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Alleinerziehender Vater ist zu gut für diese Welt
Guter Mensch oder nur resigniert: Für Regisseur Dominik Moll (hier in der Filmtage-Lobby) hat sein Protagonist zwei Seiten.Bild: Metz
Mit einer Komödie von Jury-Mitglied Dominik Moll klingen die Filmtage aus

Alleinerziehender Vater ist zu gut für diese Welt

Der schwarzhumorige Abschlussfilm „Des Nouvelles de la planète Mars“ kommt vom französisch-deutschen Regisseur Dominik Moll.

09.11.2016
  • Dorothee Hermann

Theoretisch teilt sich Philippe Mars (François Damiens aus „Tango libre“) das Sorgerecht mit seiner Exfrau. Tatsächlich kümmert sich der berufstätige Informatiker in der Komödie „Des Nouvelles de la planète Mars“ fast immer allein um die hyperehrgeizige Teenie-Tochter, die ihren Vater für einen Versager hält, und den Sohn, einen kämpferischen Vegetarier. Mit der Komödie von Dominik Moll klingen die Französischen Filmtage heute Abend aus.

Philippe wird von allen ausgenutzt: Von der Exfrau, den gemeinsamen Kindern, von seiner überkandidelten Schwester, die sich für eine Künstlerin hält, von seinem Chef und vor allem von einem durchgeknallten Arbeitskollegen Jérôme.

Für die Hauptrolle fand Moll den belgischen Schauspieler und Komiker François Damiens mit seinem zurückhaltenden Humor ideal. „Er hätte auch Jérôme sein können, weil er auch ganz ausgeflippte Sachen spielen kann“, sagte der 54-jährige Filmemacher im TAGBLATT-Gespräch.

Ist der durchsetzungsschwache Held der letzte gute Mensch auf dieser Welt? Manchmal hat der Regisseur diesen Eindruck. Andererseits sei Philippe jemand, „der kein richtiges Ideal mehr hat“, findet Moll. Eskapistische Raumfahrer-Phantasien seien der einzige Traum des überforderten Familienvaters. Dessen Werte und Ideale wiesen zurück in die Vergangenheit, ins 20. Jahrhundert – während die übrigen Figuren an der Zukunft orientiert seien, sogar der durchgeknallte Kollege mit seinem Ideal der „absoluten Liebe“, die überehrgeizige Tochter und Sohn als angehender Tierrechtler. „Was Philippe passiert, bringt ihn auf die Erde zurück“, so der Regisseur. „Es hätte auch alles in einem Blutbad enden können. Aber das wollte ich nie.“

Nicht einmal den Fröschen, die im Film vorkommen, sei etwas passiert: „Wir haben sie aus einer Froschzucht geliehen. Sie mussten in exakter Anzahl wieder zurückgegeben werden“, sagte Moll und beteuerte: „Wir haben ihnen nichts zuleide getan.“ Mittlerweile gebe es in Tschechien und in der Slowakei die meisten Froschzuchten, schätzt er. Für die lebendigen Requisiten im Film fand sich aber noch ein französischer Betrieb.

Früher hat der Regisseur selbst einmal Froschschenkel gekostet. „Es schmeckt wie zartes Hühnerfleisch.“ Er sieht die Tiere lieber nicht im Kochtopf: „Ich mag Amphibien. Ich mag Froschquaken.“

Als Sohn eines Deutschen und einer Französin ist Moll in Baden-Baden aufgewachsen. Als Jury-Mitglied der Filmtage hat er in diesen Tagen neun Spielfilme und zwei Kurzfilmprogramme gesichtet. Wenn er nicht im Kino sitzt, arbeitet er an einem Drehbuch für eine französische TV-Serie oder geht in Tübingen spazieren. Besonders eindrucksvoll fand er die Paläontologische Sammlung im Geologischen Institut.

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09.11.2016, 11:11 Uhr

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