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Kommentar zum Triumph von Donald Trump

Albtraum Amerika

10.11.2016

Von Ulrich Becker

Es ist einfach und wohlfeil, in diesen Stunden mit Entrüstung auf Donald Trump zu zeigen, ihm noch einmal all seine unglaublichen Verfehlungen und Beleidigungen vorzuhalten, um dann verwundert zu fragen: Wie konnte das passieren?

Die Frage ist die richtige – die Antwort ist aber vielschichtiger als der Verweis auf einen großspurigen Sprücheklopfer, der mit einfachen Parolen enttäuschte, meist weiße Amerikaner dazu verführte, ihn zu wählen. Donald Trumps Triumph legt in schonungsloser Weise unsere eigenen Defizite bloß. Er verändert und spaltet nicht nur die amerikanische Nation, er ist zugleich Fanal für das kriselnde Europa – und damit auch für Deutschland.

Die Demokratien in weiten Teilen der Welt befinden sich in einer beispiellosen Vertrauens- und Legitimationskrise. Aufgeblähte Bürokratie- und Lobbyapparate wie in Washington oder Brüssel entfernen sich immer weiter von der Realität der Menschen, über deren Leben sie entscheiden. Statt Teilhabe am politischen Prozess bleibt gerade den sozial Benachteiligten oft nur Resignation. Das Vertrauen, demokratisch geführte Staaten könnten das eigene Leben verbessern oder Lösungen für drängende Probleme finden, ist in diesen Teilen der Bevölkerung zum allergrößten Teil verschwunden. Stattdessen bricht sich die Wut auf das Establishment Bahn.

Genau in diese Lücke ist Donald Trump in geradezu diabolischer Weise gestoßen. Mit seinen Tabubrüchen und einfachen Erfolgsversprechen hat er den Verstummten eine Stimme gegeben. Und jeder hämische Kommentar, jede beleidigende Äußerung durch den politischen Gegner und die Medien machte Trump stärker. Mehr noch: Als von den Eliten Geächteter wurde er, der Milliardär, in den Augen seiner Fans selbst zum Benachteiligten, zum Verlierer, zum Außenseiter.

Jetzt wird Trump US-Präsident – vor wenigen Wochen noch unvorstellbar. Sein banales Erfolgsrezept könnte Vorbild werden für die Rechtspopulisten Europas. Der amerikanische Traum: Für viele ist er nur noch ein Albtraum.

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Erstellt:
10. November 2016, 08:13 Uhr
Aktualisiert:
10. November 2016, 08:13 Uhr
zuletzt aktualisiert: 10. November 2016, 08:13 Uhr

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