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Polizei und Polemik – aber keine Prominente

AfD eröffnet Landtagswahlkampf / Rund 500 Besucher in der Stadthalle

Die Petry-Jünger mussten gestern Abend ohne die Bundesvorsitzende der AfD auskommen: Frauke Petry konnte nicht zum Auftakt des Landtagswahlkampfs nach Sulz kommen, weil die sächsische Landtagsabgeordnete spontan vor den Untersuchungsauschuss geladen wurde. Der Sulzer Erstkandidat Emil Sänze sprach in der Stadthalle vor rund 500 Zuhörern.

13.11.2015
  • cristina priotto

Sulz. Vor der Halle hatte bereits um kurz nach 17 Uhr ein Großaufgebot der Polizei Stellung bezogen: Rund 40 Uniformierte und einige Hunde postierten sich in Bussen und Fahrzeugen rund um den Backsteinbau und hielten über Funk Kontakt zu einigen Beamten in Zivil im Inneren. Drinnen musste Hausmeister Rolf Roehse derweil laufend nachstuhlen. Etwa 500 Menschen waren gekommen, überwiegend ältere Männer, nur vereinzelt saßen und standen Frauen und einige wenige Jugendliche im Publikum. Unter die Anhänger der Alternative für Deutschland (AfD) hatten sich auch einige neugierige Sulzer gemischt. Hauptamtsleiter Hartmut Walter verfolgte die Veranstaltung von einer Bank im Foyer aus.

Zu Einigen war die Nachricht bereits vorab durchgedrungen: Frauke Petry, als prominente Gastrednerin erwartet, konnte nicht nach Sulz kommen. Kurzfristig habe der Untersuchungsausschuss des sächsischen Landtags die 40-Jährige am Nachmittag vorgeladen, teilte Emil Sänze den Besuchern zerknirscht mit. Mit einem enttäuschten „Oooh!“ nahmen die Petry-Jünger diese Information auf. Kurzfristig hatte der Renfrizhauser Sänze, Erstkandidat für die Landtagswahl für den Wahlkreis 53/Rottweil als Alternative den AfD-Spitzenkandidaten Jörg Meuthen als Ersatzredner mobilisieren können.

Emil Sänze, ehemaliger Betriebswirtschaftler, stellte sich den potenziellen Wählern vor und begründete den Wechsel von der FDP zur AfD 2014 damit, „das fortgesetzte Elend beenden“ zu wollen.

Die Bundesregierung nahm der Landtagswahlkandidat in die Kritik: Niemand sei gefragt worden, ob die Bürger den Euro oder Mehrwertsteuererhöhungen wollten, wetterte Sänze und warf der Großen Koalition vor, Deutschland schlecht zu verwalten.

Während auf der Bühne im Hintergrund auf Großleinwand eine Power-Point-Präsentation mit Fotos der Sulzer Stadtteile und Wahlslogans in Dauerschleife lief, ging der Renfrizhauser auf Probleme des ländlichen Raums wie Krankenhausschließungen, schlechte Internetanbindungen oder marode Straßen ein. „Die Glatttalstraße erinnert an eine Panzerstraße“, sagte der 65-Jährige unter Applaus.

Auffallend: Das Wort Flüchtlinge nahm Emil Sänze am Donnerstag kein einziges Mal in den Mund. Stattdessen redete der AfD-Landtagswahlkandidat spöttisch von „sogenannten Fachkräften“, mit denen angeblich die Entvölkerung der Städte aufgefüllt werden solle.

Gegen Guido Wolf gewandt, schimpfte der Redner beleidigt: „Er hat uns nicht gefragt, ob wir mit ihm kooperieren wollen“, nachdem der CDU-Spitzenkandidat eine Koalition mit der Alternative für Deutschland ausgeschlossen hatte.

Irgendjemand von der AfD hatte zuvor wohl auf dem Marktplatz Mäuschen gespielt, denn Sänze kannte die Rede von Ulrich Vallon und unterstellte dem Dekan eine Vermischung von Religion und Politik. Das Engagement der Ehrenamtlichen deutete der Renfrizhauser als „Kompensation eines Notstands des Staates“ in die Ideologie der Rechtskonservativen um.

80 Mitglieder habe der AfD-Kreisverband Rottweil-Tuttlingen, 26 Anfragen auf Neuaufnahme in die 2013 gegründete Partei lägen vor, nannte der Kandidat zum Abschluss Zahlen, ehe Zweitkandidat Lars Patrick Berg ans Mikrofon trat.

Einige der Polizisten, die zuvor bei der Mahnwache gewesen waren, nahmen den Doppeleinsatz mit Galgenhumor: In der Halle könne man sich wenigstens aufwärmen, frotzelte ein Beamter. Einige der gehörten Aussagen verursachten Nicht-AfDlern jedoch eher einen kalten Schauer. cap

Info Über den Vortrag von Jörg Meuthen werden wir noch berichten.

AfD eröffnet Landtagswahlkampf / Rund 500 Besucher in der Stadthalle

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13.11.2015, 12:00 Uhr

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