Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Vor 100 Jahren schlossen sich die Wehren Bezirksverband zusammen

Alarm mit dem Klingelknopf

Die Premiere war musikalisch ein Erfolg, das Feuerwerk ging daneben. 263 Jahre nach Georg Friedrich Händels Uraufführung in London wird die „Feuerwerksmusik“ auch in Tübingen zu einem Jubiläum gespielt: Der Kreisfeuerwehrverband Tübingen feiert sein hundertjähriges Bestehen mit dem Landespolizeiorchester.

03.05.2012
  • Christiane Hoyer

Kreis Tübingen. Zum Jubiläum gibt es zwar etliche historische Bilder, die in den Anfangsjahren des Feuerwehrverbands entstanden sind. Doch die alten Bücher und Schriften, müssen noch aufgearbeitet werden, sagt der Kreisbrandmeister Karl Hermann.

Die Ursprünge des Kreisfeuerwehrverbands Tübingen sind schriftlich dokumentiert. Der Tübinger Malermeister und Kommandant Carl Robert Haag initiierte die Gründung am 13. Januar 1911 mit der Auflage, dass bis zum 15. März 15 Feuerwehren aus dem Bezirk beitreten sollten – dazu gehörten 29 Gemeinden und die Stadt Tübingen. Rottenburg und Mössingen bildeten einen eigenen Oberamtsbezirk und gründeten ihren Verband erst elf Jahre später.

Die Stadt Tübingen hatte bereits seit 1847 ein „Pompier-Corps“ zum Löschen von Bränden. Doch die Feuerwehren in den umliegenden Gemeinden und heutigen Stadtteilen kamen erst nach und nach dazu.

Der Tübinger Feuerwehrkommandant Julius Haller (1815-1883) regte zwar die Gründung eines Verbands für Württemberg-Hohenzollern an (1863). Doch dann zogen noch einmal 48 Jahre ins Land, bis sich die 15 Feuerwehren im Oberamtsbezirk Tübingen zum Verband zusammenschlossen. Je nach Größe der Gemeinde lag der Jahresbeitrag zwischen zwei und zwanzig Mark.

Die Gründung des Feuerwehrverbands war wichtig, um eine einheitliche Struktur aufzubauen, erläutert der heutige Verbandsvorsitzende Karl Hermann. Eine soziale Absicherung für eventuelle Unfälle im Dienst zählte ebenso für die Ehrenamtlichen dazu wie eine einheitliche Ausbildung und Berufskleidung.

Eine Zeichnung aus dem Jahre 1931 dokumentiert, wie die ehemalige Uniform aussah. Sie zeigt Wilhelm Schultheiß, den Großvater des Schauspielers Walter Schultheiß, mit einem schwarzen Helm aus Leder, der durch einen roten Streifen abgesetzt ist. Ein schmaler roter Streifen ziert auch den Kragen und die Schulterklappen.

Schultheiß war Fahrer des Feuerwehr-Autos. Die Tübinger Wehr schaffte ihr erstes motorisiertes Fahrzeug mit Spritze im Jahr 1918 an. Es war von der Firma Opel gebaut, die Männer, die es bedienten, gehörten quasi zur Elite unter den Wehrleuten.

Alarm mit dem Klingelknopf
Das erste motorisierte Spritzenauto schaffte die Tübinger Wehr 1918 an, die Drehleiter wurde noch vom Pferdegespann transportiert. Das Bild zeigt den ersten Löschzug nach einer 14-tägigen Ausbildung im Mai 1927 vor dem Tübinger Rathaus.

Feueralarm wurde damals über die sogenannte „Weckerlinie“ gemeldet. In jeder größeren Gasse waren Druckknopf-Feuermelder angebracht. Wenn sie gedrückt wurden, klingelte es in der Wohnung der Wehrmänner. Feueralarm, berichtet Hermann, gab es zu Zeiten ohne Telefon und Funk über die Kirchenglocken und Signaltrompeter, später waren es die Sirenen der Rathäuser. Bis der Bauer vom Feld geholt war und seine Pferde angespannt hatte sowie die Feuerspritze angehängt wurde, verging viel Zeit. Die Rettungskette war lang und die Brände deshalb größer, erinnert Hermann an die Anfänge.

Heute sind die Feuerwehrleute bei einem Notfall innerhalb von zehn Minuten am Einsatzort. Auch wenn sich Technik und Struktur besonders seit dem Wiederaufbau des Kreisverbands seit 1950 stark verändert haben, hält Hermann den Zusammenschluss nach wie vor für wichtig. Über ihn „gewinnen wir unser Personal in den Gemeinden“, sagt er. Im Kreis Tübingen gebe es derzeit zwar noch eine konstante Zahl an Feuerwehrleuten.

Doch im Hinblick auf den demografischen Wandel stoße man beim Einsatz von ehrenamtlichen Feuerwehrkräften an Grenzen. Mit rund 440 Jugendlichen habe sich der Verband zwar rechtzeitig um die Ausbildung von Nachwuchs gekümmert. Aber am zunehmenden Einsatz von hauptamtlichen Feuerwehrkräften führt aus Sicht von Hermann kein Weg vorbei.

Auch dass sein zukünftiger Nachfolger im Hauptamt des Kreisbrandmeisters nicht mehr alle fünf Jahre gewählt wird, findet Hermann richtig – schließlich sei er als unabhängiger Brandsachverständiger auch für Baugenehmigungen zuständig und hat die Aufsicht über die Feuerwehren. „Ich bin neben dem Landrat noch der Einzige, der immer gewählt werden musste“, stellt Karl Hermann fest.

Integrierte Leitstelle bleibt im Kreis Tübingen

Derzeit gibt es im Kreis 20 hauptamtliche Wehrleute, einer von ihnen wird weiterhin in der bisherigen Zentrale am Kelternplatz seinen Arbeitsplatz haben. Die integrierte Leitstelle wird ihren Sitz beim Roten Kreuz im Steinlachwasen haben.

Um das neue Konstrukt der Leitstelle gab es im Vorfeld langwierige Diskussionen. Auch der Kreisfeuerwehrverband wurde angehört, so Hermann. Als Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbands und als hauptamtlicher Kreisbrandmeister sagt der 63-Jährige: „Die Leitstelle muss weiterhin im Kreis bleiben. Es gibt nicht viele Alternativen zum Vorschlag der Kreisverwaltung.“

Info: Das Jubiläumskonzert für geladene Gäste findet am Sonntag, 6. Mai, um 17 Uhr im Festsaal der Universität Tübingen statt. Das Landespolizeiorchester spielt unter der Leitung von Toni Scholl „feurige“ Stücke von Händel, Strauß, Shostakovich.

13. Januar 1911: Sitzung zur Gründungsinitiative des Bezirksfeuerwehrverbands Tübingen mit dem Kommandanten Carl Haag als 1. Vorsitzenden (1911-1914)
12. Februar 1922: Gründung des Bezirksfeuerwehrverbands Rottenburg mit August Glöggler als 1. Vorsitzendem (1922-1927)
1950: Gründung des Kreisfeuerwehrverbands Tübingen mit Paul Braun als 1. Vorsitzenden (1950-1960)
1960-1965: Karl Kurz (Hirrlingen)
1965-1983: Wilhelm Landenberger (Kreisbrandmeister Tübingen)
1983-1998: Fritz Dürr (Feuerwehr Lustnau, Betriebsfeuerwehr Egeria)
seit 1998: Karl Hermann, Kreisbrandmeister, seit 2003 Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbands Baden-Württemberg

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

03.05.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball