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Schule ist die Lösung

Ahmed Dramé beim Filmfest Frauenwelten: Nur Solidarität hilft gegen den Terror

Seiner Lehrerin Madame Anne verdanke er alles, sagt der Schauspieler und Drehbuchautor Ahmed Dramé. Doch als sie an seiner Schule in Créteil zum ersten Mal vor ihm stand, fand er sie furchtbar streng, fast böse, gestand der 22-Jährige im TAGBLATT-Gespräch.

21.11.2015
  • Dorothee Hermann

Tübingen. Es klingt wie ein Märchen: Eine engagierte Lehrerin in einem Pariser Arbeiterviertel bringt eine demotivierte Klasse zum Abitur. „Die Schüler der Madame Anne“ heißt der Film, der am Mittwoch das Frauenwelten-Festival eröffnet hat. Ahmed Dramé spielt darin den Schüler Malik. Als die Pädagogin (im Film Ariane Ascaride), den Schülern vorschlug, beim nationalen Wettbewerb „Widerstand und Deportation“ mitzumachen, ließ die das zunächst kalt. „Das betrifft uns doch gar nicht“ oder „Das ist zu schwer“, schildert Dramé im Rückblick die Reaktionen. Erst die Begegnung mit dem KZ-Überlebenden Léon Zyguel veränderte alles. „Er war 15, als er deportiert wurde. So alt wie wir.“

Für Dramé selbst war immer klar: „Woher man kommt, ist egal, wenn man weiß, wohin man kommen will.“ Den Ehrgeiz hat er von seiner Mutter. Als 14-Jährige kam sie 1981 als erste aus der Familie aus Mali nach Frankreich, um eine Ausbildung in der Gastronomie zu machen. Sie wohnte allein im Ausländerheim. Nur eine Tante kümmerte sich gelegentlich um sie. Mittlerweile ist sie eine engagierte Gewerkschafterin.

Rückschläge aufgrund von sozialen Benachteiligungen sind Dramé nicht fremd: 21 000 Euro für das Studium an einer angesehenen Filmhochschule konnte er zunächst nicht aufbringen. Aber: „Man kann sich selber Bücher und Hefte besorgen. Vielleicht muss man dreimal so viel arbeiten wie andere.“ Kann eine Schule die Probleme in den Banlieues lösen? „Die Schule ist immer die Lösung“, behauptet der 22-Jährige. „In der Banlieue und sonst auch.“

Der Islamist des Films (der sich von Olivier in Brahim umbenennt) studiere nun Wirtschaft. „Er ist nicht mehr Islamist, nicht einmal mehr Moslem.“ Er sei damals nur einer Mode gefolgt. „Es ist gefährlich für Jugendliche, wenn sie manchmal in so ein Fahrwasser geraten.“ Die prollige Mélanie mit der Alkoholikermutter bereite sich für die Polizei-Aufnahmeprüfung vor. „Die Mutter trinkt nicht mehr. Sonst hätte ich sie im Film so nicht gezeigt.“ Dramé hat das Drehbuch gemeinsam mit Regisseurin Marie-Castille Mention-Schaar verfasst. Er habe sie verblüfft: „Da ist ein Junge aus der Banlieue, der positiv über die Schule spricht.“

Die Anschläge von Paris erfüllen ihn mit Bestürzung. „Die Terroristen wollen einen antimuslimischen Hass in Frankreich erzeugen – und das funktioniert.“ Der einzige Weg, sie zu bekämpfen: „Wir müssen uns alle solidarisieren, um weiterzukommen.“

In seinem Film gehe es um Vertrauen und Identität, sagt Dramé. Bei Madame Anne habe er gelernt, wer er selbst sei – statt Angst zu haben, wegen seiner sozialen Stellung oder seiner Religion diskriminiert zu werden. Als Botschaft wollte er übermitteln: „Ihr alle könnt es schaffen.“

Info „Die Schüler der Madame Anne“ läuft am Samstag, 20.30 Uhr, im Museum. Ahmed Dramé ist anwesend. Weitere Vorstellung: Montag, 20 Uhr, Kino im Waldhorn.

Ahmed Dramé beim Filmfest Frauenwelten: Nur Solidarität hilft gegen den Terror
Ahmed Dramé ist Gast des Tübinger Filmfests Frauenwelten.Bild:Faden

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21.11.2015, 12:00 Uhr

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