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Wald ist mehr als Baumbestand

Aktionstage am Eugen-Bolz-Platz

„Ich les‘ da PEFC. Hat das was mit PVC zu tun?“, fragte am Samstag ein Passant bei den Waldaktionstagen auf dem Rottenburger Eugen-Bolz-Platz. Hat es nicht. PEFC zertifiziert nachhaltige Waldbewirtschaftung. Weil Rottenburg dabei vorbildlich ist, wurde es zur Waldhauptstadt 2012 gewählt.

02.07.2012
  • Fred Keicher

Rottenburg. Zwischen meterhohen und meterlangen Holzstapeln aus Schnittholz haben Kreisforstamt und PEFC den Informationsstand eingerichtet. Carin Fetz, die Öffentlichkeitsreferentin von PEFC, ist ein wenig unglücklich über den umständlichen Namen ihrer 1999 gegründeten Organisation: Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes. Die Zertifizierung sei ein Instrument, den Wald zu schützen, sagt sie.

Nachhaltige Waldbewirtschaftung bedeute zunächst einfach, man holt nicht mehr Holz aus dem Wald als nachwächst. Aber Wald sei ein „kostbares Gut“, weil er vielfältige Funktionen erfülle als Erlebnis-, Erholungs-, Wirtschafts- und Naturraum. Dabei ginge es dem Wald in Deutschland ganz gut, sagt Fetz, die ihr Büro in Stuttgart hat. In Deutschland sind zwei Drittel der Wälder zertifiziert. Baden-Württemberg ist auch hier Spitze, hier sind es über 80 Prozent der Wälder: alle Staats- und Körperschaftswälder (das sind die Wälder, die Städten und Gemeinden gehören) und auch die meisten Privatwälder. „Alle Fürsten sind dabei“, freut sich Fetz. Dem Adel gehören große Waldflächen im Land.

„Weltweit ist noch viel Wald ungeschützt“, sagt Fetz. Nur etwa 10 Prozent des tropischen Regenwalds etwa. PEFC ist als europäische Initiative gegründet worden, ist aber inzwischen weltweit tätig. Gerade wurden für Malaysia Zertifizierungsstandards aufgestellt. Die Standards werden auf nationaler oder regionaler Basis erarbeitet. Dabei sind alle Interessengruppen beteiligt. „Die Standards sind eine Konsensentscheidung aller Gruppen.“ Dazu gehören die Waldbesitzer, die Holzindustrie, der Handel, Umweltverbände, Gewerkschaften und in den Tropen auch die Vertreter der indigenen Völker.

„Im Wald sind auch die Fehler nachhaltig“, erklärt Alexander Köberle, der als Chef der Kreisforstverwaltung auch die Rottenburger Wälder betreut. Mit 3200 Hektar, hauptsächlich im Rammert, ist die Stadt Rottenburg einer der größten Waldbesitzer im Land. Bei der Zertifizierung habe man „als Selbstverpflichtung“ die Regeln festgeschrieben, nach denen schon immer gewirtschaftet wurde. Köber sagt: „Die Zertifizierung war eine Bestätigung, dass wir schon auf dem richtigen Weg waren.“

Der Förster arbeitet „im Spannungsfeld von Interessengruppen“. Zu diesen zählen nicht zuletzt auch Spaziergänger, schließlich kostet der Erholungsort Wald ja keinen Eintritt. „Die rufen dann montags an“, berichtet Köberle, „und beschweren sich, dass der Wald unaufgeräumt aussehe.“

Nicht nur wegen der Außenwirkung ist die Zertifizierung für den Förster wichtig. Sie ist auch ein wirtschaftlicher Faktor geworden. Nichtzertifiziertes Holz lässt sich oft nur mit deutlichen Preisabschlägen verkaufen, berichtet Catrin Fetz.

Die riesigen Holzstapel, die am Eugen-Bolz-Platz aufgebaut sind, sind eine Leihgabe von Schwörer-Haus. Der Fertighaushersteller verwendet nur zertifiziertes Holz. In einer kleinen Ausstellung gibt es Produkte mit PEFC-Zeichen zu sehen: Von Kinderspielzeug und Malstiften über Papiertücher bis hin zu Zigarettenpackungen. Da ist der Entzug der Zertifizierung keine leere Drohung, sagt Fetz, sondern geht ans Geld.

PEFC kontrolliert vor Ort, ob die Standards eingehalten werden, zum Beispiel, ob der Maschineneinsatz regelkonform erfolgt. In Rottenburg wird inzwischen etwa ein Drittel des Holzeinschlags mit Vollerntern erledigt. Die Kontrolleure schauen an den Baumstümpfen nach der „Fällkerbe“. Die bleibt, wenn der Stamm längst weg ist, und zeigt, ob die Waldarbeiter trotz Arbeitsdruck die Sicherheitsbestimmungen eingehalten haben.

Bei der Waldaktion hat man auch auf die Fußballbegeisterung gesetzt, der Andrang aber hielt sich in Grenzen. Tischfußball und Torwand sind natürlich aus zertifiziertem Holz. Jedermann kann zudem Baumpate werden, Paten werden gesucht für 1000 Bäume, die im Herbst gepflanzt werden: Zettel ausfüllen genügt. Wie produktiv der Wald ist, zeigt die „Zuwachsuhr“ des Kreisforstamts. Die Sanduhr läuft vier Minuten, in denen ist im Stadtwald ein Raummeter Holz gewachsen.

Fichtenmonokulturen kennt der Stadtwald nicht mehr, sagt Hans-Jürgen Ruff, der für den Wald in den nördlichen Stadtteilen und in Ammerbuch zuständig ist. Behutsam eingreifen muss er etwa, will er den Anteil der Eiche im Wald halten. Als „Lichtbaum“ würde sie sonst im Schatten der Buchen untergehen.

Aktionstage am Eugen-Bolz-Platz
Der Andrang beim Waldaktionstag war am Wochenende recht verhalten.

Noch bis Mittwoch laufen die Aktionstage. Der Info-Stand auf dem Eugen-Bolz-Platz ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Dort können sich Leute auch kostenlos als Baumpaten eintragen für eines der 1000 Bäumchen, die die Zertifizierungsorganisation PEFC der Stadt Rottenburg schenkt.

Am morgigen Dienstag geben vier Experten am TAGBLATT-Telefon Auskunft auf Fragen rund um Wald und Holz.
Alexander Köberle, Leiter der Abteilung Forst beim Landratsamt und zuständig für die Bewirtschaftung des Rottenburger Stadtwalds, beantwortet Fragen zum Wald allgemein bis hin zum Brennholz.

Dirk Teegelbekkers, Geschäftsführer des PEFC Deutschland, gibt Auskunft zu nachhaltiger Waldbewirtschaftung, Waldschutz sowie zum Kauf von nachhaltigen Holz- und Papierprodukten.
Martin Sauter von der Schwörer-Haus KG beantwortet Fragen zu Planung, Bau oder Energieversorgung eines Fertighauses sowie zur ressourcenschonenden Herstellung eines solchen.

Martin Bentele ist Vorsitzender des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verbands (DEPV) in Berlin und weiß viel übers Heizen mit Holzpellets und Biomasse, über Fördermittel sowie über die Heiz- und Lagertechnik.

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02.07.2012, 12:00 Uhr

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