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Leitartikel

Aleppo und die Folgen

Aleppo symbolisiert das Versagen der Vereinten Nationen. Alle Bemühungen in der Uno, die Schlacht um die Stadt zu beenden, scheiterten. Sie scheiterten genauso wie die jahrelangen Anstrengungen der Weltorganisation, in ganz Syrien das Töten zu stoppen.

20.12.2016
  • JAN DIRK HERBERMANN

Die Uno kann ihrer Rolle als der globaler Instanz zur Lösung von bewaffneten Konflikten nicht gerecht werden. Genau mit diesem Anspruch aber trat der Staatenbund nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges an. Zwar erschütterten seit 1945 Dutzende von Kriegen mit Abermillionen Opfern die Welt. Wenige Konflikte aber wurden mit einer so gnadenlosen Brutalität, mit so einer unfassbaren Verachtung für das Leben an sich geführt wie der seit 2011 tobende Bürgerkrieg in Syrien.

Aleppo und Syrien sind auch eine Schande für die Vereinten Nationen. Eine Schande mit Folgen: Ansehen und Autorität sind schwer beschädigt. Die am Montag beschlossene Entsendung von Beobachtern nach Aleppo kann die katastrophale Bilanz der Uno kaum verbessern.

Als Folge von Syrien droht unter den Staaten das Recht des Stärkeren noch dominanter zu werden. Gewalt und nicht Diplomatie könnten mehr und mehr den Ausgang von Konflikten bestimmen. Eine Welt im Krieg als Normalzustand.

Um dieses Szenario zu verhindern, muss sich die Uno erholen. Das wird lange dauern – wenn es überhaupt gelingt. Eine zentrale Rolle bei einem Genesungsprozess wird der neue Generalsekretär António Guterres spielen, der am 1. Januar sein schweres Amt antritt. Der frühere Premierminister Portugals und ehemalige UN-Hochkommissar für Flüchtlinge wird aber nicht über eigentliche politische Macht verfügen. Die stärkste Waffe des Generalsekretärs bleiben Worte und Überzeugungskraft.

Trotzdem: Guterres ist der richtige Mann für die fast ausweglos erscheinende Lage. Ein global verdrahteter, polyglotter Staatsmann, der auf internationale Kooperation setzt. Guterres ist kein Träumer, er ist Realist. Er ist einer, der auch gegenüber den großen Mitgliedern der Uno Tacheles redet. Und er muss derjenige sein, der die Lösung des Syrien-Kriegs endlich zur uneingeschränkten Chefsache des Generalsekretärs macht. Er darf diese Schlüsselaufgabe nicht mehr nur einem Sondergesandten überlassen.

Guterres sollte sein gesamtes persönliches und diplomatisches Gewicht in die Waagschale werfen, damit das unsägliche Leiden in Syrien beendet wird. Er, der den Syrien-Konflikt als ehemaliger Flüchtlings-Manager wie kaum ein anderer kennt, muss zumal versuchen, die Russen zum Einlenken zu bringen.

Das ist natürlich ein großes Risiko für Guterres. Die Gefahr des Scheiterns ist groß. Er könnte am Ende mit leeren Händen dastehen – genau wie sein unglücklicher Vorgänger Ban Ki Moon. Doch schon der ernsthafte Versuch des neuen Generalsekretärs könnte den Millionen Opfern neue Hoffnung geben. Zudem wäre es eine Chance für die Vereinten Nationen, die Schande hinter sich zu lassen.

leitartikel@swp.de

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20.12.2016, 06:00 Uhr

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