Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Alkohol sucht
neue Absatzmärkte
Ralf Löhle, Junior-Chef des Winzerhofs Löhle in Meersburg, wirft den Brennofen an. An ihm zeigt er Besuchergruppen, wie Destillate entstehen. Foto: Walheim Petra
Gesetz

Alkohol sucht neue Absatzmärkte

In einem Jahr läuft das Branntwein-Monopol aus. Auch die Kleinbrenner im Land müssen ihre Destillate dann selbst vermarkten. Dabei ist Kreativität gefragt.

10.01.2017
  • PETRA WALHEIM

Meersburg. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Kleinbrenner, die auch noch in einem Jahr ihre Destillate brennen und vermarkten möchten, müssen sich etwas einfallen lassen. Denn am Ende dieses Jahres fällt das Branntwein-Monopol – und mit ihm die Sicherheit, Alkohol zu gesetzlich garantierten Preisen an die Bundesmonopolverwaltung für Branntwein abgeben zu können. Für die Kleinbrenner versiegt damit eine sichere und kalkulierbare Einnahmequelle. Da es in anderen EU-Ländern eine derartige staatliche Beihilfe nicht gibt, hat die EU bestimmt, dass das Monopol fallen muss. Damit wird der Wettbewerb gerechter, aber auch schärfer. Viele Brenner werden auf der Strecke bleiben. In diesem Wettbewerb können nur die bestehen, die hochwertige Brände produzieren und sie erfolgreich vermarkten. Die Frage ist wie? Die Suche nach Marktnischen hat bereits begonnen.

In eine ist der Bäckerinnungsverband Baden gestoßen. Verbandsmitglieder haben den Schwarzwälder Kirschstollen kreiert, in dem nur Schwarzwälder Kirschwasser von bester Qualität verarbeitet werden darf. Da der Stollen das ganze Jahr über angeboten wird, brauchen die Bäcker ständig Nachschub. Die Brenner sind gefordert.

Nachschub fordern auch viele Stammkunden von Hofläden. Die Direktvermarktung der Destillate setzt jedoch höchste Qualität voraus. Darauf haben sich Ralf Löhle und sein Vater Hermann vom Winzerhof Löhle in Meersburg am Bodensee spezialisiert. Sie verwerten das Obst von ihren Streuobstwiesen mit alten Sorten, um daraus qualitativ hochwertige Brände herzustellen. Der Wegfall des Branntwein-Monopols bereitet ihnen keine Sorgen. „Wir haben für den Wegfall des Brannwein-Monopols gut vorgesorgt. Wir sind gut aufgestellt“, sagt Ralf Löhle. Er ist Winzermeister und absolviert gerade die Ausbildung zur staatlich geprüften Fachkraft für Brennereiwesen. Zusätzlich macht er sich im Marketing fit. Sein Können, zum Beispiel aus Äpfeln, Birnen und Mirabellen aromatische Schnäpse herzustellen, hat er immer weiter verfeinert. Inzwischen räumt er mit seinen Produkten regelmäßig Preise ab.

Er hat damit bereits umgesetzt, was die CDU-Bundestagsabgeordnete Kordula Kovac aus dem Ortenaukreis den Brennern empfiehlt. Sie vertritt in Berlin die Region Südbaden und ist Mitglied im Ausschuss für Landwirtschaft und Ernährung. Darin kämpft sie auch für die 8000 Klein- und Obstbrennereien, die es allein im Ortenaukreis gibt. Dort herrscht die größte Dichte an Kleinbrennern, gefolgt vom Bodenseekreis. In Baden-Württemberg gibt es 18 000 Kleinbrennereien, davon sind 11 000 in Baden. Ein Grund dafür sind die Streuobstwiesen mit alten Obstsorten, die es in diesen Regionen häufig noch gibt.

Um auch ohne Branntwein-Monopol überleben zu können, rät Kordula Kovac den Brennern unter anderem zur Selbstvermarktung. Dafür müsse „ein auf ihren Betrieb individuell zugeschnittenes Marketingkonzept“ erstellt werden. Unabdingbar seien ein Hofladen und Hoffeste, wie sie zum Beispiel in Nesselried bei Appenweier seit 2006 unter dem Motto „Nesselried brennt“ stattfinden und überregional bekannt sind. Auch die Internet-Präsenz sei wichtig, ebenso wie Fortbildungen und die ansprechende Präsentation der Produkte.

Ralf Löhle bietet für Gruppen zusätzlich das Schau-Brennen an. Dafür hat er 2010 im Winzerhof eine Schaubrennerei eröffnet, die nach seiner Auskunft von 25 Gruppen pro Jahr besucht wird. „Das ist genial, den Leuten die Herstellung des Produkts zu zeigen“, sagte Landwirtschaftsminister Peter Hauk im Oktober bei der Eröffnung der Brennsaison.

Die Vermarktung von minderwertigerem Alkohol, der beim Brennvorgang ebenfalls entsteht und der bisher als Agraralkohol an die Bundesmonopolverwaltung abgegeben werden konnte, kann aus Sicht von Kordula Kovac nur gelingen, wenn sich Kleinbrenner „zu einer Erzeugerorganisation für Agraralkohol oder einer Genossenschaft zusammenschließen“. Als Beispiel dafür nennt sie die „Alde Gott Edelbrand Schwarzwald e.G“, eine Genossenschaft, die die Obstbrände ihrer 350 Mitglieder bundesweit unter einer Marke vermarktet. Nach ihrem Wissen ist das bundesweit die einzige Edelbrand-Genossenschaft.

Trotz vieler möglicher Strategien ist zu befürchten, dass viele Kleinbrenner aufgeben, weil sich das Brennen für sie nicht mehr lohnt. Das allerdings wird ein Problem weiter verschärfen, auf das Naturschützer seit Jahren hinweisen: das Aussterben der Streuobstwiesen. Wenn die Landwirte für das Obst der Streuobstwiesen keine Verwendung mehr haben, werden sie die Bäume mit den alten Sorten fällen.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

10.01.2017, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball