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Schwarzer Humor, Pointenjagd

Alexander Marusch inszeniert „Arsen und Spitzenhäubchen“

Mit der Krimikomödie „Arsen und Spitzenhäubchen“ von Joseph Kesselring hat am morgigen Freitag um 20 Uhr ein Klassiker des Genres Premiere am LTT. Mit Regisseur Alexander Marusch sprach Dramaturg Lars Helmer.

19.11.2015
  • ST

Lars Helmer: Warum morden Tante Abby und Tante Martha?

Alexander Marusch: Aus Nächstenliebe. Sie haben ein Zimmer in ihrem schönen, großen, knallbunten Haus zu vermieten und erleben, wie ein Bewerber an einem Herzinfarkt stirbt. Weil er danach aber glücklicher scheint als vorher, glauben die Damen, dass es ein barmherziger Akt sei, bei einsamen und dadurch womöglich unglücklichen Männern ein wenig nachzuhelfen. Tante Abby und Tante Martha halten das für ihre gesellschaftliche Aufgabe. Es ist fast eine Form von Sterbehilfe – ohne gewerbsmäßige Nutzung natürlich.

Aber die zwei Tanten sind nicht die einzigen mörderischen Gesellen!

Es gibt tatsächlich auch noch eine gewerbsmäßige Mördergeschichte. Und weil es eine Komödie ist, entsteht fast so etwas wie eine sportliche Konkurrenz. Jonathan, das ist einer der Neffen der beiden Tanten und sein Partner und Faktotum Dr. Einstein werden in mehreren Staaten wegen diverser Morde gesucht und finden nun Unterschlupf in dem Haus, wo Jonathan aufgewachsen ist. Außerdem wohnt sein Bruder Teddy dort, der eine ausgebildete Schizophrenie hat. Er hält sich für Präsident Rossevelt. Dritter Neffe im Bunde ist Mortimer. Er hat den perversesten Beruf von allen: Er ist Theaterkritiker! (lacht) Und beschwert sich: „Die Leute sagen immer, die Theaterkritiker ruinieren das Theater. Es sind die Autoren, die dem Theater den Todesstoß versetzen!“ Das ist auch der Spaß an dem Stück, dass es kleine Spitzen gegen das Theater gibt.

Die Tanten gehen somit sehr sorgfältig mit ihren Opfern um?

Ja, das gebietet die Pietät. Sie fragen nach der Konfession ihrer Opfer und halten eine entsprechende Trauerfeier ab da unten am „Panamakanal“, und jeden Sonntag stellen sie Blumen auf zwölf Gräber. Wie gesagt: Nächstenliebe.

Das Ganze wirkt sehr sarkastisch, sehr morbide. Gibt es denn auch eine Liebesgeschichte?

Natürlich! Der etwas steife, biedere Mortimer ist in die Pfarrerstochter Elaine verliebt. Allerdings gibt es einen Haken: Mortimer kommt darauf, dass er Elaine nicht heiraten kann, weil er sich im Hinblick auf seine verrückten Brüder und Tanten für familiär vorbelastet hält.

Der Autor Joseph Kesselring hat das Stück ursprünglich als Drama geschrieben und erst später zur Komödie umgebaut. Wie komisch ist das Drama oder wie dramatisch ist die Komödie?

Naja, ein paar Damen, die in schöner Regelmäßigkeit Leute umbringen. . . Das Thema ist dramatisch, aber schauen Sie sich das Personal an: Die beiden Tanten sind typische Kümmerer, kochen Kaffee, backen Kuchen, bieten Schmorbraten an, versorgen die Polizei mit heißer Suppe, sie sind die Gutherzigkeit in Person. Sie haben eben nur diesen winzig kleinen Spleen, dass in ihrem Keller zwölf Männerleichen verbuddelt sind. Die komischen, knappen amerikanischen Dialoge zwischen tragischer Grundlage und irrwitziger Situation, das ist eben der Schlüssel für die Spielweise. Keine übertriebene Figurenpsychologie, sondern Handwerk, Timing, Rhythmus, die Jagd auf die Pointe ist eröffnet.

Eine total verrückte Familie: Die beiden liebenswürdigen Schwestern Abby und Martha Brewster vergiften in schöner Regelmäßigkeit einsame Herren, die bei ihnen Unterkunft suchen, mit einem Glas Holunderwein und einer Prise Arsen. Ihr Neffe Teddy, der sich für Theodor Roosevelt hält, begräbt im Keller die Leichen. Alles läuft glatt, bis ihr Neffe Mortimer dem mörderischen Treiben seiner Tanten auf die Schliche kommt. Als auch noch der dritte Neffe, Jonathan, ein polizeilich gesuchter Serienkiller, auftaucht, eskalieren die Ereignisse.
Joseph Kesselrings wahnwitzige Kriminalkomödie – verfilmt 1944 mit Cary Grant als Mortimer– gilt als Meisterwerk des schwarzen Humors.

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19.11.2015, 12:00 Uhr

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