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Fiete (21) sprach über sein Leben im Gefängnis

Alltag hinter Gittern

Wie sieht das Leben im Gefängnis aus? Wie fühlen sich die Inhaftierten, was geht in ihnen vor? Fiete ist seit neun Monaten in der Rottenburger Justizvollzugsanstalt. Im FLUGPLATZ-Interview berichtete er, wie er sich in den ersten Tagen fühlte und worauf er sich für die Zeit danach am meisten freut.

13.06.2012
  • Laura Neusser (18) Angela Wistuba (18)

Fiete (Name geändert) ist 21 Jahre alt und sitzt seit neun Monaten in der Rottenburger Justizvollzugsanstalt. Warum, darüber redet er nicht so gerne. Sein erster Eindruck vom Gefängnis war für ihn „schon schlimm“, erzählt er. Zu Beginn seiner Haft wurde er in einer Einzelzelle untergebracht, in der Fiete einsame und langweilige Stunden verbrachte, da er weder einen Fernseher hatte noch Zellengenossen.

„Die Situation besserte sich, als ich in Gruppenvollzug gekommen bin“, versichert der junge Mann. Hierbei handelt es sich um Zellen, die begrenzt offen stehen und so eine Art WG-Leben ermöglichen. Beispielsweise können die Bewohner in einer Gemeinschaftsküche kochen.

Diese spezielle Art der Haft soll die spätere Resozialisierung vereinfachen. Allerdings ist nur ein Teil der Rottenburger Justizvollzugsanstalt so konzipiert. Fietes Alltag in der Haft sieht so aus: „Um 6 Uhr stehen wir auf, trinken kurz einen Kaffee und rücken ab zur Arbeit.“ Da Fiete schon vor seiner Haftzeit in einer Schreinerei tätig war, kam er auch im Gefängnis in die Betriebsschreinerei. „Wir arbeiten acht Stunden am Tag und haben eine Stunde Mittagspause“, berichtet er. Fiete ist froh, dass er der Schreinerei zugeteilt wurde. Es ist eine Arbeit, die er kennt und die ihm das Gefühl gibt, dass die Tage schneller vergehen.

Nicht so gut gefällt ihm der Lohn: Dieser beträgt zwischen 1,18 und 1,76 Euro pro Stunde. „Dafür, dass wir die selbe Arbeit leisten wie draußen, ich also richtige Möbel anfertige, finde ich das zu wenig Geld.“ Wer ins Gefängnis kommt, muss dort arbeiten. Die JVA hat eigene Betriebe, teils lassen Firmen von außerhalb in der JVA Sachen fertigen. Drei Siebtel des Lohns darf ein Strafgefangener behalten und sich davon beispielsweise Süßigkeiten und Zigaretten kaufen. Der Rest wird auf ein Konto überwiesen, für die Zeit nach der Haft. Neulich hat das Bundesverfassungsgericht geurteilt, dass das zu wenig ist. Es gibt nun eine Art Kompromiss: Wer zwei Monate gearbeitet hat, wird dafür einen Tag früher entlassen.

Nach der Arbeit haben die Gefangenen eine Stunde Hofgang und anschließend Freizeit in ihren Zellen. „In dieser Zeit spiele ich Gitarre oder koche mit meinen Jungs in der Gemeinschaftsküche“. Dann neigt sich der Tag auch schon wieder dem Ende zu. Sonntags gehen die Inhaftierten gerne in die Gefängniskirche, die sie zugleich als „Tauschbörse“ bezeichnen.

Fietes Haftzeit beträgt noch sieben Wochen. Besonders freut er sich auf seine Familie: „Am liebsten würde ich sofort nach Hause zu meiner Frau und meinem Kind gehen. Ich vermisse sie so sehr.“ Man kann schnell Mitleid mit Fiete bekommen, aber es heißt immerhin nicht umsonst „Haftstrafe“. Und diese hat auch Wirkung gezeigt – denn Fiete bereut alles und ist fest entschlossen, in Zukunft ein geordnetes Leben zu führen.

Alltag hinter Gittern

Alltag hinter Gittern
... und kam später in ein Zimmer, das eher so aussah: Die Altbauten sind karg.

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13.06.2012, 12:00 Uhr

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