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NSU-Ausschuss

„Alles ist im Sande verlaufen“

Ein Ex-Soko-Chef aus Thüringen berichtet von frustrierenden Ermittlungen.

29.04.2017
  • LSW

Stuttgart. Der ehemalige Leiter der Sonderkommission „Rex“ gegen die rechte Szene in Thüringen, Günther Hollandt, hat von massiven Problemen bei seinen Ermittlungen gesprochen. Ihm seien in den 1990er Jahren von den eigenen Leuten, aber auch vom Verfassungsschutz Steine in den Weg gelegt worden, sagte Hollandt im NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags in Stuttgart. „Sämtliche Verfahren, die wir bearbeitet haben, sind irgendwo im Sande verlaufen. Es war für mich irgendwo frustrierend.“

Der Landtagsausschuss geht der Frage nach, ob die Rechtsterroristen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) im Südwesten Helfer hatten. Die NSU-Mitglieder Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe stammen aus Thüringen. Die Bundesanwaltschaft hält sie für zehn Morde zwischen 2000 und 2007 für verantwortlich – auch für den an der Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn. Zu mutmaßlichen Bezügen des NSU nach Baden-Württemberg konnte Hollandt gestern allerdings nichts sagen.

Hollandt sagte, die Zusammenarbeit mit dem Verfassungsschutz in Thüringen sei schwierig gewesen. Dieser habe den Schutz seiner Quellen über die Aufklärung von Verbrechen gestellt. Es habe in der Soko zudem auch einen Maulwurf gegeben: Geplante Maßnahmen der Polizei seien in der rechtsextremen Szene vorab bekannt gewesen. Zu den Gründen, aus denen die Soko 1996 nach eineinhalb Jahren überraschend aufgelöst wurde, meinte Hollandt: „Wir waren zu aktiv und zu dicht dran, und der Verfassungsschutz hatte einfach Angst, dass wir ihnen das Wasser abgraben.“ Der Ausschuss befragte auch den früheren Betreiber eines Privatkellers in Heilbronn, in der sich die rechte Szene in den 1990er Jahren häufiger traf.

Der 61-Jährige widersprach Mutmaßungen, er könne dem NSU-Trio eventuell Unterschlupf gewährt haben. Auch könne er sich nicht daran erinnern, dass Mundlos, Böhnhardt oder Zschäpe jemals in seinem Keller gewesen seien. Zu vielen Fragen des Ausschusses wollte oder konnte der Zeuge keine Angaben machen. dpa

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29.04.2017, 06:00 Uhr

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