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Kunst

„Alles wird vermietet und vermarktet“

Alle zehn Jahre blickt die Welt nach Münster. Die „Skulptur Projekte“ wollen erneut mit Erwartungen brechen.

28.01.2017
  • DPA

Münster. Die „Skulptur Projekte Münster“ haben sich seit 1977 einen Platz unter den weltweit wichtigsten Großausstellungen ergattert. Verändert habe sich der Blick auf die Kunst, sagt der Kurator Kasper König. Nun kuratiert er erstmals im Team mit Britta Peters und Marianne Wagner.

Können Sie 2017 noch mit Kunst im öffentlichen Raum provozieren?

Kasper König: 1977 und auch das Mal danach waren wir noch Skandal, dabei war es gar nicht unser Ansinnen, zu provozieren, allenfalls, zu überraschen. Heute feiert man die „Skulptur Projekte“, als wären sie der liebe Gott persönlich. Im Gegenteil, es sind Lokalpolitiker und Stadtmarketing-Leute, die sich einen Skandal wünschen.

Marianne Wagner: Es geht uns aber nicht darum, Marketing-Gags zu lancieren und damit fremde Interessen zu bedienen. Wir wollen Dialoge in der Stadt entfachen, die irgendwo hinführen sollen.

Es ist aber doch Ihr Anspruch, mit Erwartungen zu brechen. Wie kann das heute gelingen?

Kasper König: Sehr schwer. Die Erwartungen haben sich so festgesetzt. Kunst wird so umarmt, alle finden das toll. Es gibt so viel Übereinkunft. Wenn sich alle einig sind, stimmt aber irgendwas nicht. Alles wird vermietet und vermarktet und das nennen wir auch noch „Demokratie“. Überall sind Straßenfeste, aber die sind wahnsinnig kommerzialisiert. Und die so genannte Alternative ist so dermaßen spießig, dass es mir großes Unbehagen bereitet.

Populisten, Flüchtlinge, Terrorismus – die vergangenen Jahre sind voller Krisen und Umbrüche. Wie politisch sind die Skulptur Projekte?

Britta Peters: Es gibt von vielen Seiten den Anspruch, Kunst solle sich direkter und expliziter politisch äußern. Das ist zugleich auch der Wunsch, ein bisschen einfacher zu machen, worum es eigentlich geht. Die Zeit im Moment ist grauenhaft, aber ich weiß nicht, ob es die Lösung sein kann, dass eine Vielzahl von künstlerischen Formulierungen sich plötzlich einengt auf Parolen oder politischen Aktivismus.

Welche Antworten finden Künstler für das Jahr 2017?

Ein großes Thema der „Skulptur Projekte“ wird sein, dass durch das Internet natürlich ganz neue Möglichkeiten entstehen. Es wurde am Anfang gefeiert als neuer Ort für eine kritische Öffentlichkeit, wie beim Arabischen Frühling zum Beispiel. Gleichzeitig erleben wir im Internet eine ähnliche Privatisierung des öffentlichen Raums wie zuvor in der Stadt. Da wiederholt sich ein Einengen auf einige wenige große Global Player, die alle Informationen sammeln und lenken. dpa

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28.01.2017, 06:00 Uhr

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