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Angriffe gegen den IS

Allianz militärisch nur mäßig erfolgreich

Seit mehr als einem Jahr fliegt eine internationale Koalition Angriffe gegen den IS. Entscheidend schwächen konnte sie die Terrortruppe nicht.

17.11.2015
  • JAN KUHLMANN, DPA

Der Blick auf den internationalen Kampfeinsatz in Syrien und im benachbarten Irak macht wenig Hoffnung, dass dem "Islamischen Staat" allein militärisch beizukommen ist. Zwar stoppten die Angriffe der von den USA geführten Allianz den Expansionsdrang der Extremisten an einigen Orten und drängten den IS zurück. Entscheidend schwächen konnten die Bombardierungen die Terrormiliz aber nicht. Noch immer beherrscht sie riesige Gebiete in Syrien und im Irak.

Kernproblem des Lufteinsatzes ist der Mangel an verlässlichen Partnern und gut ausgebildeten Truppen am Boden. Kriege lassen sich nicht aus der Luft gewinnen. Keine der westlichen Regierungen zeigt sich jedoch bereit, mit eigenen Bodentruppen gegen den IS vorzugehen. Allein die Kurden im Irak und in Syrien sind als Verbündete so gut trainiert und ausgerüstet, dass sie mit Hilfe der Luftangriffe der Koalition größere Gebiete von der Miliz zurückerobern konnten.

Die irakische Armee hingegen erlebte in den vergangenen Monaten bittere Niederlagen gegen die Dschihadisten. Als der IS im Sommer 2014 auf die nordirakische Metropole Mossul vorrückte, rannten die Soldaten einfach weg. Die irakische Armee leidet unter Korruption, mangelhafter Ausbildung und fehlender Motivation ihrer Soldaten. Geländegewinne konnte sie trotz Unterstützung von US-Militärberatern und Luftangriffen nur dort erzielen, wo sie massiv von schiitischen Milizen unterstützt wurde - bewaffnete Gruppen, die vom Iran finanziert werden und einen Kampf an der Seite der USA ablehnen.

Schwierig sieht die Lage auch in Syrien aus. Hier sind die kurdischen Volksschutzeinheiten wichtigster Partner des Westens. Doch sie gelten zugleich als syrischer Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, die in den USA auf der Terrorliste steht. Der Nato-Partner Türkei will ein Erstarken der Kurden in Syrien unbedingt verhindern. Washington arbeitet zudem mit moderaten Rebellengruppen zusammen, die im syrischen Bürgerkrieg jedoch keine Durchschlagskraft besitzen.

Generell sind sich die Experten einig, dass der IS allein militärisch nicht zu besiegen ist. Irak, Syrien, Libyen - stark ist er nur dort, wo die staatlichen Strukturen zerschlagen wurden und es ein Machtvakuum gibt. Dauerhaft Fuß fassen kann er nur dort, wo er Unterstützung der lokalen Bevölkerung findet, die ihre eigene Regierung ablehnt. Wer den IS besiegen will, darf nicht nur militärisch denken, sondern braucht politische Lösungen.

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17.11.2015, 12:00 Uhr

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