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Er kam als Zivi und blieb

Alex Harscher leitet KBF-Freizeiten

Er ist erst 50 Jahre alt und schon der dienstälteste Freizeitleiter weit und breit. Alexander Harscher aus Mössingen war 50 Mal dabei, wenn von der KBF aus ein Freizeit-Konvoi startete.

05.10.2012
  • Jürgen Jonas

Mössingen. Manche liegen faul am Strand und lassen sich braten, andere stiefeln zum Gipfelkreuz oder unternehmen Kreuzfahrten. Alexander Harscher aus Mössingen leitet Freizeiten. Geboren ist er vor 50 Jahren in Feldstetten, das Abitur hat er am Mössinger Aufbaugymnasium gemacht, das er seit 1977 besuchte. Um anschließend seinen Zivildienst bei der Körperbehindertenförderung Neckar-Alb (KBF) abzuleisten. In Tübingen hat er danach Physik studiert und eine Doktorarbeit vorgelegt. Arbeitet in der Industrie, hat „30 Tage Urlaub, ganz normal“. Die verbringt er auf Freizeiten, wie sie von der KBF seit Jahrzehnten angeboten werden, für Behinderte und Nichtbehinderte, für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Seit 1979, damals vom Psychologen Winfried Ruloff ins Leben gerufen.

Kontinuierlich hat sich die Freizeiten-Bewegung erweitert. Elf sind es im Sommer, die jeweils zwei Wochen dauern, im Winter sechs, Dauer zehn Tage. Dieses Jahr waren im Sommer insgesamt 440 Personen gemeinsam unterwegs und legten mit 88 Fahrzeugen über 65 000 Kilometer zurück, weiß Annette Blunck, im Haus für Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Ein Umzugskonvoi, mit Materialbus für Gerätschaften und Hilfsmittel.

Seit dem Zivildienst hat Harscher sein Herz an die Behindertenarbeit gehängt. Harscher ist gesetzlicher Betreuer eines jungen Mannes, der in Dettingen im Bruderhaus lebt. Kennengelernt haben sie sich natürlich auf einer Freizeit. Der Zivildienst gilt bis heute in der Einrichtung als „der Klassiker des Einstiegs in die Arbeit mit Behinderten“. Harscher erinnert sich an die erste Freizeit, bei der er als Betreuer mitfuhr. Es ging, 1983 war das, in die Schweiz, nach Wallisellen, in ein Pfadfinderheim. Eine steile Holztreppe führte zu den Schlafräumen, sie konnte zugeklappt werden, mit einer Art Seilwinde wurden die Rollstühle nach oben gezogen. Heute undenkbar. Im Sommer war Harscher mit einer Gruppe in Wartaweil, im Alpenvorland, am Ammersee, unterhalb vom Kloster Andechs. Schon zum dritten Mal. Ein Schullandheim, das der Landesverband der Körper- und Mehrfachbehinderten führt. „Bestens geeignet“, perfekt barrierefrei. Alpen zum Greifen nah, Badevergnügen, Park am Haus, München-Besuch. Wieder ein Erlebnis für Harscher, seine Leiterkollegin Monika Demar und alle Teilnehmer, von denen einige Bewohner der Einrichtung schon „Freizeit-Stammgäste“ sind. Behinderte Kinder kriegen Aufenthalte in der Ferne vielfach leichter hin, weil sie oft von Anfang an gewöhnt sind, dass fremde Menschen ihnen zur Hand gehen. Die Freizeiten sind oft von großem Vorteil für die Eltern, denen es ermöglicht wird, selbst Urlaub zu machen. Gar nicht so einfach ist es manchmal allerdings, Betreuer in genügender Zahl zu finden. Werbung ist da schon nötig. Alle sind entweder Ehrenamtliche, junge FSJler oder Praktikanten von der Erzieherfachschule, die Kost und Logis frei haben.

Es gibt natürlich Vortreffen, zum Kennenlernen und Beschnuppern, ob die Kombinationen passen. Wenn man ein gutes Team hat, das sich aufeinander verlassen kann, „läuft alles fast wie von selbst“, sagt Harscher, wobei körperliche und geistige Anstrengung inbegriffen sind. „Fertig, aber gut entspannt“ kommt man nach Hause. „Es macht ganz einfach Spaß“, und das Wort, das so leichtfertig allem möglichen übergestülpt wird, bekommt da einen sehr umfassenden Sinn. Kaum zu sagen, „wieviel man lernen kann“. Freizeiten können übrigens auch beziehungsstiftend sein.

In der Winterfreizeit leitet Harscher die Reise nach, „wieder mal“, Berchtesgaden. Kunsteisbahn mit Rodelschlitten steht bei dem Ausflug unter anderem auf dem Programm. „Nicht alles geht immer für alle.“

Es gab besondere Sachen, mit einer Gruppe ist er in einer Antonow geflogen, in Bad Wörrishofen. Aber „eigentlich ist das Besondere der Umgang mit den Leuten.“ Die Chance für alle, dem „alltäglichen Trott“ zu entkommen. Es kommen, ob behindert oder nichtbehindert, „zufriedene Leute“ zurück. Harscher jedenfalls will als Leiter mitmachen, „solange ich kann und darf“. Denn „man lernt, die Welt mit anderen Augen zu sehen“.

Alex Harscher leitet KBF-Freizeiten
Alex Harscher (im grauen T-Shirt) mit Thomas Maerkle. Privatbild

Wie andere Träger auch ist die Mössinger KBF auf Ehrenamtliche angewiesen. Sie begründet das mit den „sozialpolitischen Veränderungen in den letzten Jahren“. Die Ehrenamtlichen bei der KBF sollen Zuwendung geben, die Klienten aktivieren und ihnen mehr Möglichkeiten eröffnen, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Freiwillige können bei der KBF an Projekten mitarbeiten, Begleit-Dienste oder Assistenz-Dienste sowie bestimmte Patenschaften übernehmen. Sie werden qualifiziert in ihre Aufgaben eingeführt und dabei begleitet, nehmen an Schulungen teil und bekommen einen Nachweis für ihr Engagement. Wer Lust hat, mitzumachen, kann sich bei Maximilian Pupeter telefonisch melden unter 0 74 73/ 37 74 70 oder per Email unter pupeter@kbf.de.

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05.10.2012, 12:00 Uhr

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