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Die Kuchen bleiben geheim

Alexandra Piepers „K’ffeehaus“ in "K'furt"

Im eigenen Café zu arbeiten, ist viel schöner als ein Job bei der Luftfracht, sagt Alexandra Pieper. Den Arbeitsplatz hat sie sich selbst geschaffen.

07.10.2012
  • Mario Beisswenger

Kirchentellinsfurt. „Schöne Cafés gibt es ja ganz selten“, sagt die Frau aus Sickenhausen und lobt den Mascarpone-Heidelbeer-Kuchen. Alexandra Pieper schaut zufrieden zu ihrer Neukundin rüber, die gerade mit ihrer Freundin herspaziert ist, um das K’ffeehaus auszuprobieren. Ende Juni hatte Pieper ihr Café eröffnet. Die Resonanz im Ort, wo man das „K’furt“ nicht gerne hört, sei beim K’ffeehaus gut, sagt die 38-Jährige.

Bis es soweit war, dass die Kundschaft nun ihren Kuchen essen kann, brauchte es drei, vier Jahre Vorlauf, erzählt Pieper. Sie sparte einen nicht ganz kleinen fünfstelligen Betrag zusammen, sie sammelte langsam Einrichtungsgegenstände vom Flohmarkt und der Verwandtschaft. „Es braucht, bis man die Dinge hat, die einem gefallen.“ Resultat der Sammelleidenschaft: „Ein Jahr konnte ich nicht in der Garage parken, weil ich da alles gerammelt voll hatte.“ Ihre Familie investierte inzwischen im Rahmen der Ortskernsanierung ins frühere Schuhmacher-Haus am Plon, das sie von der Gemeinde gekauft hatten und komplett entkernten.

Panik in den ersten beiden Wochen

Jetzt freut sie sich, dass ihr Laden läuft und gut ankommt. Die gelernte Hotelfachfrau hat ihre Tagesziele aus dem Business-Plan bisher nur an drei Tagen nicht erreicht. Sie hat zwar ihre Ausbildung und kellnerte zuvor schon bei ihren Eltern im Nehrener Sportheim, lange Jahre arbeitete sie aber beim Stuttgarter Flughafen bei einem Luftfracht-Unternehmen. Die Unternehmenskultur dort behagte ihr aber nicht mehr. Mit einer Freundin begann sie sich umzuschauen, wo man nebenher ein Café aufbauen könnte.

Wenn die Branche wechseln, dann richtig, entschied sie und baute sich das eigene Café. Die ersten 14 Tage, so gesteht sie, hatte sie dann Panik, als sie allein im Laden stand. Sie holte sich schnell Bekannte dazu, ihre Mutter Christel Kurz half mit. Inzwischen schätzt sie die Arbeit in Kirchentellinsfurt – unter anderem wegen der Kinderbetreuung: „Das lässt sich besser managen als mit einem Job am Flughafen.“

Besonderen Wert legt Pieper darauf, möglichst viel selber zu machen. „Kuchen können wir schon gut.“ Einer der Renner sei ihre Schoko-Tarte. Das Rezept verrät sie selbstverständlich nicht. Pieper bekommt Bestätigung von Regine Büttner. „Ich mag Cafés mit guten Kuchen“, sagt die Wannweilerin, die zum Kaffeetrinken hergefahren ist. Thomas Albrecht neben ihr auf dem Sofa gefällt besonders die Einrichtung. „Wir mögen den gleichen Stil.“

Wenn Pieper ein Problem mit der Kundschaft hat, dann höchstens weil sie manchmal geballt kommt. Mal kommt die Gymnastik-Gruppe zum Frühstück, mal der Albverein zum Kaffeetrinken. Beim Mittagstisch kann es auch mal hektisch werden. In nächster Zukunft könnte auch mal der Kirchenchor kommen. Alexandra Pieper weiß, dass Gerda Sterk, die zuletzt im Haus wohnte, nach ihrem Tod dem Chor etwas vermachte. Auflage sei, dass er mit dem Geld einmal im Jahr Essen geht. Ins zum K’ffeehaus gewandelte Schuhmacherhaus wäre da passend.

Wie sie ihre Kekse macht und ihre Kuchen bäckt, verrät Alexandra Pieper nicht. Aber die Zutaten für eine erfolgreiche Gastronomie lassen sich ablesen. Sie arrangierte sich mit der Pizzeria nebenan. „Ich ess bei ihnen Spaghetti, sie kommen zu mir wegen der Spätzle.“ Weil sich der Dienstag als schwacher Tag herausstellte, wird sie an dem Wochentag ab übernächster Woche zu haben. Auch dabei nahm sie Rücksicht auf den Ruhetag beim Kollegen.

Durch die Schokolade durchprobiert

Ihren Geschäftsplan habe sie sehr vorsichtig kalkuliert und sich dann umso mehr gefreut über Tage, an denen viel in der Kasse ist. Wichtig ist Pieper, dass alles, von der Limonade (aus Hamburg) bis zu den Schokolade-Sorten („Ich hab mich durch alle Schokoladen gegessen“), sorgfältig ausgesucht ist.

„Weil ich nicht nur backen will“, macht Pieper nun übers Winterhalbjahr auch ein Veranstaltungsprogramm; sie denkt da zum Beispiel an Lesungen.

Alexandra Piepers „K’ffeehaus“ in "K'furt"
Das Sofa ist aus Frankreich, das Tischchen selber aufgemöbelt. Die Kirchentellinsfurterin Alexandra Pieper auf ihrem Lieblingsplatz im eigenen Café.

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07.10.2012, 12:00 Uhr

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