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Landkreis nutzt ab September Kreissporthalle für 250 Flüchtlinge

Alle müssen zusammenrücken

Auf der Suche nach neuen Unterkünften greift das Tübinger Landratsamt jetzt auf die Kreissporthalle zurück. Noch im September soll sie für die provisorische Unterbringung von 250 Flüchtlingen genutzt werden.

07.08.2015
  • Christiane Hoyer

Kreis Tübingen. Bis zu 250 asylsuchende Menschen aus den weltweiten Krisengebieten will der Landkreis dort behelfsmäßig beherbergen. In einer eilig anberaumten Pressekonferenz teilte Landrat Joachim Walter gestern mit: „Wir müssen Vorsorge für den Herbst treffen.“ Allein im August rechnet die Behörde, die vom Land die Flüchtlinge zugewiesen bekommt, mit rund 250 neuen Asylbewerbern – das sind dreimal so viele wie noch im April.

Die bundes- und landesweit durchgegebenen Prognosen „mussten immer wieder nach oben korrigiert werden“, so Walter. Nun müsse der Landkreis seine eigenen Ansprüche an Unterkünfte und an die eigentlich vorgesehene Belegungsquote von sieben Quadratmetern pro Flüchtling revidieren. Bisher habe man im Landkreis immer nach der Devise gehandelt, die Flüchtlinge „ordentlich unterzubringen mit einem festen Dach überm Kopf“. Doch angesichts der Entwicklung müsse man auch im Kreis Tübingen kurzfristigere Container- und Zeltlösungen in Betracht ziehen. Walter appelliert daher an jede Stadt und Gemeinde im Kreis, an die Kirchen sowie an Firmeninhaber und Privateigentümer, Wohnraum zur Verfügung zu stellen – auch „größere, beheizbare Hallen“, die man mit geringfügigem Aufwand umbauen könne, kämen in Frage.

Im Ofterdinger Gemeinderat will der Landrat am kommenden Dienstag persönlich für den Vorschlag von Bürgermeister Joseph Reichert werben, eine der zwei Turnhallen als vorübergehende Unterkunft für 50 Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. Bezugsfertig gemacht wird derzeit auch das DHL-Hochhaus in Rottenburg (wir berichteten). Auch dort, so Walter, werde man Mitte September gleich 200 Flüchtlinge unterbringen. Ursprünglich waren 160 Plätze vorgesehen.

Ein neues Angebot liegt dem Landkreis außerdem von der Stadt Tübingen vor. Baubürgermeister Cord Soehlke erklärte gestern auf TAGBLATT-Nachfrage: Der städtische Bereitstellungsplatz für große Busse an der Europastraße stehe quasi sofort zur Verfügung. Er sei gut geeignet für das Aufstellen von Containern. Das sei besser als das Aufstellen von Zelten. Man müsse nur noch mit dem Regierungspräsidium abklären, ob man die bisher erhaltenen Fördermittel für den Platz zurückzahlen müsse, wenn er kurzfristig anderweitig genutzt werde. Nur vorübergehend zur Verfügung steht derzeit der Festplatz. Dort sei man vertraglich in der Pflicht – unter anderem mit den Betreibern der Familienmesse fdf. Doch bis zum Frühjahr, so Soehlke, könne man dort auf jeden Fall mit wetterfesten Zelten Abhilfe schaffen, wenn es keine anderen Lösungen gebe. Walter wie Soehlke vertreten jedoch die Ansicht: „Zelte sind die schlechteste Lösung.“

Der Landrat kritisierte die „fehlende systematische Vorgehensweise“ der Landesregierung, mehr Landeserstaufnahmestellen (LEA) zu schaffen. Nun müssten die neuen Flüchtlinge „im Hoppla-Hopp-Verfahren“ bei weit über 40 Grad in Zelten ausharren oder im Winter dann bei Kälte. Neue Informationen für eine behelfsmäßige Erstaufnahmestelle beim Landratsamt mit 500 Plätzen ab Oktober habe er nicht.

Sportunterricht wird in andere Hallen verlegt

Walter bezeichnete die Übergangslösung in der Kreissporthalle als Notfall. Man werde schauen, die Asylbewerber von dort möglichst bald in eine geeignete Unterkunft zu vermitteln. Bei den Schulen, Vereinen und den Kreistags-Fraktionen habe er eine erste „positive Resonanz“ bekommen. Unterdessen bemüht sich die Stadt Tübingen „mit Hochdruck“, die Sportpflichtstunden der Feuerhägle-Schüler in andere Hallen zu verlegen. Weil die Bundesliga-Handballer nicht mehr in der Paul-Horn-Arena spielen, habe man dort „ein bisschen freie Kapazitäten“, sagt die Erste Bürgermeisterin Christine Arbogast. Aber: „Es wird sehr eng, wir müssen alle zusammenrücken.“ Anfang September seien Schulen und Vereine eingeladen. „Dann werden wir alle Kapazitäten prüfen.“ Wegen des Ganztagsschulbetriebs sind auch viele Arbeitsgemeinschaften von der neuen Hallenbelegungssituation betroffen.

gsiehe vierte Lokalseite und „Reutlinger Blatt“

Alle müssen zusammenrücken
Diesen Busparkplatz an der Europastraße stellt die Stadt Tübingen sofort dem Landkreis zur Unterbringung von Flüchtlingen in Containern zur Verfügung. Archivbild: Metz

Aktuell gibt es im Kreis Tübingen 1001 Plätze für Flüchtlinge – die neuesten Pläne nicht mitgerechnet stellt die Stadt Tübingen zur Verfügung: 357 Plätze; Rottenburg: 289; Mössingen: 106; übrige Gemeinden: 249Plätze. Mitte Juli gab es 886 Plätze in den Gemeinschaftsunterkünften.
Zirka 250 Flüchtlinge nimmt der Landkreis derzeit jeden Monat neu auf.
Der Kreis sucht daher besonders dringend leerstehende, schnell beziehbare und heizbare Gebäude wie Turnhallen, Mehrzweckhallen sowie gewerbliche Hallen und Grundstücke in Bau-und Gewerbegebieten.
Kontakt: Landratsamt Tübingen, Telefon: 07071 / 207-3129.

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07.08.2015, 12:00 Uhr

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