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Alles für ein Baby
Eizellen werden in einer Kinderwunschpraxis präpariert. Foto: dpa
Familienplanung

Alles für ein Baby

Wenn beim Kinderwunsch der Erfolg ausbleibt, ist die Verzweiflung groß. Eine umstrittene Messe in Berlin soll helfen – mit Angeboten, die in Deutschland teilweise illegal sind.

30.01.2017
  • DPA

Berlin. Wohlgenährte rosa Wonneproppen zieren Webseite und Plakate der Messe. Ein Baby! Das ist der Herzenswunsch vieler Paare, bei denen es auf natürlichem Wege nicht klappt. Betroffene sollen sich schlau machen können über die Möglichkeiten der Medizin und dann alles richtig machen auf dem Weg zum eigenen Kind – das versprechen die ersten „Kinderwunschtage“ am 18. und 19. Februar in Berlin. Es ist laut Veranstalter die erste Publikumsmesse zum Thema. Doch schon im Vorfeld gibt es Kritik daran.

Denn dort präsentieren sich viele ausländische Kliniken, die hierzulande illegale Verfahren bieten. Eizellenspenden und Leihmutterschaft etwa. „Das ist eine Werbeveranstaltung, von der gerade für Patienten keine sachlichen Informationen zu erwarten sind“, sagt Matthias Bloechle vom Berufsverband der Frauenärzte. Die Messe sei unnötig.

Dabei gibt es schon lange Anzeichen, dass Paare sich von Verboten kaum abhalten lassen, wenn sie ein Kind wollen. Viel diskutiert wurde 2015 etwa der Fall einer 65-jährigen aus Berlin, die dank Samen- und Eizellenspenden in der Ukraine – von Medien begleitet – Vierlinge bekam. Auch der Deutsche Ethikrat will sich im März mit dem „reproduktiven Reisen“ befassen.

„Wir haben viele Leute aus dem Ausland, auch aus Deutschland“, sagt Craig Reisser von den US-Fruchtbarkeitszentren Oregon Reproductive Medicine aus Portland, die zur Messe kommen. Wie viele Deutsche direkt oder vermittelt von einer deutschen Klinik zu Kinderwunschbehandlungen verreisen, ist unklar. 1000 bis 3000 Paare seien es wohl, schätzt Ulrich Hilland, Vorsitzender des Bundesverbandes Reproduktionsmedizinischer Zentren Deutschlands (BRZ).

Lockerung gefordert

In Deutschland stoßen die Kinderwunschtage in eine Lücke: die zwischen medizinischen Möglichkeiten und dem Gesetz. Gerade bei der nach dem Embryonenschutzgesetz verbotenen Eizellenspende fordern manche Fachleute schon länger eine Lockerung. „Das Verbot ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt Hilland. Es sei aber wichtig, Paare gut über mögliche Risiken aufzuklären und sicherzugehen, dass Kinder eines Tages die Spenderin ausfindig machen können – anders, als es im Ausland in der Regel der Fall ist.

Dorthin aber bauen die Kinderwunschtage Paaren nun die Brücke, ausdrücklich auch Homosexuellen. Nur liquide müssen sie sein. Eine Eizellenspende im mittleren Preissegment etwa koste in den USA zwischen 37 000 und 42 000 Euro, inklusive Behandlung und Vergütung für die Spenderin, rechnet Reisser vor. Günstiger sind Kliniken in Spanien, Polen oder Tschechien. Sie sind bei Deutschen die gängigeren Ziele.

Die Veranstalter wissen um die rechtliche Problematik. Wie deren Berater, Anwalt Holger Eberlein, sagte, könnten Ärzte wegen Beihilfe belangt werden, wenn sie über verbotene Verfahren mehr als nur informierten. Die Messe müht sich daher um einen wissenschaftlichen Charakter und hat einen langen Seminarplan.

„Ich sehe das mit gemischten Gefühlen“, sagte Reproduktionsarzt Hilland. „Infos sollte man weitergeben dürfen“ – aber er sieht einen hohen Grad an Kommerzialisierung, besonders bei US-Einrichtungen. „Da ist die Frage, wie weit will man es mit den Hoffnungen von Paaren treiben?“ Der BRZ habe sich deshalb gegen einen Stand auf der Messe entschieden.

Veranstalter ist eine britische Firma, die dort seit Jahren mit „Shows“ am Markt ist – Gesundheitsmessen für Produkte und Leistungen zu Themen wie Allergien – und eben Fruchtbarkeit.

Der Markt hierzulande hat jedenfalls Wachstumspotenzial: Bisher nutzen die meisten Kinderlosen gar nicht erst Kinderwunschbehandlungen – und wenn doch, dann spät als Ultima Ratio, wie es in einer Studie des Bundesfamilienministeriums heißt.

Daten aus dem so genannten IVF-Register zeigen: Wenn Patientinnen eine künstliche Befruchtung vornehmen lassen, sind sie inzwischen im Schnitt 35,2 Jahre alt – etwa 2,5 Jahre älter als Patientinnen im Jahr 1997. Die besonders fruchtbare Zeit ist bei Frauen mit Mitte 30 allerdings schon um Jahre überschritten. Wenn es dann zum Beispiel auch im Reagenzglas nicht klappt, kann es für eine Adoption im Inland zu spät sein. Und was bleibt dann – außer aufgeben oder dem Weg ins Ausland? dpa

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30.01.2017, 06:00 Uhr

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