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Agentin mit Herz
Im Einsatz gegen außereheliche Affären: Agentin Xia Li. Foto: Felix Lee
Affären

Agentin mit Herz

In China können sich betrogene Ehefrauen an spezielle Agentinnen wenden, die die Nebenbuhlerin dazu bewegen, die Affäre zu beenden.

13.10.2016
  • FELIX LEE

Peking. Xia Li hatte eigentlich bei der Partnervermittlung Baihe angeheuert, um einsame Herzen zusammen zu bringen. Doch nun macht die 44-Jährige bei Chinas größter Online-Partnerbörse genau das Gegenteil: Sie treibt Liebende auseinander – ein Premiumdienst der Partnervermittlung, der den zumeist weiblichen Auftraggebern bis zu 50 000 Euro wert ist.

Xia Li macht im Auftrag von geprellten Ehefrauen Jagd auf Nebenbuhlerinnen des Gatten. Wobei Xia Li die Bezeichnung „Jagd“ nicht mag. Vielmehr würde sie diese Mätressen aufsuchen und auf freundliche Art versuchen, sie davon zu überzeugen, sich von dem verheirateten Mann zu trennen. „Wir bringen den Leuten emotionale Verantwortung bei und wie man einen Menschen wirklich liebt“, sagt Xia Li. „Wir verhindern Scheidungen.“

Xia Li berichtet von einer Klientin, deren Fall exemplarisch sei. Über mehrere Jahre hatte der Ehemann die Frau betrogen und die habe das sehr rasch mitbekommen. Der Ehemann sei abends spät nach Hause gekommen, fahrig gewesen und hätte kaum noch zugehört. Einmal habe die Frau dann mitgekriegt, wie er mit seiner Geliebten telefonierte. Doch ansprechen wollte sie ihn darauf nicht. „Sie schämte sich“, berichtet Xia Li. Die Frau sah es als ihr eigenes Versagen an, dass ihr Gatte fremdgeht.

Außereheliche Affären sind in China weit verbreitet. Einige wohlhabende Ehemänner leisten sich sogar so genannte „Xiaosan“: Zweitfrauen, denen sie oft den ganzen Lebensunterhalt samt Luxuswohnung und Privatauto finanzieren. Nicht selten haben diese Frauen auch Kinder von den Ehebrechern. Wenn die Ehefrauen vom Zweitleben ihrer Gatten erfahren, fühlen sich sich diesem Betrug oft hilflos ausgesetzt, haben Angst vor einer Scheidung und dem damit verbundenen gesellschaftlichen und finanziellen Abstieg. Lieber ertragen sie die Affären ihrer Ehemänner als den Bruch zu wagen.

Die Firma Baihe, für die Xia Li arbeitet, ist keineswegs das erste Unternehmen, das im Aufspüren von Mätressen ein lukratives Geschäftsmodell entdeckt hat. Die Agentur Weiqing zum Beispiel hat sich bereits 2001 darauf spezialisiert. 300 Agentinnen sind für Weiqin im ganzen Land im Einsatz. Sie geben sich gegenüber den Mätressen als Nachbarinnen, Haushaltshilfen oder Babysitterinnen aus und versuchen, Vetrauen zu gewinnen. Eigenen Angaben zufolge rettet die Agentur jedes Jahr 5000 Ehen.

Inzwischen gibt es in China hunderte solcher Agenturen. Agentin Xia Li berichtet, bis zu zwei Monate könne ein Fall dauern. Erst wenn sicher ist, dass die Nebenbuhlerin sich auch wirklich nicht mehr mit dem Gatten trifft, sei die Mission beendet. Gelingt Xia Li das nicht, müsse sie das Geld zurückzahlen.

Xia Li hält das agentenhafte Vorgehen für legitim. Schließlich basierten auch die Affären der Maitressen auf Lügen und Betrügereien. Sie wolle auch gar nicht über diese Frauen urteilen, erklärt sie, sondern sie vielmehr dazu bringen, selbst ehrliche Männer für sich zu finden.

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13.10.2016, 06:00 Uhr

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