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Heiße Tage locken die Menschen ins Wasser - auch wenn die Bedingungen nicht optimal sind

Alles im Fluss am Neckar · „Big Jump“ bei der Alten Weberei

Mit der Aktion „Big Jump 2015“ möchten Tübinger für eine bessere Nutzung des Neckars werben. Etwa 100 Besucher nutzten am Sonntag in Lustnau die Gelegenheit zur Abkühlung – der Badespaß kann aber auch Gefahren bergen.

12.07.2015
  • Benedikt Reder

Die bleierne Hitze dieses Tages kriecht in alle Winkel und Ecken der Stadt. Ihr zu entkommen fällt schwer – einzig der Sprung ins kühle Nass verspricht Abhilfe. Viele treibt dieses Versprechen ins Neckarbad oder die Badeseen in Hirschau und Kirchentellinsfurt.

Jedoch längst nicht alle. Auch Neckar, Ammer und Steinlach werden gerne für ein erfrischendes Bad genutzt. Die Mündung der Ammer in den Neckar im Stadtteil Lustnau war gestern der Tübinger Schauplatz des „Big Jump 2015“, eines europaweiten Aktionstages für das Baden in Flüssen.

Das „European River Network“, ein Zusammenschluss verschiedener Organisationen und Vereine, hatte zur Teilnahme an diesem Aktionstag aufgerufen. Es gibt ihn nur alle fünf Jahre. Ziel der Interessengruppe ist es, sich in Europa für einen nachhaltigen Umgang mit Flüssen und Flusslandschaften einzusetzen und auf die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu drängen. Diese regelt seit dem Jahr 2000 die Wassernutzung innerhalb der Europäischen Union und strebt eine generelle Verbesserung der Wasserqualität auf dem Kontinent an.

Den Tübinger Beitrag zum „Big Jump“ hatte ein Bündnis aus Bewohnerinnen und Bewohnern des Viertels „Alte Weberei“ organisiert. Es möchte den Neckar als natürlicher Raum innerhalb der Stadtgrenzen stärker in das Bewusstsein der Bürger rufen. „Es ist schade, dass die natürlichen Wasserläufe in Tübingen nicht in dem Maße genutzt werden, wie es eigentlich möglich wäre“, sagte Iris Sadlowski, Mitgründerin der Gruppe. „Der Neckar bietet viel Lebensqualität für uns Anwohner – leider haben wir meist nicht die Möglichkeit, davon auch Gebrauch zu machen.“

Die Neckarauen zwischen dem Stauwehr in der Gartenstraße und dem Bereich um die „Alte Weberei“ seien als Naherholungsort bisher nur schlecht erschlossen, so Sadlowski. Vor allem der steile Zugang zum Ufer stelle ein Problem dar. Zudem mache der kanalisierte Verlauf den Fluss für Badende wenig attraktiv. Einen naturnahen Rückbau der Flächen, wie an der Ammer bereits geschehen, würde hier helfen und zudem den Hochwasserschutz verbessern.

Auch Barbara Lupp, Anwohnerin und Geschäftsführerin beim BUND Neckar-Alb, hält einen verbesserten Zugang zum Fluss für sinnvoll: „Es ist wichtig, dass den Menschen ein Bewusstsein für ihre Umgebung ermöglicht wird. Der Neckar muss für alle wahrnehmbar sein, wenn ein nachhaltiger Umgang mit diesem Ökosystem umgesetzt werden soll.“ Ein leichterer Zugang zur Uferregion steht für Lupp deshalb auch für mehr Verständnis und Sensibilisierung für den Neckar und somit für einen besseren Schutz des Gewässers.

Die Wasserqualität wird nicht überwacht

Beim Thema Wasserqualität sieht die Gruppe durchaus noch Verbesserungspotential. Das Baden im Neckar sei jedoch nicht gefährlich. Nach etwa fünf Tagen Trockenheit liege die Schadstoffbelastung unter den Grenzwerten für Badegewässer. Lediglich nach starkem Regen könnten Krankheitserreger und Keime durch die Kanalisation und von den landwirtschaftlichen Flächen rund um den Fluss ins Wasser geschwemmt werden.

Eine Masterarbeit des Wasserwirtschaftsstudenten Julian Kölbel aus dem Jahr 2010, auf die das Bürgerbündnis verweist, kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Allerdings fehlt es laut Kölbel an belastbaren Daten für den Neckar. Für eine dauerhaft gute Wasserqualität brauche es zudem zusätzliche Filtertechnik und eine UV–Behandlung des Abwassers in den Kläranlagen.

Aus Sicht des Landratsamts, das für die Gewässernutzung zuständig ist, besteht dennoch ein Gefahrenpotential. Auf Anfrage des TAGBLATTs teilte man mit, dass die Situation in Tübingen zwar nicht problematischer sei als andernorts auch, jedoch eine Infektion mit Krankheitserregern nicht ausgeschlossen werden könne. Durchfall oder andere Infektionskrankheiten wie etwa Leptospirose könnten die Folge sein. Wie bei allen Gewässern, die nicht als Badeorte ausgewiesen sind, würden Neckar, Ammer und Steinlach nicht regelmäßig auf Belastungen überprüft. Als Grund für die Verschmutzungen nennt das Landratsamt Kläranlagen, übergelaufenen Regenrückhaltebecken, landwirtschaftliche Abwässer sowie Nagetiere und Wasservögel.

Von der Frage der Wasserqualität des Neckars lassen sich viele Badefreunde jedoch nicht an einer Abkühlung hindern. Bei einem Rundgang über die Neckarinsel sind an vielen Stellen Menschen im Wasser zu beobachten. Nur wenige sind besorgt über mögliche Gefahren. Auf die Vorzüge eines Bades im Neckar angesprochen bekommt man stets die selbe Antwort: Es sei schöner, ruhiger und nicht so überfüllt wie im Schwimmbad. Man könne grillen und sich im Neckar treiben lassen. Und erfrischender sei das Ganze obendrein.

Alles im Fluss am Neckar · „Big Jump“ bei der Alten Weberei
Badespaß in Ammer und Neckar: Beim „Big Jump 2015“genossen die Besucherinnen und Besucher am und im Wasser das schöne Wetter.Bild: Reder

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12.07.2015, 12:00 Uhr

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