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Frustrierende Prognose: Uni-Klinikum erwartet 2015 wieder ein Defizit

Aktionswoche „Wir leisten mehr“

Dieses Jahr wird das Tübinger Uni-Klinikum mit einer ausgeglichenen Bilanz abschließen. Doch für das nächste Jahr droht erneut ein Defizit – und damit eine neue Sparrunde? In einer bundesweiten Aktionswoche fordern die Uni-Klinika eine bessere Vergütung.

13.11.2014
  • AngeliKA Bachmann

Tübingen. Von Kiel bis Freiburg gibt es diese Woche bundesweit Aktionen von Hochschulmedizinern. Zum Jahresende soll eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe Vorschläge vorlegen, wie die Krankenhausfinanzierung neu geregelt werden könnte. Die baden-württembergischen Universitäts-Klinika haben gestern zu einer Pressekonferenz in Stuttgart eingeladen, um auf ihre schwierige Finanzsituation aufmerksam zu machen. Für das Jahr 2014 erwarten 61 Prozent der Uni-Klinika in Deutschland ein Defizit. Und das, obwohl die meisten schon viele Sparrunden hinter sich haben.

Tübingen gehört zu der Minderheit, die 2014 einen ausgeglichenen Haushalt schafft. Vermutlich wird es sogar einen Überschuss von 5,1 Millionen Euro geben, wie die kaufmännische Direktorin Gabriele Sonntag sagte. Das entspreche etwa einem Prozent des Umsatzes in der Krankenversorgung – und sei mithin minimal. Derzeit werde der Wirtschaftsplan für das Jahr 2015 aufgestellt. Dort sei schon wieder ein deutliches Defizit in Sicht. „Das ist frustrierend“, sagte Sonntag, vor allem für die Mitarbeiter. Diese hätten sich sehr ins Zeug gelegt, die wirtschaftlichen Vorgaben zu erreichen. Das Defizit zeichne sich jedoch ab, da die Einnahmen über die Krankenkassen nicht im selben Maß steigen, wie etwa die Ausgaben für Energie, Arzneimittel und Löhne.

Zudem habe das Klinikum Personal eingestellt – rund 130 Vollzeitkräfte mehr stehen auf der Gehaltsliste. Viele davon im Pflegebereich. „Das waren Stellen, die wir im Vorjahr nicht besetzen konnten. Wir sind sehr froh, dass wir diese Mitarbeiter jetzt haben.“ Denn ebenfalls deutlich gestiegen sind die Leistungszahlen und der Umsatz des Klinikums, das mit seinen fast 9000 Voll- und Teilzeitbeschäftigten der größte Arbeitgeber in der Region ist. Der Umsatz in der Krankenversorgung wird im laufenden Jahr auf 510 Millionen Euro steigen. Das bedeutet in fünf Jahren ein Wachstum von 25 Prozent.

Gegenüber dem Gesetzgeber fordern die Universitäts-Klinika schon lange einen so genannten Systemzuschlag, wie es ihn zum Beispiel in den USA und Holland gibt. Denn zusätzlich zur Krankenversorgung müssten Uni-Kliniken Lehre und Ausbildung der Ärzte tragen, sie haben einen überdurchschnittlichen Anteil von Extremkostenfällen, also von komplexen und in der Therapie sehr teuren Erkrankungen. „Wir leisten mehr“ ist deshalb auch der Titel der aktuellen Aktionswoche.

Einen solchen Systemzuschlag habe Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) aber abgelehnt, so Sonntag. Jetzt sollen einzelne Aspekte verhandelt werden, in denen die Uni-Klinika eine besondere finanzielle Belastung sehen. Ein Schwerpunkt könnte die Neuorganisation der Notfall-Versorgung sein (siehe: „Immer mehr Krankenhäuser schränken die Notfallbehandlung ein“). Auch bei den Hochschulambulanzen, die wachsende Patientenzahlen haben, soll sich die Finanzierung ändern.

Aktionswoche „Wir leisten mehr“
Notfallversorgung rund um die Uhr wird am Tübinger Uni-Klinikum geleistet. Die Finanzierung solcher defizitärer Angebote wird für das Klinikum immer schwieriger. Bild: Metz

Eine Reform der Notfallversorgung fordert die kaufmännische Direktorin des Tübinger Uni-Klinikums, Gabriele Sonntag. Immer mehr kleinere Krankenhäuser behandelten gar keine Notfälle mehr oder melden sich am Wochenende von der Notfallversorgung ab. Einige behandelten nur noch in ausgewählten Fachdisziplinen oder in bestimmten Fällen. Dort abgewiesene Patienten kommen, als letzte Möglichkeit, an die Universitäts-Klinika, die eine Notfallversorgung rund um die Uhr und in allen Fachdisziplinen absichern. Ein von Notfallmedizinern ausgearbeitetes Positionspapier fordert eine Neuordnung der Notfallversorgung. Interdisziplinäre Notfallzentren sollen auf verschiedenen Versorgungsstufen flächendeckend eingerichtet werden. „Bislang“, so Sonntag, „ ist das alles Wildwuchs und sehr unstrukturiert.“ Diese Notfallzentren müssten über transparente und kostendeckende Budgets verfügen. Ein Gutachten der Deutschen Krankenhausgesellschaft und der Gesetzlichen Krankenkassen habe gezeigt, dass die Notfall-Zahlen an Uni-Kliniken stark gestiegen sind. An Wochenenden seien die Notaufnahmen besonders beansprucht. In diesen Zeiten seien aber auch die Personalkosten besonders hoch.

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13.11.2014, 12:00 Uhr

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