Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
"Ein ganz anderer Blickwinkel"

Albert Ostermaier hat Flucht und Flüchtlinge zum Thema des Münchner Literaturfests gemacht

Es ist schon eine Weile her, dass Albert Ostermaier Flüchtlinge zum Thema des Münchner Literaturfestes machte. Die öffentliche Debatte hat ihn eingeholt.

19.11.2015
  • BRITTA SCHULTEJANS, DPA

München Als der Autor Albert Ostermaier (47) sich entschied, Flucht und Flüchtlinge auf die Agenda des Literaturfestes München zu setzen, da hatte das Thema - in Deutschland - noch nicht die politische Dimension, die es heute hat. Inzwischen bestimmt das Thema die öffentliche Debatte seit Monaten. Und Ostermaier glaubt, dass er die Diskussion mit dem Autorenforum des Literaturfestes bereichern kann, das gestern eröffnet wurde und bis zum bis 6. Dezember geht.

Was kann das Literaturfest München der aktuellen Flüchtlings-Debatte noch hinzufügen?

ALBERT OSTERMAIER: Das Literaturfest kann eine ganz besondere Rolle in diesem Kontext spielen, weil es mit einem ganz anderen Blickwinkel auf die Situation der Flüchtlinge hinweist. Das Literaturfest gibt keine politischen Lösungen vor. Es geht darum, einfach die Schicksale, die Geschichten, die Beweggründe der Flucht sinnlich erfahrbar zu machen und diese Biografien zu übersetzen in erfahrbare Geschichten. Damit wollen wir zeigen, dass es eben keine "Flüchtlingslawine" ist, kein Naturereignis. Sondern es geht um Menschen, die Gründe haben für ihre Flucht.

Wie zeigt sich das beim Fest?

OSTERMAIER: Wir haben Autoren mit geflohenen Menschen in Verbindung gebracht, damit sie ihre Geschichten erzählen, wir haben Autoren in die Krisengebiete, an die Brandherde, an die Grenzen geschickt, die aufgeschrieben haben, was sie dort gesehen haben. Außerdem haben wir ausländische Autoren eingeladen, die uns hier in Deutschland als Krisengebiet und einen Ort mit dramatischen Veränderungen begreifen. Es gibt Poetry-Slams mit Flüchtlingen, ein Fußballspiel. Wir haben DJs aus den Krisengebieten. Wir wollen gegen diese ganzen Komposita wie Flüchtlings-Krise arbeiten und die Frage stellen, was diese Menschen mitbringen zu uns an Geschichten, Kultur und Visionen und wie wir es schaffen, dieses als Chance für unsere Kultur und als Geschenk zu begreifen. Wir wollen einfach in einen Dialog treten. Das kann die Literatur, weil sie keine Lösungen liefern muss. So ein Festival kann ganz viele Hemmschwellen, Vorurteile und Klischees abbauen. Es soll ein Fest des Kennenlernens sein.

War es leicht, Flüchtlinge zu finden, die dazu Lust haben? Nach langer Flucht und unglaublichen Strapazen steht ja möglicherweise nicht jedem der Sinn nach Literatur . . .

OSTERMAIER: Wir hatten die Unterstützung von Hilfsorganisationen. Man muss da natürlich unglaublich sensibel und vorsichtig sein. Es geht ja nicht darum, die Leute für unser Gewissen oder unser Wohlfühlen auszubeuten. Es geht darum, denjenigen, die das möchten, die Möglichkeit zu geben, ihre Geschichte zu erzählen. Wir wollen hier ein Angebot machen. Oft wird so getan, als würden Flüchtlinge in Deutschland ein Paradies vorfinden, aber es ist nie das Paradies, wenn man aus seiner Heimat vertrieben wird.

Info Albert Ostermaier (47) tritt als Kurator des Autorenforums beim Literaturfest München in die Fußstapfen von Ilija Trojanow und Thea Dorn. Ostermaier lebt und arbeitet in München. Er schreibt Gedichte, Theaterstücke und Romane. 2008 erschien sein erster Roman "Zephyr", in diesem Jahr veröffentlichte er das Buch "Lenz im Libanon".

Albert Ostermaier hat Flucht und Flüchtlinge zum Thema des Münchner Literaturfests gemacht
Albert Ostermaier wünscht sich "ein Fest des Kennenlernens". Foto: dpa

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

19.11.2015, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball