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Aus Rücksicht auf die Familien

Alice Cooper lässt in Seebronn viel von seiner Horrorshow im Koffer

Alice Cooper tritt am Samstag, 28. Juli, beim Seebronner Rock-of-Ages-Festival auf, will aus Rücksicht auf die Familien aber seine Guillotine, die er sonst auf der Bühne dabei hat, zu Hause lassen. Mit dem TAGBLATT sprach er über sein Bösewicht-Image und seine Zeit als Alkoholiker.

28.06.2012
  • Martin Zimmermann

SCHWÄBISCHES TAGBLATT: Auf der Bühne sind Sie der Bösewicht und im Privatleben geben sie Bibelunterricht und engagieren sich für benachteiligte Kinder. Wie passt das zusammen?

Alice Cooper lässt in Seebronn viel von seiner Horrorshow im Koffer
Alice Cooper: „Es macht immer noch Spaß, auf der Bühne der Böse zu sein.“

ALICE COOPER: Auf der Bühne spiele ich eine Rolle, wie ein Schauspieler. Die Leute denken immer Leute wie ich, Ozzy Osbourne und Marylin Manson würden Fledermäuse frühstücken. Die meisten Rockstars sind privat ganz normale Menschen, die ins Kino gehen und eine Familie haben. Nur unsere Arbeit ist glamouröser. Es macht mir aber immer noch verdammt Spaß mich zu schminken, raus auf die Bühne zu gehen und für zwei Stunden der böse Alice Cooper zu sein.

Steht auf Ihrem Führerschein Alice Cooper oder ihr Geburtsname Vincent Furnier?

Ich habe den Namen offiziell angenommen. Die Polizisten in meiner Heimatstadt kennen mich und sagen „Hi Alice“ oder „Hi Coop“ zu mir. Die wissen, dass ich nur auf der Bühne böse bin.

Erzählen Sie mir die Wahrheit über den Hühner-Vorfall 1969. Haben Sie damals wirklich auf der Bühne ein Huhn getötet?

Ob Sie es glauben oder nicht: Es war ein Unfall. Jemand warf während des Konzerts ein lebendiges Huhn auf die Bühne. Ich warf es ins Publikum zurück, weil ich angenommen habe, es könne fliegen, oder jemand würde es mit nach Hause nehmen. Aber das Publikum hat es totgetrampelt und in Stücke gerissen. Ich kann noch so oft erzählen, dass es ein Unfall war, aber die Leute glauben, was sie glauben wollen, wenn man dieses Image hat.

Waren Sie nie in der Gefahr beide Persönlichkeiten zu vermischen?

Die Gefahr gab es als ich getrunken habe und Alkoholiker war. Da wusste ich nicht mehr wann die Show aufhört. Es ist schlimm, wenn man damit nicht aufhören kann. Einige befreundete Rockstars wie Keith Moon von The Who konnten ’auf‘ der Bühne nicht von ‚neben‘ der Bühne trennen. Sie haben ihm gesagt „Die Show ist vorbei“. Aber er hat nicht aufgehört.

Sie haben als trockener Alkoholiker anderen Rockstars geholfen, mit dem Trinken aufzuhören? Wie kann man einem trinkenden Freund helfen?

Ich kann nur jemandem helfen, der zu mir kommt und sagt: „Ich habe ein Alkoholproblem. Hilf mir.“ Das ist der erste Schritt. Wenn ich zu einem Freund sage: Hör mit dem Trinken auf, dann bin ich nur der Oberlehrer.

Wer hat Ihnen geholfen, mit dem Trinken aufzuhören?

Mein Arzt hat mir gesagt: Wenn du weiterhin trinkst, endest du wie deine Freunde Jimi Hendrix und Jim Morrison. Oder du kannst aufhören und noch jede Menge tolle Platten aufnehmen.

Sie stammen aus einer Pfarrersfamilie. Was haben Ihre Eltern gesagt, als sie Ihre blutige und makabre Show zum ersten Mal gesehen haben?

Meine Eltern haben mich beide von Anfang an unterstützt. Mein Vater hat meinen Humor verstanden und kapiert, dass es nicht antichristlich und nur eine Show ist. Denn wo es Gott gibt, da muss es auch das Böse geben.

Wie war es mit Ihren Kindern. Wann durften die zum ersten Mal die Show sehen?

Meine Kinder sind hinter der Bühne geboren und aufgewachsen. Sie haben gesehen, dass die Boa mir nichts tut und wie der Trick bei der Guillotine funktioniert. Meine Tochter hat später in der Show die Rolle meiner Frau – mit der ich seit 36 Jahren verheiratet bin – als Schwarze Witwe übernommen. Inzwischen ist sie nicht mehr dabei, weil sie in Hollywood als Schauspielerin erfolgreich ist. Sie hat eine Show als Stand-up Comedian und hat in 5 oder 6 Filmen mitgespielt.

Nochmal zur Guillotine. Ist das denn nicht gefährlich?

Für Sie wäre es mit Sicherheit gefährlich, weil Sie den Trick nicht kennen und nicht geübt sind. Es ist eine 40 Pfund schwere Klinge. Ich habe mich von Stuntman aus Hollywood trainieren lassen.

Noch eine letzte Frage: Wie weit wäre Alice Cooper bei „Deutschland sucht den Superstar“ gekommen?

Ich habe schon einmal zu Ozzy Osbourne gesagt: Wir beide hätten dort nicht einmal die erste Runde überstanden. Ich bin kein Fan dieser Casting-Shows, weil ihnen die Kreativität fehlt. Sie suchen immer den gleichen Typ und finden deshalb auch nie den Superstar.

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28.06.2012, 12:00 Uhr

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