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Mössingen kriegt Mensa

Alle Schulen an einem Tisch

Ein Schock für alle kurz vor dem gestrigen Spatenstich: Der Bauleiter erlitt einen Herzanfall und musste mit dem Rettungswagen in die Klinik. Im Mössinger Schulzentrum gab es deshalb nur eine kleine Feier zum Neubaustart des „ISG“ mit Mensa.

13.07.2012
  • Ernst Bauer

Mössingen. Das neue, so genannte „Integrierte Schulgebäude“ wird knapp zehn Millionen Euro kosten und – mitten auf dem grünen Hügel vor der Flattich-Schule – zwischen Friedrich-List-Realschule und Gottlieb-Rühle-Schule bis 2014 in die Schullandschaft „gepflanzt“ (siehe auch Kasten unten). Der marode Bau der Flattich-Schule wird abgerissen. Im Neubau sind Mensa, neue Flattich-Schule und Ganztagsbetreuung künftig integriert.

Betretene Mienen gestern Vormittag auf dem Pausenhof der Rühle-Schule: Der Hausmeister habe gleich Erste Hilfe geleistet, berichtete OB Michael Bulander den versammelten Stadträten, Verwaltungsleuten und Gästen – als völlig überraschend der Oberbauleiter der Firma Brodbeck, der gerade den Bagger für den ersten Spatenstich einweisen wollte, zusammengebrochen war. Bulander sandte Genesungswünsche in die Intensivstation nach Tübingen, wo der Bauleiter nach notärztlicher Behandlung gleich hingebracht worden war.

Beim „Spatenstich in kleiner Runde“, zu dem der OB nach dem Zwischenfall lud, erinnerte er an die lange Vorgeschichte dieses Großprojekts im Schulzentrum, die langwierige Planungsgeschichte – es hatte einiges gebraucht, bis sich der Gemeinderat schließlich dazu durchgerungen hatte, das 9,74-Millionen-Projekt anzupacken. Bereits 2008 hatte man europaweit den Architektenwettbewerb ausgeschrieben, dann war erst mal Sendepause. Kein Geld da. Knapper Haushalt.

Zuschüsse: Es darf noch gerne etwas mehr sein

Aber 2010 wurde die Planung wieder aufgenommen. Ende September 2011 fiel der Baubeschluss für das Gebäude, das schon wegen der maroden Flattich-Schule, aber auch wegen der Mensa – bisher gibt es nur eine an der Bästenhardtschule – und der Räume für die Ganztagsbetreuung laut Bulander „dringend notwendig“ ist. Hier entstehe ein moderner Funktionsbau, der das ganze Schulzentrum attraktiver mache. „Wir können stolz sein auf das schulische Angebot in unserer Stadt“, so Bulander. Er warb schon mal um Verständnis wegen des Baulärms auf der schulischen Großbaustelle: „Dass die kommenden Monate nicht völlig lautlos über die Bühne gehen können, ist klar.“ Und hoffte auf weitere Fördermittel, denn sonst sei das Millionen-Projekt „keinesfalls von der Stadt zu stemmen“.

900 000 Euro als Zuschuss für den Ganztagsbetrieb und 400 000 Euro aus dem Ausgleichsstock sind Mössingen schon einmal sicher, bestätigte Regierungspräsident Hermann Strampfer, der das Projekt als wegweisend lobte: Mensa mit 300 Plätzen, neue Förderschule, Funktionsräume, Räume für Ganztagsbetreuung, Lehrerzimmer, Lernwerkstatt – hier bekomme man alles unter ein Dach.

Und die Mensa werde alle Schularten „an einen Tisch bringen“. Heutzutage würden Schüler und Lehrer ja große Teile ihres Alltags in der Schule verbringen. Dazu brauche man „eine freundliche, aber auch stimulierende Umgebung“ – außerdem, „was manches Elternhaus längst nicht mehr bietet“, die Begegnung mit anderen, die Begegnung mit Regeln. Das Raumprogramm zeige, dass hier eine „Schule für die neue Zeit und neue Bedürfnislage“ gebaut werde.

Ob sie am Ende tatsächlich barrierefrei ist, war für Stadtrat Willi Rudolf, den Behindertenbeauftragten des Landkreises, noch eine ganz andere Frage: „Kontrollieren!“, forderte er, bevor es ans kalte Buffet ging, das Schülerinnen lecker zu- und vorbereitet hatten. Architekt Ingolf Kanzler lobte die gute Zusammenarbeit mit der Stadt und freute sich, dass sein Entwurf „1:1 umgesetzt wird“.

Alle Schulen an einem Tisch
Links auf der grünen Wiese und auf dem Parkplatz hinten wird das neue integrierte Schulgebäude entstehen. Rechts Oberbürgermeister Michael Bulander am Rednerpult vor der Pausenhalle der Gottlieb-Rühle-Schule, mit versammelten Spatenstich-Gästen. Mit den Bauarbeiten wird noch vor den Ferien begonnen. Bild: Metz

Alle Schulen an einem Tisch
Der Siegerentwurf für den Neubaukomplex

Der Freiburger Architekt Ingolf Kanzler, 55, der mit seinem Partner Ludwig Harter den Wettbewerb in Mössingen gewann, beschrieb im Gespräch mit dem TAGBLATT gestern den geplanten Neubaukomplex als
U-förmiges Gebäude, das sich sehr sensibel in den schönen großen Campus einfüge, ohne aufdringlich zu wirken; mit geschütztem Innenhof.
Die Mensa im Erdgeschoss sei das Herzstück vom ganzen Campus, dreiseitig verglast, Innen und Außen gingen nahtlos ineinander über.
Mit Klinker gemauert, knüpft das Gebäude in seiner „einfachen Materialsprache“ an den Lehmbruck-Bau der Rühleschule an. Auch im Innern, so Kanzler, sei es eine „dezente Materialwahl“, mit Holz, Sichtbeton, Metall und Glas.

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13.07.2012, 12:00 Uhr

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