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Kommentar Demo

Aggressionen schaden dem Tierschutz

Wie lässt sich das Leiden bei Tierversuchen verhindern, oder wie sind diese am besten ganz zu vermeiden? Darüber müsste debattiert werden. Aber es gibt Themen, über die leider selten vernünftig diskutiert wird. Tierversuche gehören dazu.

21.09.2014
  • Gernot Stegert

Zu aufgewühlt sind die Gefühle. Stets geht es erregt zu, ist die Atmosphäre hitzig, entstehen Wortgefechte statt Diskurse. So auch am Samstag in Tübingen, als Oberbürgermeister Boris Palmer sich zur Tierschützer-Demo wagte und Versuche mit Affen am Tübinger Max-Planck-Institut verteidigen wollte.

„Lass es, du kannst nur verlieren!“ hätten wohl persönliche Freunde wie politische Berater im OB-Wahlkampf gesagt. Doch Palmer ist Palmer und stellt sich den Andersdenkenden in der ihm eigenen Mischung aus Sturheit und Mut, steht ebenso aufrecht wie rechthaberisch für seine Überzeugung ein. Dass ein Politiker sich nicht hinter Akten oder nichtssagenden Floskeln verkriecht, verdient zunächst einmal Respekt. Auch die Tierschützer sollten darüber eigentlich froh sein. Und waren es hoffentlich in der Mehrheit auch. Wie ja die gesamte Demo am Samstag vorbildlich friedlich war.

Primaten, Proteste, Palmer

Primaten, Proteste, Palmer --

04:21 min

Doch zur ganzen Wahrheit gehört, dass es auch eine aggressive Minderheit unter den Tierschützern gibt. Wie bei vielen Bewegungen. Gewiss, Bilder von leidenden Tieren lassen niemanden unberührt. Und ja, Boris Palmer hat seine Meinung bisher nicht gerade geschickt und einfühlsam formuliert. Damit brachte er so manchen unnötig auf die Palme. Aber nichts rechtfertigt einen Steinwurf auf einen Kopf. Und sei der Kiesel noch so klein und der Wurf schwach. Es kann ins Auge gehen. Die Absicht zählt.

Und wenn es noch nicht einmal diese war, sondern einfach Wut: Selbstbeherrschung gehört zur Zivilisation. Das gilt auch für die Drohmails gegen Palmer und noch dramatischer gegen Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts. Alles nur von harmlosen Spinnern? Das kann nach den Attentaten auf Wolfgang Schäuble und Oskar Lafontaine keiner wissen.

Die friedlichen Tierschützer haben eine Mitverantwortung für die Ausrastenden in ihrem Schlepptau. Vielen Bürgerbewegungen der vergangenen Jahrzehnte ist genau diese Einbindung und Deeskalation von Radikalen gelungen.

Derzeit aber wird angeheizt, beispielsweise wenn der Kieselsteinwurf als „PR-Gag“ Palmers abgetan wird oder erschreckend viele auf Facebook Gewalt gegen Menschen als Reaktion auf Gewalt gegen Tiere rechtfertigen. Das ist das Prinzip Auge um Auge. So entsteht Schaden für die Sache des Tierschutzes selbst. Dabei bräuchte es doch eine vernünftige Debatte.

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21.09.2014, 12:00 Uhr

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