Meuthen. Foto: dpa
Parteien

AfD auf Kurs nach rechts

Die Alternative für Deutschland geht mit dem national denkenden Alexander Gauland und Alice Weidel als Spitzenduo in den Wahlkampf. Parteichefin Frauke Petry wird entmachtet.

24.04.2017
  • DPA

Köln. Es ist eine Entmachtung auf Raten. Parteichefin ist Frauke Petry zwar noch. Doch die AfD hat ihrer Vorsitzenden beim Bundesparteitag in Köln kräftig die Flügel gestutzt. Eine erneute Spaltung ist nicht mehr ausgeschlossen, womöglich nach der Bundestagswahl. Und die AfD hat jetzt ein neues, weibliches Gesicht: Alice Weidel. Die Unternehmensberaterin, die aus Nordrhein-Westfalen stammt, aber heute am Bodensee lebt, wird die Partei zusammen mit dem Vize-Vorsitzenden Alexander Gauland in den Bundestagswahlkampf führen. „Dann rocken wir Deutschland“, ruft die 38-Jährige, die zugleich Spitzenkandidatin ihrer Partei in Baden-Württemberg ist, sie am Sonntag nach ihrer Wahl in den Saal.

Beim Parteitag der zerstrittenen Rechtspopulisten mahnen zwar viele Redner, man müsse geschlossen agieren, doch dann blasen sie doch fast alle zur Attacke. Im Mittelpunkt steht die hochschwangere Petry, die mächtig einstecken muss. „Ich hätte eigentlich erwartet, dass sie nach dieser Niederlage zurücktreten würde“, sagt ein Landesverbandsvorsitzender, der nicht zu den erbitterten Gegnern Petrys zählt. Isoliert, fast schon einsam, wirkt Petry, als sie am zweiten Tag auf dem Podium Platz nimmt. Einer, der gar nicht dabei ist in Köln, dürfte sich darüber im fernen Thüringen freuen.

Als Petry am Samstag zu Beginn des Parteitags – fünf Monate vor der Bundestagswahl – die Bühne betritt, wird sie zunächst freundlich mit „Frauke“-Rufen empfangen. Keineswegs selbstverständlich, nachdem sie gerade überraschend auf die Spitzenkandidatur verzichtet hatte und unklar war, wie die Basis das aufnimmt. Doch der Applaus, den sie für ihre eher gemäßigte Rede erntet, klingt dann eher höflich als begeistert.

Regelrecht gefeiert wird dagegen einer ihrer stärksten Rivalen, der Co-Vorsitzende Jörg Meuthen. Er gibt den Rechtsnationalen Zucker. Als er sagt, an seinem Wohnort sehe er nur „noch vereinzelt Deutsche“, tobt der Saal. Man müsse nun den Hebel umlegen, sonst sei in Zukunft ein „muslimisch geprägtes Land eine mathematische Gewissheit“, ruft Meuthen. Das kommt richtig gut an bei den Delegierten, die sich von den Stühlen erheben. Balsam auf die AfD-Seelen ist auch Meuthens Zuversicht, dass die AfD – sinkenden Umfragewerten zum Trotz – im Mai in zwei Landtage und im September in den Bundestag einziehen werde.

Bürgerliche Alibi-Frau

Es könnte auch ganz anders kommen. Rückblick: Petry war 2015 auch mit den Stimmen des rechtsnationalen Flügels zur Parteichefin gewählt worden – als Nachfolgerin von Parteigründer Bernd Lucke, der damals wie ein geprügelter Hund von dannen zog. Doch das flott zusammengezimmerte Zweckbündnis hielt nicht lange. „Ihr wird es eines Tages genauso gehen wie Lucke“, prophezeiten beim Essener Parteitag 2015 die Anhänger Luckes. Sie könnten Recht behalten.

Fakt ist: Seit Monaten sägen der Thüringer Rechtsaußen Björn Höcke und André Poggenburg aus Sachsen-Anhalt an Petrys Stuhl. Unterstützung erhalten sie von Ideologen wie Vize-Chefin Beatrix von Storch, Taktikern wie Gauland und Meuthen, der von Petry schon manches Mal ausmanövriert worden war.

Petrys schleichende Entmachtung ist nun auch mit Alice Weidel verbunden. Sie soll dem Führungsduo einen wirtschaftsliberalen, modernen Touch geben. Die Volkswirtin aus Baden-Württemberg hatte bislang kein schlechtes Verhältnis zu Petry. Nun riskiert sie, für mögliche Grenzüberschreitungen ihrer neuen Partner in Haftung genommen zu werden. Dass über das Spitzenduo in geheimer Wahl abgestimmt wird, kommt ihr entgegen. Sie will nicht als bürgerliche Alibi-Frau dastehen, die sich vom rechtsnationalen Flügel hat wählen lassen. Nach ihrer Kür zeigt sich Weidel selbstbewusst: „Wir sind stärker als je zuvor.“ Petry kann ihre Enttäuschung nicht verbergen. Die 41-Jährige gratuliert Gauland und Weidel tapfer, auch wenn ihr nun wohl noch mehr Gegenwind entgegenbläst. Ob Petry mit ihren Mitstreitern den endgültigen Bruch vollziehen wird, bleibt ihr Geheimnis. Als Spitzenkandidatin der sächsischen AfD kann sie jedenfalls mit einem Abgeordnetensitz im Bundestag rechnen.

Kurz vor Ende des Parteitags bemüht sich Gauland dann noch schnell um versöhnliche Töne. Denn eine Partei, die alle zwei Jahre ihre bekannteste Persönlichkeit öffentlich demontiert, sieht nach außen nicht gut aus. „Wir brauchen Sie in der Partei“, sagt Gauland zu Petry. Applaus. Petry ringt um Fassung, sie wirkt erschöpft. Gauland, von früheren Mitstreitern als emotionsloser Taktiker beschrieben, gibt ihr einen Handkuss. dpa

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24.04.2017, 06:00 Uhr

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