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Starzach ist rund und feiert ganz groß

Alle Welt war am Wochenende zu Gast in Sulzau beim 15. Starzachfest / Die Pendelbusse mussten Extratouren fahren

„Dich hab ich schon lang nicht mehr gesehen.“ Diesen Satz hörte man häufig auf dem Festplatz in Sulzau beim 15. Starzachfest

27.07.2015
  • Fred Keicher

Sulzau. „Das zieht an uns vorbei“, sagte Simon Wiedemann über das heranrückende Gewitter. Der stellvertretende Kommandant der Feuerwehrabteilung checkte am Freitagabend auf dem Smartphone die Karten der Unwetterzentrale. Er hatte nicht nur Gottvertrauen, sondern auch einen Plan B. Das Bürgerhaus war geöffnet. Im Falle eines Falles wäre dort weitergefeiert worden.

Auch DJ Karl Schlagerfeld hatte vorgesorgt. Er hätte Regenschlager gespielt. „Singing in the Rain“ und so. Der Mann heißt eigentlich Stefan Fehrenbach und kommt aus Villingen-Schwenningen. Es regnete nur zehn Minuten. Plan B war nicht nötig. Schlagerfeld legte auf, solange Leute da waren. Es soll spät geworden sein.

Samstagfrüh war ein kleiner Kinderflohmarkt angesagt. „Das schafft wieder Platz ist für Neues“, sagte der siebenjährige Chris aus Bierlingen. Er habe gut Geld verdient, das werde alles gespart. Leonie Beuter, 16, trennte sich von ihren Kindersachen. Sie hatte sie ordentlich aufgebaut und ärgerte sich. Am besten gingen nämlich die Spielzeugautos ihres Bruders. Der hatte sie einfach in eine Kiste geschmissen und dazugestellt.

Zum Fassanstich am Nachmittag erschien auch Polit-Prominenz. Die CDU vertrat Klaus Tappeser, der in den Stuttgarter Landtag strebt. Die SPD kam gleich zu dritt: Martin Rosemann sitzt im Bundestag, Rita Haller-Haid im Landtag, Dorothea Kliche-Benke möchte dort ihre Nachfolgerin werden. Der grüne Landtagsabgeordnete Daniel Lede Abal machte das Quintett komplett. Wichtiger war für Bürgermeister Noé allerdings, dass die Starzacher zuhauf kamen. Die Pendelbusse mussten Extratouren fahren, um alle Festwilligen herbeizubringen.

Links an der Sulzauer Neckarbrücke fing das Kinderparadies in Form eines Zuckerwattestands an. Rechts davon der Schrecken der Erwachsenen: das Blutdruckmessgerät am Stand der Rotkreuz-Bereitschaft. Ein wenig versteckt der Stand der Partnergemeinde Bocage Gatinais aus dem Burgund. Beim Feuerwehrhaus luden die Börstinger mit Cevapcici nach Kroatien ein, auf dem Dorfplatz die Sulzauer nach Italien. Hier gab‘s Pizza und Vorspeise halbmeterweise.

Die Vereine der fünf Ortsteile hatten sich jeweils zusammengetan und sich ein Land als Thema gegeben. Auf der Festwiese prangte die Schweizerfahne bei den Felldorfern. Die Bierlinger hatten eine Schnitzelranch aufgemacht. Die Wachendorfer taten so, als ob sie aus dem wilden Westen kämen (wo doch Wachendorf im Osten Starzachs liegt). Die Flüchtlinge aus Gambia, die im Ort untergebracht sind, hatten sie einfach mitgebracht.

Am Sonntag fielen dann die vielen Cowboy-Hüte auf. Die gehörten zu den Jacky Dancers aus Bierlingen, würdige, meist schon ältere Menschen, die Square Dance zu Country Music präsentierten. Passend dazu bot Florian aus Mönchengladbach auf einem mechanischen Stier Bullriding an. Erstaunlicherweise wagten sich mehr Frauen als Männer auf das bockige Tier. Auch die sechsjährige Franziska aus Unterjesingen ließ sich gelassen raufheben. „Die traut sich viel“, sagte ihr stolzer Vater.

Die Bühne auf der Festwiese stand in respektvoller Distanz zu den Festzelten, so dass die Blasmusik manchmal in den Hintergrund trat. Nicht so, als am Samstagabend die Honk & Blow-Kapelle des Bierlinger Musikvereins auftrat. Mit der Bierlinger Selbstständigkeit sei es nicht mehr weit her, erklärt ihr Spaßmacher Wolfgang „Django“ Ruggaber. In der Kapelle spielen auch zwei halbe Felldorfer mit, ein Wachendorfer und so weiter. Starzach wächst zusammen.

Nur auf der Starzachplatte, dem dem Golf nachempfunden Geschicklichkeitsspiel, ist Bierlingen der einsame Höhepunkt. Durch 18 Löcher muss eine Kugel auf der runden, der Gemarkung Starzachs nachempfundenen Landschaft balanciert werden, bis sie auf einer Art Vulkankegel mitten in Starzach zu liegen kommen muss. Gespielt wird mit einer kreisrunden Spielplatte von etwa 1,50 Meter Durchmesser. 1987, beim ersten Starzachfest, hatte Karl-Josef Ströbele die Idee zu dem Spiel. Einerseits war Ströbele aufgefallen, dass es kein Luftbild von Starzach gibt. Andererseits ärgerte er sich darüber, dass auf dem damals neuen Golfplatz nur spielen durfte, wer 20 000 Mark Einlage zahlen konnte. Der Geschwindigkeitsrekord für den Parcours liegt im Moment bei 57 Sekunden. Ströbele hat die ganze Gemeinde ohne großen Maßstabsverzerrungen auf die runde Platte gebracht. Die Namen der Schnellsten werden auf dem Rand verewigt.

Alle Welt war am Wochenende zu Gast in Sulzau beim 15. Starzachfest / Die Pendelbusse mussten
Ein Brillant-Feuerwerk illuminierte den Himmel am Samstagabend – allerdings nicht direkt über dem Festplatz, das Bild ist eine Montage. Beim Auftritt von Honk&Blow (rechts) riss Django alias Wolfgang Ruggaber Witze .Bilder: Haid

Alle Welt war am Wochenende zu Gast in Sulzau beim 15. Starzachfest / Die Pendelbusse mussten

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27.07.2015, 12:00 Uhr

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