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Stuttgart 21

Alles nach Plan

Seltene Einigkeit im Lenkungskreis: Auch Minister Hermann baut jetzt auf die Kostenschätzung der Bahn. Deren Gutachten sei plausibel.

08.11.2016
  • ANDREAS BÖHME

Stuttgart. Es war die mutmaßlich letzte Sitzung für Volker Kefer, den scheidenden Infrastrukturvorstand der Bahn. Aber so nah war man sich wohl noch nie im Lenkungskreis, in dem die DB, das Land sowie Stadt und Region Stuttgart über den neuen Bahnknoten in der Landeshauptstadt debattieren. Die Einigkeit in der gestrigen 16. Sitzung ging sogar so weit, das man auch nach dem Abschluss von Stuttgart 21 zusammenkommen will – und über eine weitere Optimierung der Infrastruktur gemeinsam sprechen will: „S21 ist nicht das Ende des Nachdenkens“, so Kefer, und Themen gibt es genug.

Von der aktuellen Kostenschätzung der Bahn sind nun auch die kritischsten Begleiter des Projekts überzeugt: selbst Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), erkannte sie gestern an: „Mit hoher Wahrscheinlichkeit“ lande man in jenem Korridor von 6,3 bis 6,7 Milliarden Euro, den zwei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, die im Auftrag des DB-Aufsichtsrats tätig waren, aufzeigen. Horrorschätzungen von zehn Milliarden Euro Gesamtkosten, die der Bundesrechnungshof in einer weiteren Studie genannt haben soll, basieren laut Hermann auf Annahmen, mit denen die Behörde „nicht auf der Höhe der Zeit“ sei. Hermann: „Wenn man höhere Kosten nicht belegen kann, soll man auch nicht davon erzählen.“ Die aktuelle Schätzung von 6,5 Milliarden, ergänzt Kefer, enthält auch noch einen freien Risikopuffer in Höhe von mehr als 600 Millionen Euro.

Außerdem sinken die Preisrisiken bei der Bauvergabe: Die Tunnel der Neubaustrecke sind zu mehr als der Hälfte fertig, die des rund 60 Kilometer langen unterirdischen Ringes in der Landeshauptstadt zu mehr als einem Drittel. Schwierigkeiten in der Geologie und speziell dem berüchtigten Gipsuntergrund habe es bislang nicht gegeben. Bis auf den Ausbau mit Gleisen, Signalen und Oberleitungen sind die meisten Arbeiten vergeben, die technische Ausrüstung gehört aber zum Alltagsgeschäft der Bahn, das wenig Überraschungen berge, so Kefer.

Gleichwohl, und das ärgert die Projektpartner, kennen sie alle Gutachten nur inoffiziell. Im Original liegen sie ihnen nicht vor. Die Rechte am Rechnungshofpapier hat die Behörde selbst inne, die an den beiden Studien der Wirtschaftsprüfer liegen beim DB-Aufsichtsrat. Gleichwohl weiß auch der OB der Landeshauptstadt, der Grüne Fritz Kuhn: Die ursprünglich von einem Lokalblatt genannte Zahl von einer Kostenexplosion auf zehn Milliarden Euro finde sich nirgendwo in der Studie. Die Erklärungen, die die Bahn zu den Berechnungen gegeben habe, seien allerdings ausführlich und deshalb nachvollziehbar, so Hermann.

Ob es später über frühere Kostensteigerungen (dabei geht es um zwei Milliarden Euro) zu Prozessen der Projektpartner mit der Bahn kommt, schließt Kefer trotz des gegenwärtigen Gleichklangs allerdings nicht aus.

Bleibt noch der strittige Fertigstellungstermin. Beim neuen Hauptbahnhof war die Bahn immerhin schon zwei Jahre im Verzug, derzeit hole man allerdings auf und könne nach derzeitigem Stand noch mindestens zwölf Monate aufholen. Noch mehr sei möglich, man berate derzeit mit der Stadt über entsprechende Planänderungen, die den Bau beschleunigen könnten – sofern das Eisenbahnbundesamt sie genehmigt. Die Bahn hält deshalb weiter an ihrem Plan fest, dass Stuttgart 21 und die Neubaustrecke nach Ulm im Dezember 2021 in Betrieb gehen.

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08.11.2016, 06:00 Uhr

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